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Rose Tattoo – Blood Brothers

(js) Bekanntermaßen sind ja „Rose Tattoo“ momentan wieder auf Tour. Und da man kein neues Album am Start hatte, entschloss man sich einfach das bis dato letzte Studioalbum „Blood Brothers“ wiederzuveröffentlichen. Dieser Output aus dem Jahre 2007 wurde ratzfatz in ein neues Coverartwork gepackt und um sechs Bonus-Live-Tracks ergänzt. Und trotzdem stellt sich der geneigte Hörer die Frage, ob er dieses Album wirklich zwingend benötigt. Die 11 Songs sind keineswegs neu eingespielt, dafür sind die Livesongs sicherlich lohnenswert. Es muss eben jeder für sich selbst entscheiden, für mich als jahrzehntelangem Anhänger der Aussies stellte sich die Frage ohnehin nicht, weil sie eine der Bands sind, deren Schaffen ich ohnehin komplettiert habe.

„Blood Brothers“ ist wohl eins, wenn nicht gar das eindringlichste Album der Band. Schon aus dem Grunde, weil im Jahr vor den Aufnahmen die Gründungsmitglieder „Slideguitarmonster“ Pete Wells sowie Ex-Bassist Ian Rilen an Krebs verstarben. Der Titel des Albums kommt somit auch keineswegs von ungefähr. Angry sagte später mal, dass es für ihn einerseits nicht einfach war, diese Songs zu schreiben und aufzunehmen, er andererseits aber auch nicht die Wahl hatte, weil Wells sich den Fortbestand der Band wünschte und in ihm selbst noch so viel „Rock’n’Roll“ steckte. Und das, soviel vorab, spürt man den elf Liedern allemal ab.

Die Scheibe beginnt mit dem Cover von Stevie Wright‘s „Black Eyed Bruiser“, das ja bereits ein Jahr zuvor im Jahre 2006 als Appetizer per Single veröffentlicht wurde. Bei treibenden Rock`n´Roll-Nummern wie dem etwas an AC/DCs „Let there be rock“ erinnernden „Slipping Away“ und vor allem den groovenden „1854“ und „Sweet Meat“ steppt das Känguru, groovt der Koala und jubiliert das Schnabeltier. Gewürzt noch mit echten Rockern wie „Man about Town” oder „Stand over Man”. Es ist den Jungs gelungen, einmal mehr eine lebendige Scheibe vom Stapel zu lassen die nicht nur arschtritt wie Sau, sondern mit „Once in a Lifetime“ einen wunderbar bluesigen Track mitbringt, welcher sich textlich an die beiden verstorbenen Kollegen richtet. Zwar gelangt die Band nicht mit der Geschwindigkeit ihrer ersten beiden Alben ins Ziel, kann dafür aber mit unnachahmlicher Coolness überzeugen. Und mit „Lubricated“ ist am Ende des Albums gar ein flotter Punkrocker vorhanden.

Trotz der berühmt berüchtigten Partystimmung auf „Blood Brothers“ zieht sich aber auch eine spürbar sentimentale Ader durch die Songs, der schmerzliche Verlust von Wells und Rilen hat deutlich Spuren hinterlassen. In den Herzen der Band und der Fans mag dies zu schmerzhaften Narben geführt haben, musikalisch füllte Neuzugang Dai Pritchard die Lücke an der Gitarre aber fantastisch aus. Mit Mick Cocks hört man auf „BB“ auch wieder ein klassisches Line-Up Mitglied. Auf Tour ging später dann jedoch Ur-Basser Geordie Leach als Ersatz für den 2007 ausgestiegenen Steve King . Auch Mick Cocks starb 2009 an Leberkrebs. Somit sind die einzigen Überlebenden der Besetzung des Debüts Angry Anderson und Geordie Leach. Dieser ist aber auf der aktuellen 2018er Tour nicht mit dabei, sondern wird ersetzt vom ehemaligen AC/DC Bassisten Mark Evans.

„Blood Brothers“ spiegelt im Grunde große Teile der Laufbahn der Tatts wider, gibt sich von bluesig bis hart rockend dem gesamten Spektrum der Australier um Mastermind Angry Anderson hin und schließt vom Songwriting bisweilen hier und da an die beiden ersten Alben der Wunderknaben an. Das war bereits im Jahre der Erstveröffentlichung (2007) spürbar und es ist schön zu hören, dass das Album nichts von seiner Strahlkraft verloren hat. Und vermutlich wird man ohnehin „Blood Brothers“ als das feinsinnigste Album der Aussies in Erinnerung behalten. Der widrigen Umstände wegen und auch ob der Tatsache, dass Angry und seine Jungs es infolge dessen geschafft haben, den verstorbenen Gründungsmitgliedern in allerbester „Rose Tattoo“-Manier die musikalische Ehre zu erweisen.

Die sechs Bonus Tracks wurden im Übrigen während der damaligen Tour mitgeschnitten und erscheinen nun erstmals auf einem Tonträger. Auch wenn das Album ein paar Tage auf dem Buckel hat, so ist es dennoch eines der essentiellen Werke der Tatts und gehört gerade oder spätestens jetzt mit den Bonus Tracks eben doch in jede Fan-Sammlung.

Tracklist:

01. Black Eyed Bruiser
02. Slipping Away
03. Once In A Lifetime
04. 1854
05. City Blues
06. Sweet Meat
07. Man About Town
08. Creeper
09. Standover Man
10. Nothing To Lose
11. Lubricated
12. Man About Town (Live Bonus Track)
13. Black Eyed Bruiser (Live Bonus Track)
14. Once In A Lifetime (Live Bonus Track)
15. Sweet Meat (Live Bonus Track)
16.Standover Man (Live Bonus Track)
17. Nothing To Lose (Live Bonus Track)

https://www.facebook.com/RoseTattoo/
http://www.rosetattoo.com.au/

Filed under: Album Reviews, Bluesrock, Hardrock, Rock, Vinyl,

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