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BUFF – Berlin Underground Fuzz Festival am 18. Oktober 2018

(pmck) Wie schön es ist, wieder in einer Großstadt zu leben. Auf einmal finden so viele Gigs gleichzeitig statt, dass es frustrierend ist, nicht bei allen dabei sein zu können. Am 18. Oktober fiel es mir jedoch leicht zu entscheiden, auf welches Konzert ich gehe… denn Fvzz Popvli hat in Berlin gespielt. Seit langem stehe ich mit der Band in Kontakt – und wiederholt habe ich ihre Konzerte verpasst. Es war immer etwas Anderes: entweder musste ich arbeiten oder war krank oder oder oder. Aber nun hat es geklappt: Ich habe das Italienische Trio live gesehen. Und zwar auf der zweiten Edition vom BUFF – dem Berlin Underground Fuzz Festival, das auch mein erstes Fuzz Festival war.

Das BUFF wurde von Magical Mistery VAN Events und DUSTOWN präsentiert. Sascha Höltge, der „Dustown Dude“, hat mir von der ersten BUFF Edition erzählt, die letztes Jahr im Urban Spree stattgefunden hat. Das Projekt haben Sascha und Francesco Pucci, Gitarrist von Fvzz Popvli, ins Leben gerufen. Doch dieses Jahr fand das Festival in einer neuen und ziemlich interessanten Location statt. Nämlich im Toast Hawaii, direkt bei der U-Bahn Station Eberswalder Straße. Praktisch, ich konnte in nur 10 Minuten mit dem Fahrrad hinfahren. Und war sehr überrascht, als ich dort ankam. Eine kleine Tür, die man komplett übersehen könnte, wenn sie nicht so bunt und extravagant gestaltet wäre. „Die Venue Toast Hawaii gibt es seit 1,5 Jahren. Das Mutterschiff ist die Event-Kneipe Zum Starken August um die Ecke. Die Aufmachung des Clubs geht auf die Familie eines der Betreiber zurück, die 80 Jahre lang in Deutschland einen Zirkus geführt hat, auch während der gesamten DDR-Zeit. Das Programm: Burlesque Shows, Porno Karaoke, Disco und Konzerte. Und der Laden wird auch oft für private Feiern gemietet, erzählte Sascha. Die Venue sieht extrem interessant aus. Die Dekoration dort ist einfach wirklich erste Sahne. Zirkuselemente und bizarre Fotografien füllen die Räumlichkeiten mit einem unverwechselbaren Charme. Überall fühlt man sich wie in einem Karussell, die Bar ist mit weißen Pferden und Verschnörkelungen versetzt und ein richtiger Hingucker. Sehr schön!

Gerade pünktlich für die erste Band bin ich angekommen: Mireille Dark. Nein, nicht das französische Model. Sondern ein besonders interessantes Psych-Kraut-Technoir Trio aus Berlin. Bassist Joe Sparkle, Gitarrist Alex Kozmidi und Schlagzeuger Adrian Bang sind in der Berliner Underground Szene bereits bestens bekannt. Sie haben sehr unterschiedliche Backgrounds, wie Heavy Psych und Jazz. Und sie machen einen sehr geilen Sound. Pucci von Fvzz Popvli hat sogar behauptet, sie wären die beste Band, mit der sie auf der letzten Tour gespielt hätten. Und ich muss bestätigen, ich bin auch außerordentlich überzeugt. Mireille Dark versetzt das Publikum in Trance mit ihrer dunklen und spielerischen Atmosphäre. Von ihrer Setliste ist leider nur einer der ersten Songs online zu finden, mit einem Musikvideo dazu. „Night Cruise“ ist entspannt und träumerisch, dazu kann man gut die Hüfte langsam hin und her bewegen und einen guten Gin Tonic genießen. Hinter dem Schlagzeug wurde „Blue Velvet“ von ’86 projiziert, das hat die allgemeine kinematographische Stimmung sehr gut ergänzt. Die hypnotisierende Gitarre, das mächtige Schlagzeug und der treffsichere Bass schufen knapp eine Stunde lang eine super Grundlage für die Weiterreise. Ihr letzter Song wurde zu einem kleinen Medley und ich traute meinen Ohren kaum als plötzlich ein bekannter Riff ertönte… „I Want You (She’s So Heavy)“ von The Beatles! Sehr cool, dass ich eine Woche nach dem Konzert wieder und immer noch auf Beatles hängengeblieben war…

Zwischen den Gigs lief King Gizzard And The Lizard Wizzard. Ich kann nicht oft genug sagen, wie sehr mir das gefällt. Kann man nicht immer machen, klar, aber wenn es passend eingesetzt wird, ist King Gizzard einfach genial. Ich habe getanzt und den Bands beim Umbau zugeschaut. Es ist immer lustig, diesen Moment genau mitzubekommen. Wo eine Band ziemlich angespannt und die andere ziemlich erleichtert aussieht. In Berlin scheinen Veranstalter die Pünktlichkeit sehr ernst zu nehmen… diesen Eindruck hatte ich bei beinahe allen Konzerten. Wie angekündigt und mit kurzer Umbaupause ist um 23 Uhr Fvzz Popvli auf die Bühne gegangen. Die Band besteht aus dem schon bekannten Pucci, Riccardo am Bass und Giogio am Schlagzeug. Die drei Jungs sind super lieb! Aufmerksam und lustig, und man merkt, dass die Chemie zwischen ihnen einfach gut passt. Fvzz Popvli kommt aus Rom und sie waren auf Tour mit ihrem neuen Album, „Magna Fvzz“, veröffentlicht von Heavy Psych Sounds Records. Angefangen haben sie ihren Full-Set mit „Stamps are for… Smile“, aus ihrem Album „Fvzz Dei“. Pucci’s verrückte Stimme, gemischt mit seinen abgefahrenen Gitarreneffekten, dem fröhlichen Schlagzeug und dem groovigen Bass, hat die bisherige Reise mit gutem Anstand weitergeführt. Nach ein paar Songs von „Fvzz Dei“ stellte Fvzz Popvli das neue Album vor: Magna Fvzz ist ein besonderes Paradebeispiel für psychdelischen Fuzz, Kraut und Shoegaze. Das interessante an Fvzz Popvli: obwohl sie immer ihrem Genre treu bleiben: sie haben keine Angst, in ihren Kompositionen stark zu variieren. Syd Barrett, Frank Zappa aber auch Hawkwind Fans können hier ihren Spaß haben. Mein Highlight des Abends: die verrückte Stimme, die live noch besser ist, da man Pucci zusätzlich in Action sehen kann. Menschen, die bizarre Vox mögen, so wie bei Rush, den guten alten Led Zeppelin oder Ruff Majik, werden bei Fvzz Popvli auf ihre Kosten kommen. Bis kurz vor 1 hat das Publikum getanzt, headgebangt und Fvzz Popvli triebhaft genossen.

Ich musste nach dem Gig leider gleich nach Hause radeln, da ich einen frühen nächsten Tag hatte. Das BUFF 2018 hat sich sehr gelohnt, und ich bin gespannt, wer nächstes Jahr mit auf das Boot springt!

(Pearl McKurdy)

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