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Florian Lohoff – Risin‘

(as) Der Berliner Florian Lohoff zeigt sich auf „Risin‘“ so kosmopolitisch, wie man als deutscher Hauptstädter wohl sein muss, um sich auf professionellem Parkett zu etablieren. Als arrivierter Instrumentalist und Komponist aus dem Dunstkreis von Henrik Freischlader spannt er mit seinen eigenen Song ein stilistisch recht breites, sehr amerikanisches Panorama auf, das sich ohne weiteres im Mainstream-Radio behaupten kann.

Lohhoff verschränkt naheliegende Stile miteinander, allen voran Funk – höre das Titelstück mit schmatzendem E-Piano und Wah-Wah-Effekt auf der Gitarre, Soul sowie R&B nach modernem Verständnis wie in „Try“ oder „Taxi Driver“ (inklusive tuntiger „Prince“-Fistelstimme). Die Reggae-mäßige Eröffnung „Outside Looking In“ setzt neben dem Jazz-affinen „Diamonds“, das wohl auch am Broadway funktionieren dürfte, zusätzliche Akzente, die das umfassende Musikverständnis des Künstlers widerspiegeln.

Für die piekfein saubere Produktion würde sich jeder bei einem Major-Label unter Vertrag stehende Künstler anderthalb Beine ausreißen, ganz zu schweigen von den ausgezeichneten Instrumentalisten, mit denen sich Lohoff offensichtlich während der Aufnahmen umgeben hat. Natürlich Blues-Barde Freischlader selbst, aber auch Curtis Mayfields Saxofonist Tommy Schneller und diverse andere Studio-Asse.

Am Ende steht und fällt die Platte dort, wo ihr die Kanten fehlen. Das relativ dreckige „Treated Bad“ rockt mit aggressiv rauem Gesang und aufbegehrendem Pre-Chorus schleppend langsam als Gewinner unter allen zwölf Tracks über die Ziellinie, bloße Stilübungen wie „Let‘s Funk It Up“ (gute Laune aus dem Disco-Setzkasten der späten 1970er) kommen einem beim Hören leider zu häufig unter.

Einfach gesagt geht Lohoff über bloße Lippenbekenntnisse („Stay Free“) hinaus authentische Emotionalität ab; handwerklich ist „Risin‘“ ein überragendes Album, plätschert jedoch in letzter Konsequenz zu glatt vor sich hin. Man hat nicht den Eindruck, der Schöpfer müsste diese Musik unbedingt spielen, sondern glaubt eher, er täte es, weil er es halt kann … und Kunst kommt bekanntermaßen nicht ausschließlich vom Können

www.florianlohoff.com

59:24

Timezone/bereits erschienen

Outside Looking In

Try

Risin’

Diamonds

Daydream

Taxi Driver

Treated Bad

Stay Free

Unintended Suicide

Let‘s Funk It Up

No Time

Wake Up

Andreas Schiffmann

Filed under: Album Reviews, Blues, Bluesrock, Jazz, R & B, Reggae, Soul,

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