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Roger Waters – Olympiahalle München 13.06.2018

(gerald andersson) Roger Waters Besuch in München hat im Vorfeld schon viel Staub aufgewirbelt. Münchens OB Reiter hätte die Veranstaltung am liebsten abgesagt, dies war aber nicht mehr möglich.
Warum dieses ganze Getue um einen Musiker?
Nun, Roger Waters ist dafür bekannt gegen fast alles zu sein und dies auch laut kundzutun. Es ist jedermanns Recht zu allem eine Meinung zu haben und diese auch zu vertreten. Doch sollte ein Künstler auf die Gepflogenheiten im jeweiligen Land Rücksicht nehmen und sich eigentlich auf seine Musik konzentrieren. Viele Stars nutzen ihre Bekanntheit um für dieses oder jenes zu werben oder eben Stellung zu beziehen. Roger ist gegen Trump, das mag viele von uns freuen und uns den Künstler sympathisch erscheinen lassen. Gegen Umweltverschmutzung ist er auch, ebenso empfindet er den Klimawandel, im Gegensatz zu Trump, als schwerwiegend. Seine Kritik gegen Israel mag in anderen Ländern auch noch durchgehen, aber Deutschlands schwieriges Verhältnis zu Antisemitischen Themen müsste er im Vorfeld seines Auftritts eigentlich bedacht haben.
So zog er bei den vorhergehenden Konzerten In Deutschland einen Zettel aus der Tasche und ließ Schimpftiraden, in ungewohnter Härte, auf das komplett unvorbereitete Publikum prasseln. Hast du das wirklich nötig Roger?
Wir wollen dich wegen deiner Vergangenheit bei „Pink Floyd“ hören und sehen und wegen deines Status als musikalische Legende. Deine Kreativität und Leistung wollen wir würdigen, aber nicht deiner politischen Überzeugung ausgesetzt sein. Ich habe immerhin 600.- Euro für die beiden Tickets hingelegt, als Reminiszenz an vergangene Zeiten.

Pünktlich um 20.00 Uhr begann das 20-minütige Meeresrauschen. Eine Frau, von hinten gefilmt, sitzt auf einer Düne und schaut den Wellen zu. Untermalt mit sphärischen Klängen diente dies wohl als Einleitung auf die kommenden Stücke. Jedes Lied des Konzertes war mit einer passenden und genau abgestimmten, absolut hochwertigen Videoproduktion versehen. Diese Riesen-Leinwand füllte die ganze Breite der Halle aus und wurde nach der Pause durch eine, der Länge nach abgerollten Leinwand ergänzt. Diese Leinwand zog sich von der Bühne, beidseitig, bis ganz nach hinten, zu den rückwärtigen Sitzplätzen. Dies kam bei manchem Fan vielleicht nicht ganz so gut an, verdeckte es doch lange Zeit die Sicht auf die Bühne.

Die Show begann dann mit „Speak to me“ und „Breathe“, gefolgt von „One of these days“.
Grundsätzlich sind die Stücke nicht „mit-klatsch-tauglich“ und die Übergänge von einem Song zum nächsten waren fließend, so blieb die Euphorie und Stimmung eher immer am unteren Rand. Bei Song Nummer 10 „Wish you where here“ kam dann erstmals etwas Stimmung auf und die Besucher kamen auf ihre Kosten. Dieses Lied kennt man, man liebt es und erkennt den typischen „Pink Floyd“ Sound wieder. Vor der Pause folgte dann noch „Another brick in the Wall“. Hier holte sich Roger Hilfe von 12 „Münchener Kindeln“, welche um 17.00 Uhr noch schnell etwas Choreografie Unterricht bekamen und als Guantanamo Gefangene, mit Säcken über dem Kopf, die Bühne betraten.

Die Säcke wurden dann schnell entfernt, die Kids boten eine klasse Leistung, zogen dann die orangen Overalls aus, um ein schwarzes „Resist“ T-Shirt zu zeigen. Hier jubelte das Publikum erstmals richtig, die Stimmung war klasse, der Lautpegel der Fans richtig hoch.
Dann ging es leider in die 20-minütige Pause. Diese war wegen des schwülen Klimas aber wirklich notwendig. Es wurde bereits im Vorfeld viel Limo und Wasser getrunken und so verwunderte es nicht, dass sich sogar vor den Männer Toiletten richtig lange Schlangen bildeten. Auf der Leinwand wurden nun Botschaften, vor allem gegen Trump gezeigt. Aber auch andere Politgrößen bekamen ihr Fett weg.

Nach der Pause, beim Song „Pigs“ drehte dann ein überdimensionales, rosa Schwein, mit Drohnen bestückt, seine Runden durch die Halle. Erstaunlicherweise kommt das Schwein ohne kontroverse Symbolik aus, stattdessen prangt auf ihm ein neutraler „Stay Human“-Schriftzug. Bereits beim vorhergehenden Song „Dogs“, wurde eine beidseitig, der Länge nach durch die Halle führende Leinwände abgelassen, intoniert mit aufdringlichem Sirenengeräusch und roten Blink-Lichtern.

Lied Nummer 16 war dann „Money“ gefolgt von „Us and Them“, bevor mit Nummer 20 dann „Eclipse“, als letzter Song aufgeführt wurde. Zugabe war dann „Comfortably Numb“.

Die letzten beiden Songs wurden von einer aufwendigen Lasershow begleitet. Zusätzlich wurden kleine Schweinchen, mit dem Aufdruck „Resist“ über den Besuchern ausgeschüttet. Es war schon sehr viel Politik in einer an sich fantastischen Show. Wir wollten eigentlich nur Musik hören und sehen und wurden aber auch in die Polit-Kundgebung von Roger Waters mit eingebunden, ob wir nun wollten oder nicht. Seine Antwort an Münchens OB Reiter lautete denn auch. „vom Konzertverbot bis zur Bücher Verbrennung ist es nicht mehr weit“. War dies nun alles nur ein überdimensionales Kunstwerk oder doch nur der (Rache-) Feldzug eines verbitterten, alten Mannes? Wir wissen es nicht und so bin ich genauso schlau wie vorher.

Auch an Roger sind die Spuren des Alterns nicht vorübergegangen. Die Arme sind dünn geworden, die Stimme manchmal etwas hakelig und brüchig, aber immer noch gut erkennbar. Die beiden Background Sängerinnen, richtig spacig angezogen, mit blonder Perücke, a ´la „Raumschiff Enterprise“ waren mit ihren Einsätzen stets präsent. Auch bei ihren Soli merkte man schnell, dass hier kräftige, ausgebildete Stimmen, hinter den beiden stecken. Jessica Wolfe (Jess) ist Sängerin und Songwriterin und Gründerin der Gruppe „Lucius“, ebenso wie Kollegin Holly Laessig. Beide haben das Berklee Music College absolviert.

Saxophonist Ian Ritchie verstärkt für die 6-wöchige Tour mit seinen Einlagen die Show.
Er spielt bereits seit einigen Jahren für Roger Waters und hat seine eigens Projekt „SOHO“ erfolgreich am Laufen.

Der Abend verging wirklich sehr schnell, die aufwendige Produktion, das „Rundflug Schwein“, die spielfreudige Band, trugen das Ihrige dazu bei. Oft wird der 74jährige wohl nicht mehr in Deutschland zu sehen sein, so verwundert es auch nicht, dass trotz der weit überteuerten Ticketpreise, fast alle Konzerte ausverkauft sind. Unter 80.- Euro ging hier fast gar nichts. Die meisten Saalplätze gingen für über 200.- Euro weg. Promotors Group München ist ja auch nicht für seine moderaten Ticketpreise bekannt. Trotzdem dürfen wir Fans und Besucher froh sein, dass wir diesen Ausnahme Künstler noch einmal live erleben durften. Vor seinem Hotel schrieb Roger 52 Autogramme, für jeden Fan genau eines. Nach dem Konzert gab es für die Wartenden leider keine Unterschrift mehr, tja so sind die Künstler eben halt….

Tourband:

-Roger Waters – bass, lead vocals, guitars
-Dave Kilminster – guitars, bass, talk box, backing vocals
-Gus Seyffert – guitars, bass, keyboards, backing vocals
-Jonathan Wilson – guitars, keyboards, lead and backing vocals
-Drew Erickson – piano, keyboards, Hammond organ (withdrew from tour before Newark date, due to injury)
-Bo Koster – piano, keyboards, Hammond organ (replaced an injured Erickson, from Newark date onwards)
-Jon Carin – piano, keyboards, programming, lap steel guitar, guitars, lead and backing vocals
-Ian Ritchie – saxophone, additional bass
-Joey Waronker – drums, percussion
-Jess Wolfe – lead and backing vocals, percussion
-Holly Laessig – lead and backing vocals, percussion

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