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Space Debris – Archive Volume 6: Special Outtakes 2005-2008

(as) Bei „Space Debris“ sind nicht einmal Kompilierungen von vermeintlichen Ausschüssen minderwertige Ware für nur verbissenste Fans, sondern ebenso aufregende Potpourris aus klassischem und psychedelischem Hardrock, gediegenen Klangexperimenten und vor allem einer hohen Spielkultur, die zu erleben auch verstockte Jazzer mit der Zunge schnalzen lässt. „Archive Volume 6“ bildet dahingehend keine Ausnahme.

Was die Gruppe als „besondere Auszüge“ und demnach womöglich unfertige Fragmente bezeichnet, entpuppt sich als Sammlung eigentlich sehr stimmiger, jeweils in sich zusammenhängender Kompositionen oder Improvisationen, die lediglich aus unterschiedlichen Schaffensphasen von „Space Debris“ stammen. Das Material deckt eine Spanne von drei Jahren ab 2005 ab und entstand noch in der nicht mehr aktuellen Besetzung als Trio: Organist Tom Kunkel, der auch die tiefen Frequenzen auslegte (heute zupfen Vroni Frisch oder Janni Schmitt den Bass), Gitarrist Tommy Gorny und Schlagzeuger Christian Jäger.

Die Tracks sind ausnahmslos lang und entstanden im Rahmen der Studioaufnahmen zu den drei Alben „Elephant Moon“, „Three“ sowie „Into The Starglow Restaurant“, wobei sich der Dreier von seiner experimentellen Seite zeigte. Wegen der hervorstechenden Hammond und Gornys kraftvollen Riffs denkt man oft an „Deep Purple“ Mark II oder die frühen „Uriah Heep“, aber die teils verschlungenen, verschrobenen Strukturen evozieren auch Vergleiche mit der Canterbury-Szene um „Hatfield And The North“ oder „Egg“ sowie den unvermeidbaren „Pink Floyd“.

Unabhängig davon klingt die Platte wie aus einem sprichwörtlichen Guss, obwohl es sich sogar bei einzelnen Tracks teils um verschiedene Aufnahmen handelt, die aus Jams entstanden. Der Sound bleibt allerdings einheitlich und macht „Volume 6“ zu einem Release, der sich uneingeschränkt mit „normalen“ Alben der Band messen lassen kann, die satten 20 Minuten von „Venusian Night“ (hinsichtlich ihres dramatischen Aufbaus eine absolute „Space Debris“-Sternstunde!) machen auch Blues-Einflüsse geltend und sind genauso wie der sinnig betitelte „Deconstruction Blues“ vielleicht schon als Boni der 2019 erschienenen Doppel-LP „Journey To The Starglow Restaurant – Deluxe“ bekannt. Ansonsten ist alles tatsächlich bislang ungehört.

Im hibbeligen „Intro Jam“ kommt Dschungelfieber auf, ehe das fett bratende „Electric Friends II“ in der Tat auch auf einem Klassiker wie „Machine Head“ oder „In Rock“ (von den „Purpurnen“) stehen könnte, von „Purple Dream II“ – mit Gastbassist Uwe Moldrcyk und allein schon des Titels wegen – ganz zu schweigen. Die Art und Weise, wie die Musiker die Stücke in ihrer Abfolge zusammengestellt haben, zeugt von großer Raffinesse, denn so vermittelt die Compilation auch in Sachen Atmosphäre und Dynamik den Eindruck, ein vollwertiges Album mit individuellem Charakter zu sein – toll gemacht!

http://www.spacedebris.bandcamp.com
Venusian Night
Electric Friends II
Deconstruction Blues
Intro Jam
Purple Dream II

Andreas Schiffmann

Filed under: 60s, 70s, Album Reviews, Art-Rock, Blues, Bluesrock, Classic Rock, Experimental, Hardrock, Heavy Rock, Jam, Jazz, Krautrock, Psychedelic, Rock, Space, Stoner,

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