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Sherpa – Tigris & Euphrates

(as) Das zweite „Sherpa“-Album lässt im Vergleich zum Debüt der Gruppe keinen wesentlichen Fortschritt erkennen, was jedoch nicht negativ verstanden werden muss. Die Italiener spielen ihren meditativen Schuh mit aller Ruhe der Welt herunter und sind sich hörbar selbst genug, weshalb „Tigris & Euphrates“ wie aus der Zeit gefallen anmutet.

Und natürlich schweift die Band dem Titel gemäß quasi ins Zweistromland ab. Ihre Form von Weltmusik pendelt zwischen der Wiege der Menschheit und Vorderasien hin und her – musikalische Afrikanistik und Orientalistik, beides mindestens im Grundstudium, wenn man so möchte. Aber heben wir im Gegensatz zu den Protagonisten nicht ab …

„Sherpa“ spielen nach wie vor exotisch anmutenden Post Rock im weitesten Sinn mit allen Schikanen. Bereits das einleitende „Kim (((o)))“ schraubt sich genauso wie später „Abscent to the Mother Language“ (wenn auch nicht auf derart bedrohliche Weise) und zum Schluss „ Descent of Inanna to the Underworld“ zu rauschhaftem Flirren hoch, ohne am Ende klischeehaft abzustürzen, und auch der Gesang ist bei dieser Kapelle mehr als bloße Makulatur, wie man an „Creatures From Ur“ erkennt, wo er faktisch im Mittelpunkt steht.

Diese verträumte Nummer erweist sich als frühes Highlight der Platte, das sich schwerlich überbieten lässt, obgleich man Musik andererseits nicht als Leistungsschau begreifen sollte, schon gar nicht in diesem Genre. „Equiseto“ nimmt dem vorangegangenen Track nichts und fällt nur einen Tick perkussiver aus, die „Def Version“ von „Overwhelmed“ ist ein Zwitterwesen – zunächst ein Hauch von nichts (bisschen Bass, bisschen Gitarre, verschrobenes Säuseln), dann swingen „Sherpa“ mit Sitar vor sich hin wie eine Mischung aus Pink-Syd, Spirit-Randy und Sgt. Pepper.

Man muss ähnlich wie die Band selbst bereit sein, sich fallenzulassen, um „Tigris & Euphrates“ im vollen Umfang genießen zu können. Wer „quantitativ“ hört, wird sich mit der Klangökonomie auf dem von Grobschnitt-Eroc herrlich dynamisch gemasterten Album schwertun, doch lechzt du nicht ständig nach höher, schneller und weiter, ist das Ding dein neuer Freund oder wenigstens ein akustischer Rückzugsort. In keinem Fall gehören „Sherpa“ zu jenen Schaumschlägern, die mit ideenarmem Gesäusel Tiefsinn heucheln.

42:48

Kim (((o)))

Creatures From Ur

Equiseto

Abscent to the Mother Language

Overwhelmed (Def Version)

Descent of Inanna to the Underworld

http://www.sherpaita.bandcamp.com

Sulatron/Broken Silence

Matteo Dossena (v, g keys)

Pierluca Michetti (d)

Franz Cardone (b)

Axel DiLorenzo (g)

Ivano Legnini, Enrico Legnini (keys)

Andreas Schiffmann

Filed under: Album Reviews, Postrock, Psychedelic, Rock,

November 2018
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