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The Dues – Time Machine

(js) „Time Machine“ ist der Titel des neuen musikalischen Outputs der drei Schweizer, die sich erstmalig anno 2011 zusammen fanden. Und ja, natürlich passt er wie die besagte Faust aufs Auge. Wir kehren gemeinsam mit Pablo Jucker (voc, gui), Stefan Huber (bs) und Dominik Jucker (dr) zurück in die Hochzeit des Heavy Blues Ende der 60er, Anfang der 70er. Jetzt wird der ein oder andere Musikhörer wieder reflexartig und lauthals aufschreien, er sei dieses Retrorock-Aufkommens überdrüssig, aber dies ist ja nur die halbe Wahrheit. Sicherlich mag es momentan ein wenig hip sein, diesem Stile zu frönen und trotzdem hat es noch nie geholfen, etwas, ohne sich selbst ein Ohr zu machen, kategorisch oder aus purem Trotze abzulehnen.

Zumal man sich mit dem Zweitwerk der Schweizer – erst 2016 erschien deren Debut „Thief Of Time“ – eines wahren Hörgenusses berauben würde. Und dies nicht nur ob der exorbitanten Gesamtspielzeit von mehr als 60 Minuten, sondern auch, und vor Allem, wegen der authentischen Herangehensweise an ihre Songs. Rau und dreckig, ebenso wie es ihre offensichtlichen musikalischen Inspiratoren taten. Da seien Bands wie „Cream“, „Grand Funk, „Free““ oder auch „Taste“ genannt. Diesen rauen Effekt erreichte die Band auch dadurch, dass sie einfach mal mit einfachen Mitteln ihren Proberaum in ein Studio umfunktionierten. Bassist Stefan Huber fungierte bei den späteren Aufnahmen dann auch gleich als Toningenieur. Der hörbare Vorteil war, dass man sich alle Zeit der Welt nehmen konnte, die Songs einzuspielen.

Begrüßt werden wir mit dem kaum typischer für den Heavy Blues stehenden Opener „Confusion“, der seinem Namen insofern keine Ehre macht, als dass er statt für eben jene Verwirrung einzig für Begeisterung sorgt. Wunderbar bluesiges Riffing, ein druckvoller, kaum zu zügelnder Bass und ein dynamisches Schlagwerk sollen auch für das weitere Album stete Begleiter werden. „What A Fool“ birgt dann diesen stampfenden Rhythmus in sich, der den Rezensenten spüren lässt, dass Headbanging im Frühstadium nicht ausnahmslos dem Lauschen von Metal-Tönen vorbehalten sein muss. „Who Am I“ trägt sodann ein feines psychedelisches Grundgerüst in sich und scheut nicht davor, durch ein fulminantes Solo aufgebrochen zu werden. Nach den ersten Songs, die zeigen wohin der Weg gehen soll, gönnen uns die drei Schweizer mit „Pictures Of Time“ ein erstes musikalisches Ruhekissen. Der instrumentale Swamp-Blues lässt mich meinen Schaukelstuhl auf der Veranda noch einmal ausrichten, bevor „Spirits Of The Dead“ und „Devil’s Work“ die just vorgenommene Korrektur meines Sitzmöbels wieder ad absurdum führen.

„All My Life“ lässt darauf schließen, dass die Jungs auch dem Südstaaten-Rock durchaus wohlgesonnen gegenüber stehen. Und sich dort ungemein wohl fühlen. „Mountain“, „Marshall Tucker Band“, „Molly Hatchet“ – da mag jeder heraushören, was oder wen er mag. Der Song mündet in einem fantastischen, knapp 1 ½ minütigen Solo, welches mich jubilierend zurück lässt. Den Weg, wenn auch druckvoller dargeboten, auf dem „Southern Highway“ führen wir mit dem folgenden „Waiting“ einfach fort. Man spürt auch hier mit jeder Note, dass alle Musiker nicht nur jeder für sich virtuos aufspielt, sondern dies auch miteinander tun. „Lover Man“ kommt fast eher untypisch klar daher, was aber keineswegs ein fehlendes Qualitätsmerkmal ist. Die rhythmisch treibende Arbeit von Schlagzeuger Dominik führt uns durch den Song und bietet eine tolle Basis für die Saitenfraktion. Fast schon balladesk startet man dann in „You Got To Live“, bevor auch dieser Song an Fahrt aufnimmt und uns die vermeintliche Auszeit postwendend um die Ohren spielt.

Mit dem Zehnminüter „Demons“ endet das Zweitwerk der Schweizer in einer aufreizend lässigen Art und Weise, dass man sich in die LSD getränkte Zeit Ende der 60er/Anfang der 70er quasi zurück gespült fühlt. Hier spielen die Jungs geradezu mit den Stilmitteln dieser Aera. Um uns nach knapp vier Minuten ein mehrminütiges Schlagzeugsolo zu geleiten. Kann man machen, muss man aber zumindest auf einem Studioalbum vielleicht nicht zwingend. Zumal ich selbst bei Livegigs eben jene Schlagzeugsoli nicht zwingend einfordere. Aber dies ist eine persönliche Einstellung des Rezensenten.

Unter dem Strich bieten „The Dues“ auf diesem Output Unmengen musikalischer Elemente, die uns jene Tage der Hendrixs und Creams noch einmal fühlen und spüren lassen. Manchmal einfach straight nach vorn, dann aber auch wieder verwinkelt, spielen sie den Heavy Blues in vielen Facetten. Wenn hier und da vielleicht auch der ein oder andere etwas ruhigere, tragendere Song für noch mehr Abwechslung hätte sorgen können. Was sie aber darbieten, bieten sie professionell dar. Stets authentisch klingend, ist dieses Album eine wahre Huldigung der Helden jener Tage. Ohne aber als Abklatsch zu klingen, denn dazu sind die Jungs innovativ und eigenständig genug. Das Retro-Firmament ist um einen strahlenden Stern reicher und zeigt wieder einmal deutlich, dass, wenn man – wie in diesem Falle – deutlich spürt, dass die Musiker ihre Musik lieben und leben, es gar nicht genug Bands und Interpreten geben kann, die uns dieser musikalischen Jahre immer wieder erinnern. „Bring back the good ol‘ days“ ist bezogen auf dieses Album weitaus mehr als eine fade, langweilige Wiederholung eines häufig verwandten Slogans. Gern mehr davon. Hopp Schwyz!

Tracklist:

01 Confusion – 03:44
02 What A Fool – 03:35
03 Who Am I – 06:04
04 Pictures Of Time – 02:54
05 Spirits Of The Dead – 06:24
06 Devil’s Work – 07:31
07 All My Life – 04:39
08 Waiting – 03:24
09 Set My Soul – 03:55
10 Lover Man – 03:44
11 You Got To Live – 04:51
12 Demons – 10:16

https://www.facebook.com/thedues/
http://thedues.ch/
https://www.youtube.com/channel/UCrFMo45i-Aw06P9zJqfu2AQ

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