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Bluescats feat. Tommie Harris – Ride With Mule 5

50 Jahre Deutsch-Amerikanische Musikgeschichte

(ro) Im Januar 2019 passierte in einem kleinen Städtchen im Bergischen Land etwas musikalisch Besonderes: Die bewährte Band „Bluescats“, bestehend aus Jens Filser (Guitar), Bernd Oppel (Drums), sowie Till Brandt (Bass), stand zusammen mit dem begnadeten Tommie Harris, geboren 1938 in Bessemer, Alabama, auf der Bühne eines alten Fachwerkgebäudes namens „Haus Eifgen“ und lieferte mit einer unbändigen Ladung Adrenalin einen einzigartigen Klangmix ab, der mir nun auf einer entsprechenden CD, betitelt „Ride With Mule 5“ auf den Tisch gelegt wurde.

Zusätzliche Gäste sind der großartige Ralf Grottian mit seiner Bluesharp und Michael Dierks, der hier die Hammond B3 und die Keyboards bedient.
Insgesamt ist das ein Bluespackage, welches wirklich und wahrhaftig keine Wünsche offen lässt.

Oh ja, hier wird ein wahrhaft mitreißendes Konzerterlebnis präsentiert!
Dreizehn kraftvolle Stücke in einem energiegeladenen Sound aus klassischem und Chicago-Blues, Boogie-Woogie, Gospel und Soul, deren grandiose Atmosphäre immer wieder Momente des Staunens und der Begeisterung hervorrufen.
Natürlich gibt es auch wundervoll balladeske Momente oder groovende Lebensfreude, jene Mischung also, mit der sich sowohl die „Bluescats“ als auch Tommie Harris eine breite Fangemeinde aufgebaut haben.

Es ist kaum zu glauben, dass der werte Herr Harris bereits über 80 Jahre auf dem Buckel hat.
Seine Bühnenpräsenz ist so authentisch, ehrlich und echt, dass man sogleich spürt, dass jeder einzelne Song eine wirkliche Herzensangelegenheit für ihn ist.
Jedes einzelne seiner Lieder kommt so feinnervig, aber auch rauhbeinig und intensiv zugleich daher und feiert sowohl voller Nachdenklichkeit als auch Begeisterung das Leben.

Das lässt mich immer wieder voller Wertschätzung und Respekt die Ohren spitzen, denn Tommie Harris wuchs damals in den schweren Zeiten der Rassentrennung auf.
Wir erinnern uns: erst im Jahre 1964 wurde diese in öffentlichen Einrichtungen in den USA aufgehoben.
Mit dem „Civil Rights Act“ wurde von Präsident Johnson das wohl wichtigste amerikanische Bürgerrechtsgesetz verabschiedet.

Darum trat der junge Herr Harris im Jahre 1959, wie so viele Schwarze in den USA, aus Frust über Perspektivlosigkeit und anhaltende Rassentrennung in die Air Force ein.
Über Korea führte ihn sein Weg dann mit der US Army nach Deutschland, wo er seit mittlerweile 51 Jahren seine neue Heimat gefunden hat.

Aus dem Waschzettel wird deutlich, wie viele Etappen der alte Bluesman aus Alabama schon auf dem Buckel hat.
Er spielte mit den verschiedensten Musikern, darunter sind große Namen wie Jimmie Reed, Big Jay McNeely, Al Copley, Red Holloway und Luther Allison verzeichnet, in dessen Band er bis zu Allisons Tod spielte.
Und immer wieder trat und tritt er mit eigenen Bandprojekten – wie aktuell unter dem Namen „Tommie Harris And Friends“ – auf.

Wie schön, dass er schließlich im Jahre 1987 dann auch in seiner Heimat die verdiente Anerkennung bekam, nämlich durch die Aufnahme in die „Alabama Jazz Hall of Fame“.

Auf der in meinem Player laufenden CD „Ride With Mule 5“ wird mit beseeltem Temperament, authentisch und ohne viel Pipapo der geneigten Hörerin immer wieder klargemacht, dass, wenn ein Song „alt“ ist, er beileibe nicht alt ist.

Als Beispiel sei hier das neun Minuten lange Stück „The Thrill Is Gone“, ein langsamer Bluessong, der 1951 von den West Coast Blues-Musikern Roy Hawkins und Rick Darnell geschrieben wurde, genannt.
Ein Lied, das schon unendlich oft gecovert wurde, u.a. – wunderbar gänsehauterzeugend – von B.B. King oder natürlich auch von Willie Nelson, der Marshall Tucker Band, Chicken Shack/Stan Webb etc. pp.

Einfach umwerfend finde ich auch „Luther`s Blues“, der dritte Track dieses Albums, der defintiv eine Ehrerbietung an den unvergessenen Luther Allison ist.
Die klischeefreie Art und Weise, in der die Herren diesen zu Herzen gehenden Song interpretieren und ihn zu ihrem eigenen machen, ist sehr berührend.
Nie über- und ebensowenig unterfordernd, stets das Ohr in Gänze entzückend und mit einem unverkrampfen Charme behaftet, vermag dieses Werk ringsum zu erfreuen.

Kurz vor dem letzten Stück des Albums, einer Interpretation des 1930 vom US-amerikanischen Komponisten Hoagy Carmichael geschriebenenen Songs „Georgia On My Mind“, der sich schon vor Jahrzehnten unwiderruflich im Ohr und in den Erinnerungen festgesetzt hat, holen „The Bluescats“ und Tommie Harris noch ein As aus dem Ärmel.
Mit Leichtigkeit avanciert „Who`s Been Talking“ für mich persönlich zu einem der besonders gelungenen Stücke dieses Live-Albums.

Und das ist noch nicht alles, denn es gibt  noch ein weiteres, schönes „Bonbon“:
Auf dem Innencover findet sich ein Aufkleber mit einem Downloadcode, mit dem der Dokumentarfilm „It’s A Blues World“ heruntergeladen werden kann.
Dieser Dokumentarfilm von Carsten Does und Till Brandt berichtet nicht nur über das Leben von Tommie Harris und die Liebe zum Blues, sondern erzählt auch einiges über die musikalische Begegnung mit den „Bluescats“.
…(Rosie…)

Songliste:

1. Why I Sing the Blues (Live) – 5:11
2. Ride with Mule 5 (Live) – 4:39
3. Luther’s Blues (Live) – 7:45
4. Take Your Time (Live) – 5:23
5. Caledonia (Live) – 5:03
6. Bb King Story (Live) – 2:34 und Till Brandt
7. The Thrill Is Gone (Live) – 9:35
8. Got My Mojo Working (Live) – 4:18
9. It’s a Blues World (Live) – 5:59
10. Night Time is the Right Time (Live) – 5:14
11. Who’s Been Talking (Live) – 7:04
12. Just a Little Bit (Live) – 3:55
13. Georgia on My Mind (Live) – 6:50

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