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Luke Combs – What You See Is What You Get

(hwa) Luke Combs kam (fast) wie Phönix aus der Asche. Sein erstes Album „This One’s For You“ (mit einem von RCA marketingtechnisch nachhaltig unterfütterten Marktauftritt) wurde genau das, was angepeilt wurde: ein Millionenseller. Ich vermute, man wollte ihn wesentlich schneller in der profitablen Verkaufsspur haben, als Mitte der 70er – sagen wir – Bruce Springsteen. Deshalb haben auch ganz viele RCA-Marketing-Verantwortliche bis an die Schmerzgrenze an den Combs-Stellschrauben gedreht …

Und genau deshalb wird das zweite Combs-Album den Erstling toppen. Definitiv! Combs millionenfache Fans liegen ihm an den Lippen. Man kann es im Netz überprüfen. Die riesigen Arenen mutieren zu Messen. Und kriegen mit Combs zweitem Album im Zweifel noch feurigeres Futter.

Ich räume ein: Selten hat mich ein sogenanntes „Country“-Album dermaßen gerockt. Aber: Ist das überhaupt noch Country im eigentlichen Sinne? Was macht die überbordende Faszination denn dann tatsächlich aus? Vermutlich wie quasi schon seit Urzeiten das pure Sentiment. Combs trifft das Lebensgefühl seiner zahlreichen Fans geradezu mustergültig und vermittelt eine Menge Melancholie und – um nicht unterzugehen – eine gehörige Portion Zuversicht und Resilienz. Das alles verbunden mit einem gehörigen Schuss Springsteen-Rockappeal. Ich bin hier nicht zum Erklären da. Aber so ähnlich könnte es sein.

Fakt ist, dass sich der „New Country“ – zumindest in der Combs-Ausprägung – den ROCK aber sowas von einverleibt hat! RCA reibt sich die Hände und Bruce Springsteen lässt grüßen. Apropos Springsteen: Ich behaupte: Luke Combs ist aktuell so etwas wie der BOSS des Countryrock 3.0

Combs plus Band rocken die Arenen regelmäßig in die Raserei. Die beglückten Fans kennen die Texte auswendig. Auch ich – und das will was heißen – war durchaus beeindruckt. Was ja nicht nur an Combs alleine liegt. Er hat überragende Sidekicks an seiner Seite. Man sollte deshalb unbedingt eine oder mehrere Hörproben im Netz wagen.

Eines muss ich aber noch loswerden: Das Cover ist verstörend und erschließt sich vermutlich nur Eingeweihten. Es präsentiert Luke Combs als Gemälde von Rob Hendon. Ich stelle fest, dass die Augen tief in den Höhlen verschwinden und so gut wie unsichtbar sind, dass Combs dasteht wie ein Obdachloser in unruhigen Zeiten und lakonisch (Hände an der Hosennaht) einfach nur gestresst und genervt nach vorne starrt.

Was möchte uns Luke damit sagen? Es widerspricht dem musikalischen Inhalt und erst recht dem Albumtitel „What You See Is What You Get”. Weil die Fans nämlich genau das kriegen, was sie sehen, hören und erwarten: Euphorie, Melancholie und Zuwendung. Aber keinesfalls Missmut und Frust.

Vermute deshalb: Das Coverfoto könnte eine subtile Kritik an Donald Trump sein. Auf eine Antwort vom Combs Management zu hoffen, würde ich definitiv ausschließen. Unterstelle aber, der Rolling Stone würde eine kriegen.

(Heinz W. Arndt)

Luke Combs „What You See Is What You Get“

River House Artists/Columbia Nashville/Sony Music

17 Tracks

Laufzeit: 59:47 min

VÖ: 08.11.2019

Tracklist:

01) Beer Never Broke My Heart

02) Refrigerator Door

03) Even Though I’m Leaving

04) Lovin’ On You

05) Moon Over Mexico

06) 1,2 Many (feat. Brooks & Dunn)

07) Blue Collar Boys

08) New Every Day

09) Reasons

10) Every Little Bit Helps

11) Dear Today

12) What You See Is What You Get

13) Does To Me (feat. Eric Church)

14) Angels Workin’ Overtime

15) All Over Again

16) Nothing Like You

17) Better Together

Die fantastische Combs-Band wurde vom gelieferten RCA-Pressetext namenstechnisch vollständig ignoriert. So was schafft mir ungute Gefühle. Und nicht nur mir. Volker ist da ganz auf meiner Seite. Nach dem Motto: So was geht ja gar nicht.

Und dann passierte das „Wunder“: Bekam das Album schon vor dem eigentlichen VÖ als finished product (FP) zur Besprechung zugeschickt. Da durfte ich mir die Augen reiben und die Original-Besetzung vom Original-Booklet ablesen. Das ist mir unglaublich wichtig!

Von daher möchte ich hier insbesondere auch Mark Dehler danken. Der kümmert sich, wenn’s irgendwo brennt. Danke, Mark!

Beteiligte Musiker:

Jerry Roe and Doug Frasure – Drums, Percussion

Jimmie Lee Sloas, Ben Jordan und Tim Marks – Bass

Sol Philcox-Littlefield – Electric Guitar, Slide Guitar

Carl Miner – Acoustic Guitar, Banjo, Mandolin

Jon Conley – Electric Guitar, Acoustic Guitar, Banjo

Ilya Toshinsky – Acoustic Guitar, Mandolin

Gary Morse – Pedal Steel, Lap Steel

Wil Houchens und Dave Cohen – Piano, Organ, Synth

Buddy Leach – Saxophone

Aubrey Haynie – Fiddle

Scott Moffatt – Harmonies, Electric Guitar, Banjo, Synth, Percussion, Glockenspiel, Claps and Programming

Luke Combs – Vocals

Brooks & Dunn – Featured Vocals On “1,2 Many”

Eric Church – Featured Vocals On “Does To Me”

Album produced by Scott Moffat.

Filed under: Album Reviews, Classic Rock, Country,

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