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The Admiral Sir Cloudesley Shovell – Very Uncertain Times

(js) „The Admiral Sir Cloudesley Shovell“, benannt nach dem britischen Marineoffizier, der um die Jahrhundertwende vom 18. ins 19. Jahrhundert aktiv war, haben seit ihrer Gründung im Jahr 2008 psychedelische Jams aus einer Garage in Hastings, im südlichen England, in die musikalische Welt verströmt. Was offiziell dann im Jahre 2010 mit der EP „Return To Zero“ startete und anfangs erst über Singles fortgeführt wurde, mündete 2012 im Albumdebut „Don’t Hear It…Fear It!“

Bevor das Trio im Anschluss alle zwei Jahre ein neues Album folgen ließ. Und zwar stets fuzzig, kratzig, eben alles andere als eingängig. Der Admiral rockt und rüpelt seit jeher einen Sound, der mal „Jimi Hendrix“, dann „Cream“ oder gerne auch „Buffalo“ ähnelt, aber immerzu deutlich macht, dass diese Künstler nur Einflüsse sind und keine musikalischen Schablonen. Hommagen findet man beim Admiral nicht.

Die meisten Tracks der Band klingen, als hätte sie nur eine ungefähre Vorstellung davon, wie sich ihre Songs entwickeln werden – ein Text hier, eine Akkordfolge dort – und alles was nicht auf Anhieb passt, wird im Laufe einer Jam-Session eben passend gemacht. Und rasch aufgenommen. Das Ergebnis ist dann jener rauer Sound, bei dem ich stets der Überzeugung bin, dass das Trio in genau diesen Momenten das spielt, was für sie am besten klingt. Und nicht selten ist es das auch für mich!

„The Admiral Sir Cloudesley Shovell“,sind immer noch Johnny Gorilla, der berühmt berüchtigte Kopf der Truppe sowie Louis Comfort-Wiggett am Bass und die neue Dame am Schlagwerk, Serra Petale. Jener Johnny schafft es tatsächlich mit jedem Albumzyklus die Qualität der Produktion zu steigern. Exakt das versprach er mir zwar 2 Wochen vor der Veröffentlichung von „Very Uncertain Times“ schon persönlich im Siegener Vortex, als das Trio dort im Rahmen des „Freak Sabbath Vol. 5“ spielte, aber hört man dies nicht ohnehin von jedem Musiker, sobald man mit ihnen über deren neuestes Werk spricht? Hier aber hatte es seine Berechtigung. Und dieser neue Output wirkt auf mich tatsächlich kompakter und zusammenhängender, ohne dabei aber auf die schweren Riffs und Johnnys knurrenden Gesang verzichten zu müssen. All das unterstützt von Louis‘ treibendem Bass-Boom und einem vergleichsweise zarten Drumming.

Das Album wird mit dem Titelsong zum Leben erweckt. Er klingt, als würden die Winde, die über eine Wüstenebene gleiten, sich in einen rollenden, funkigen Beat verwandeln und dabei wie ein schweres Cover eines alten Swing-Songs klingen. Gorillas Organ erscheint währenddessen klarer als je zuvor, die stimmliche Frequenz verschiebt sich jedoch noch mehr in Richtung des großen Lemmy. „Ten Years Later“ begrüßt uns mit einem ausgewählten Riff, welches von Johnnys bluesigem Gesang durchsetzt wird. Bei der verströmten Leichtigkeit in diesem Lied, könnte man fast den Eindruck gewinnen, die Gitarre führt hier ein Eigenlebeben, während er nur singt. Mit einer sabbath-artigen Akkordfolge kommt „The Third Degree“ daher. Die Band geht hier einen etwas anderen Weg. Mit sanft gespannten Stimmbändern wird uns harmonischer Gesang dargeboten, der sogar mal ganz prima zur instrumentalen Tonhöhe passt.

„Mr. Freedom“ klingt als würden sich hier die „Greaser“ der 50er Jahre die Haare zurück gelen und miteinander singen. Johnnys fuzzige Gitarre und seine kratzige Stimme eskalieren dann jedoch diesen Song von jenem Schülergesang hin zu einem Stück, das zu Beginn eines Kneipenkampfs gespielt wird und mit gleicher Wucht Fäuste und Flaschen fliegen lässt, bevor es dann abrupt zusammenbricht. „Blackworth Quarry“ scheint uns daran erinnern zu wollen, dass auch noch ein Schlagzeug am Werk ist. Dieses Lied gibt dem Schlagzeugspiel endlich einen lebendigeren Bühnencharakter und die eher gedämpfte Gitarre und ein vergleichsweise kaum hörbarer Bass, bilden höflich den Back-Track. Aber keine Sorgen: Gorillas übliches Knurren ist allgegenwärtig und es gibt auch neuerlich kein Entrinnen vor einem kreischenden Solo, aber diese Elemente sind hier nicht so konzentriert wie die Drums, die für eine kurze Zeit das verdiente Rampenlicht erhalten.

„Biscuits For Victor“ überrascht mich mit einigen musikalischen Wendungen und einem fetten Jam-Charakter. Das finale „No Mans Land“ überzeugt durch ein beinahe kriegerisches Schlagzeugspiel in Kombination mit Johnnys schnellerem Gesang als üblich und wunderbaren „Psych-Out“-Momenten. Man gewinnt den Eindruck, dass hier eine martialische Siegeshymne nach einer gewonnenen Schlacht ertönt. Ein perfektes Finale!

„Very Uncertain Times“ ist sicherlich kein perfektes Album und „The Admiral Sir Cloudesley Shovell“ keine perfekte Band. Aber das muss ja auch nicht sein. Der Admiral eignet sich ganz wunderbar für Abende unter Kumpeln in einer rauchigen, stickigen Kellerbar oder meinetwegen auch als Soundtrack für eine lässige Party bei gutem Bier. Der Admiral liefert eine beruhigende Dosis wilden Rock’n’Rolls und intonierten Wahnsinns in einer verrückten, zum Scheitern verurteilten, Welt. Wir leben momentan allesamt in ungewissen Zeiten, werden uns aber darauf verlassen können, dass der „The Admiral Sir Cloudesley Shovell“ für uns das Raumschiff starten wird, sobald wir es wünschen. „Hail, Admiral!“

Tracklist:

01. Very Uncertain Times
02. Ten Years Later
03. The Third Degree
04. Mr. Freedom
05. Iceberg
06. Blackworth Quarry
07. Biscuits for Victor
08. No Mans Land


https://www.facebook.com/theshovell/

Admiral Sir Cloudesley Shovell

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