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Captain Piff and the First Mates – Razzel Dazzel

(as) Dass es dieses Album ausschließlich auf Vinyl und in digitaler Form gibt, liegt in Anbetracht des Stils von „Captain Piff and the First Mates“ nahe, denn Razzel Dazzel“ rotiert so weit an jedem gängigen Trend in der Rockszene vorbei, das sich nur beinharte Liebhaber davon angesprochen fühlen dürften.

Dem Rest entgeht dabei mindestens eine Handvoll Soforthits, von deren oberflächlich speckig schroffer Anmutung man sich nicht beirren lassen sollte. Die junge deutsche Band frönt dem Garage Rock der späten 1960er, hat also sicherlich einiges von „MC5“ und „The Stooges“ gehört und befindet sich auch wegen ihrer Affinität zu forschem Punk in bester Gesellschaft: Immerhin erfreuen sich ähnlich getaktete Zeitgenossen wie „Zeke“, „Satan‘s Satyrs“ oder „The Lords of Altamont“ derzeit ebenfalls einiger Beliebtheit im Underground.

Der hämmernde Antreiber „Iron Beard“ und das teilweise überraschend ruhige „Blazing Heat“ sind zugleich die längsten und differenziertesten Stücke auf „Razzel Dazzel“, aber genauso wenig sperrig wie die kurzen Eruptionen, die sich in der Mehrzahl befinden.

Darunter sollte man insbesondere die zweiminütigen Rohdiamanten „Florida Rolf“, „Song 8“ und „Tarded Up!“ hervorheben. Dabei handelt es sich um unwiderstehliche Ohrwürmer, die „Captain Piff“ im Folgenden mittels erstaunlicher Stilvielfalt konterkarieren. Im launischen „Moldy Shoes“ meint man, etwas vom ätherischen Post Punk der frühen 1980er zu vernehmen (abgesehen von einer fetten Orgel wohlgemerkt), und ‚Stranger‘ geht sogar als Ballade durch.

An die überdrehten, schnoddrigen Gebärden des Sängers muss man sich allerdings gewöhnen, denn er kann mit seinem nervösen Gestammel, das an den blutjungen Roger Daltrey bei „The Who“ denken lässt (hier wird doch hoffentlich nicht vorm Musikmachen gekokst …) ziemlich auf den Geist gehen.

Schafft man dies, bekommt man nach spätestens drei Songs nicht genug von diesem ausgezeichneten Newcomer, dessen swingender Drummer noch einmal gesondert hervorgehoben sei. Das Album wurde live mit analogem Equipment im Bremer Studio Hörwerk eingespielt und zeugt von hervorragenden, eigenwilligen Musikern, die hoffentlich über ihre norddeutsche Heimat hinaus bekannt werden. Live spielen, Jungs, denn diese Mucke ist wie für kleine Clubs geschaffen!

http://www.facebook.com/CAPTAINPIFFANDTHEFIRSTMATES

31:38

29.03.2019

Florida Rolf

Iron Beard

Song 8

Blazing Heat

Little Black Bluesheart

Moldy Shoes

Strobocop

Tarted Up!

Stranger

Disco

Andreas Schiffmann

Filed under: 60s, Album Reviews, Garage Rock,

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