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Sugarfoot – In the Clearing

(as) Obgleich sich „Sugarfoot“ auf ihre geografische Herkunft bezogen gewiss nicht Wüstenrocker schimpfen dürften – Joshua Tree in der kalifornischen Wüste, wo sie ihr letztes Album produzierten, ist von ihrer Heimat Norwegen aus eine halbe Weltreise entfernt -, wirken sie auf „In The Clearing“ wie verkappte US-Westküstler. In den Songs ihrer neuen Scheibe jonglieren die Musiker freiweg mit nahezu sämtlichen Stilen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von San Francisco aus die Welt eroberten, doch sie darauf zu beschränken wäre andererseits zu kurz gegriffen.

Mag sein, dass das Aufnahmemilieu diesmal – eine alte Hütte oder Scheune in Noyant-la-Gravoyère in der französischen Provinz – dem aktuellen Material einen europäischen Touch aufgeprägt hat, denn vieles auf „In The Clearing“ wirkt geradezu schulmeisterlich anhand altbewährter Prog-Tugenden konzipiert, und zwar im wahrsten Sinn des Wortes.

So manche Nummer auf dem Album ähnelt einem klang-architektonischen Wunderwerk, hochgezogen mit Disziplin und Feeling zugleich, der denkbar idealsten Kombination für jede Form von Kunst. Indem sich „Sugarfoot“ genau an den richtigen Stellen zügelten, verhinderten sie ausufernde Strukturen und wahrten klassische Songwriting-Traditionen, weshalb die Lieder im Kern ebensolche bleiben und auch so rezipiert werden können.

Dann wiederum – ebenfalls an den richtigen Stellen, kommen aufwändige Arrangements am Rande des Symphonischen zur Geltung: warme Orgelparts, schmatzende E-Piano-Linien, Bläser-Sounds und hibbeliges Percussion-Spiel, Synthesizer-Fanfaren und über allem eine wunderbar helle, naive Lead-Stimme, die alles zusammenhält.

Die Instrumental-Passagen haben es dank nervös fiebriger Atmosphäre wie in Miles Davis‘ Fusion-Hochphase („Bitches Brew“) in sich, die gesungenen Abschnitte entsprechend meistens einer „Pink Floyd“-artigen Entschleunigung, und beides zusammen ergibt eine überragende Psych-Prog-Scheibe.

„In The Clearing“ verkürzt nicht nur allen die Wartezeit, die auf ein neues „Wobbler“-Album warten, sondern schenkt mit wilden Jazz-Rock-Eskapaden, die schroff dissonante Gefilde schrammen, und harmonieverliebten Psych-Pop-Momenten jedem Vintage-Fanatiker ein Rundum-glücklich-Paket.

Andreas Schiffmann

Crispin Glover/Stickman/Noisolution/27.9.

58:12

http://www.sugarfoot1.bandcamp.com

Changing Times

Cotton Candy Times

In the Clearing

Ladybug Fly

Just a Dream Away

The House on the Hill

Pretty Miss Darkness

Original Sin

Foggy Town – Pt. 2 Nopant-la-Granopère

Filed under: Album Reviews, Jazz, Prog, Psychedelic,

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