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Editors und Vorband Vök – Im Wizemann/ Stuttgart 21.11.2018

(LW) Ich staune, war ich zuvor doch noch nie hier. Eine große Halle, die an eine vergangene industrielle Nutzung erinnert und als Konzertlocation unglaublich Charme hat. Das Ambiente passt absolut zu den Künstlern. Improvisiert stehen an den Seiten einige Stühle für diejenigen, die einen Sitzplatz gebucht haben, aber der Großteil der Menge drängt sich vor die Bühne.
Die Halle ist zu gut 2/3 gefüllt und so wie es aussieht, sind die meisten für den Hauptakt „Editors“ hier.
Zuvor aber kommt Vök. Sie kommen aus Island, eine Dream-Pop Band aus Reykjavik, um genau zu sein. Ich hab vorher noch nie etwas von ihnen gehört und glaube im Nachhinein, dass ich da leider eine ganze Weile echt tolle Musik verpasst habe.
Die Bühne ist in Dunkelheit gesetzt, keine großartige Dekoration oder ähnliches, nur einzelne Leuchtsäulen sind zu sehen.
Dann trat Vök auf die Bühne, bestehend aus der Frontfrau, einem Gitarristen und einem Drummer. Sie halten sich ebenso schlicht wie das Bühnenbild; Kleidung eher neutral und keine großen Vorgeplänkel. Sie fangen direkt an und zeigen sofort, dass sie es total drauf haben. Leadsängerin Margrét wirkt noch sehr jung und bemerkenswert sicher in ihrer Sache. Es ist ihrs und begründet eine so persönliche und gleichzeitig um sie greifende Authentizität, die ich selten so gespürt habe. Gerade das und ihre Schlichtheit erzielen eine große Wirkung. Hinzu kommt, dass sie absolut in den Songs lebt. Sie ist die Gründerin der 2013 entstandenen Band, mit dem damaligen Saxophonisten, der 2017 ausstieg. Mit jedem Song nimmt die Band das Publikum in ihren Bann. Die lockeren Gespräche links und rechts neben mir verstummen. Der Applaus wird bei jedem Titel lauter und heftiger und auch die rhythmische Bewegungen im Publikum werden mehr und mehr zu einer einheitlichen Massenbewegung. Teilweise klingen die Drums wie Herzschläge und erfüllen den ganzen Körper.
Irgendwie entsteht eine Distanz zur eigenen Realität, Ort und Zeit verschwinden tatsächlich etwas durch den starken Fokus auf die Bühne und diese Energie, die von dort kommt. In jedem einzelnen Song. Diese Komposition aus Licht, Nebel, Dunkelheit passt mit dem Dream-Pop/Indie-Electro-Sound perfekt zusammen. Verträumte Elektronik mit melodischem Gesang, entfernten Saxophonen und sauberen Nachhall-Gitarren begleiten uns circa eine Stunde und das ist viel zu kurz!

Dann treten „Editors“ auf die Bühne. Der Umbau dauert etwas lange, man hat sich also wieder etwas von Vök und diesem mystischen Charme gelöst. Bereit für eine britische Band, die sich eher im New-Wave und Post-Punk Spektrum positioniert. Wir werden mit einer Kusshand begrüßt, die Instrumente werden nochmal gecheckt und dann geht es episch los. Tiefe, Gefühl und Ergriffenheit von seinen eigenen Songs zeichnen Tom Smiths´ Performance durchgängig aus. Die Songs fließen ineinander über, dabei sind auch einige Klassiker, die die längeren Fans entlarven. Denn es entsteht eine leicht positiv-melancholische Atmosphäre im Publikum. Positiv-melancholisch, weil weniger sentimental mitgesungen wird, sondern vielmehr mit emotionaler Fülle den Musikern die Verse entgegengeschleudert werden. Auf der rechten Seite der Bühne wird sogar gepogt, da stehen also die aktiveren Fans. Vielleicht waren einige von ihnen auch einfach schon mal bei dem ersten Teil der Tour ihres sechsten Albums Anfang des Jahres dabei und wollten nochmal ein unvergessliches Konzerterlebnis haben. Wäre verständlich.
Nicht nur die Musik selbst, sondern auch das Zusammenspiel der Band unter sich macht einfach Freude anzuschauen. Gegenseitig wird sich angestachelt, die Gitarren noch lauter und schneller zu spielen. Ihr Stil ist, ähnlich wie „The National“ oder „The Killers“, es eröffnet also viele Möglichkeiten, alles aus den Instrumenten zu holen. Das tun sie auch, circa zwei Stunden lang und das ohne Zugabe.
Für uns Zuschauer ist das toll; eine Band, die so viel Freude an der Musik hat, dass man nicht das Gefühl hat, dass sie das Konzert im Pflichtrahmen erfüllen. Das Zeitgefühl scheint auch bei ihnen absolut verloren gegangen zu sein.
Aufgetankt mit Energie und zwei neuen Interpreten, denen ich auf Spotify nun folgen kann, kehre ich in die kalte Realität des Novembers zurück…..(leonie…©Photos thomasneumann)

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