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Ghalia – Mississippi Blend

(hwa) Dachte kürzlich zufällig mal wieder über Ghalia Vauthier nach und habe mich gefragt, wo denn das verdiente zweite Album bleibt. Es kam tatsächlich nach ein paar Tagen. In etwa so ähnlich wie bei einem spontanen Gedanken an einen bestimmten Menschen – und genau der ruft dann wenig später an. Und siehe da: am 20. September erscheint „Mississippi Blend“ bei Ruf Records …
Ghalia Volt (aus Vauthier wurde ihr Künstername Volt) kann man nicht so einfach überhören. Das wäre höchst fahrlässig. Sie ist die geborene Rockgöttin. Eine, die Songs kreiert, die dermaßen authentisch nach dem Süden der Staaten schmecken, dass man mit den Ohren schlackert. Nachdem ihr Ruf-Debüt „Let The Demons Out“ von 2017 mit reichlich New Orleans-Flair daherkam (hier bei uns nachzulesen), taucht die in Brüssel geborene Sängerin und Songwriterin nun noch tiefer in die musikalische Tradition des amerikanischen Südens ein. Dafür reiste sie in die legendäre Hill Country-Region von Mississippi, wo eine Gruppe von anerkannten Musikern aus der Gegend ihre Songs nachhaltig umsetzten.

Vor ein paar Jahren war Ghalia noch belgischer Geheimtipp. Tagsüber spielte sie auf den Straßen von Brüssel. Abends mischte sie die Bluesclubs der Stadt und Umgebung auf. Doch als eingefleischter Fan von Blues und R&B konnte sie dem Lockruf der USA nicht auf Dauer widerstehen. Ihr Weg ging schließlich von Chicago über Memphis bis nach Nashville. Überall im Heimatland des Blues wurde sie gut aufgenommen. Innerhalb kurzer Zeit wurde Ghalia als Headliner heiß gehandelt. Welch tolles Rockmärchen – und dazu wahr!

Also, wenn man so will: das Beste nur den Besten. Auf „Let The Demons Out“ kombinierte sie den Groove von New Orleans mit ihrer ganz eigenen Punkrock-Attitüde. Dank der Mitwirkung des Bassisten Dean Zucchero, des Gitarristen Smokehouse Brown und des Mundharmonikaspielers Johnny Mastro von der legendären New Orleans-Combo Mama’s Boys schlug diese Debüt-Scheibe sowohl kommerziell als auch im kreativen Sinne wie eine Bombe ein. Das Album schaffte es auf Platz #1 von Louisianas Roots Music Report, Platz #15 in den National Contemporary Blues Charts und wurde von Classic Rock als Bluesalbum des Monats ausgezeichnet.

Wie es sich für eine Musikerin mit Blues im Blut gehört, sehnte sich Ghalia schon immer danach, eine Platte in Mississippi aufzunehmen. Deshalb hatte sie eine klare Vorstellung von „Mississippi Blend“: „Das Album sollte ungeschliffen klingen und konnte deshalb nur im Herzen von Hill Country entstehen, wo die Besten dieser Region ihren Stempel aufdrücken“.

Und genau deshalb kam lediglich folgendes Tonstudio dafür in Frage: das Zebra Ranch-Studio in Coldwater, Mississippi – Hauptquartier des preisgekrönten Produzenten Jim Dickinson – ist in Sachen Old School-Produktion eine führende Adresse. Hier wurden u.a. bereits Titanen wie T-Model Ford und R.L. Burnside auf Platte verewigt.

Ghalia ließ sich von der geschichtsträchtigen Umgebung aber ganz offensichtlich nicht einschüchtern. Mit eigenen Songs und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein im Gepäck ließ sie sich vom Geist Mississippis nachhaltig inspirieren. Volt sagt: „Mein Ziel bei diesem Album war vor allem ein natürlicher Sound, der von den Hill Country-Einflüssen, von Punk und Garage und dem Rock’n‘ Roll geprägt ist, der mein Startpunkt als Musikerin war. Ich versuche nicht irgendeinen Stil zu imitieren, sondern vertraue auf meine Songs als eigenständige treibende Kraft.“

Aber auch als Songtexterin liefert Ghalia Volt hier ihre bisher stärkste Leistung ab. Bei „Meet You Down The Road“ geht es um den tragischen Verlust eines geliebten Menschen. „Drag Me Down“ ermutigt den Hörer, immer weiter nach den selbstgesteckten Zielen zu streben. „Squeeze“ ist ein erotisches Liebeslied, das als süße, spielerische Geschichte verpackt wird. „Why Don’t You Sell Your Children?“ prangert eine durch Habgier moralisch heruntergekommene, egoistische Gesellschaft an, in der der nächste logische Schritt bei den Zukurzgekommenen, um noch ein paar Dollar hinzu zu verdienen, der Verkauf der eigenen Kinder wäre.

Auch gesanglich versetzt Ghalia Volt hier erneut Berge und spielt darüber hinaus Dobro und Slidegitarre mit überzeugendem authentischen Gefühl. Eine One-Woman-Show wurde die Platte aber keineswegs. Dean Zucchero und Smokehouse Brown trieben die Musik stets nach vorne. Dazu kamen täglich neue Gäste im Studio vorbei. Am Schlagzeug saßen z.B. Cody Dickinson von den North Mississippi Allstars und Cedric Burnside, dessen gekonnter Umgang mit der Hill Country-Tradition seinen Vater und Großvater stolz gemacht hätte. Der erfahrene Mundharmonika-Spieler Watermelon Slim glänzt beim Duett mit Ghalia beim Traditional „Wade In The Water“ mit seinem staubtrockenen Groove. Lightnin’ Malcolm – der als Gitarrist viel zur Vitalität der Hill Country-Szene beigetragen hat – liefert feurige Soli.

„Mississippi Blend“ – ein Roots-Cocktail wie aus dem Bilderbuch.

(Heinz W. Arndt)

Ghalia „Mississippi Blend“
Ruf Records 1272
11 Tracks
Laufzeit: 42:22 min
VÖ: 20.09. 2019

Tracklist:
01. Gypsy Lady
02. Meet You Down The Road
03. Squeeze
04. First Time I Died
05. Lucky Number
06. Wade In The Water
07. Drag Me Down
08. Shake & Repeat
09. Release Me
10. Why Don’t You Sell Your Children?
11. I Thought I Told You Not To Tell Them

http://www.ghaliaandmamasboys.com

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