(mi) Nach einer angenehmen Nacht im Zelt wurde ich schon früh von der aufgehenden Sonne geweckt. Der Geruch von frisch aufgebrühten Kaffee durchströmte meine Nase und lockte mich aus meinem Zelt. Nachdem ich mit meinen neuen Bekanntschaften ausgiebig frühstückte, machte ich mich fertig für den zweiten Tag und begab mich gegen Mittag wieder Richtung Festival. Das Wetter verhieß auch heute wieder strahlenden Sonnenschein und nicht zu heiße Temperaturen. Also beste Voraussetzungen für einen zweiten Bandmarathon.Auf dem Gelände angekommen versammelten sich schon die ersten Frühaufsteher vor der Main Stage.
Wer jetzt noch nicht wach war, dem verhalfen SONS OF ARRAKIS wieder ins Leben zurück. Frisch und frei spielten die Kanadier aus Montreal einen dynamischen Mix aus Stoner und Desert Rock mit doomigen Passagen. Sie selbst definieren ihre Musik als Cinematic Sci-Fi Rock, angelehnt an Frank Herbert’s Novelle „Dune“. Mit schweren, hypnotischen Riffs brachten die vier Musiker die Wüste auf die Festivalwiese und luden zu einem Ritt auf den Sandwürmern ein.

Laut und wild ging es bei TOMMY AND THE TELEBOYS zu. Die vier ursprünglich aus Halle stammenden Mitglieder gaben eine energiegeladene Vorstellung. Garage traf auf Psychedelic, Post-Punk auf Krautrock und dann stand wieder Noise und Elektronik im Vordergrund. Diese Band wurde nie langweilig und man sah ihnen den Spaß, es hier knallen zu lassen, förmlich an.

Die Formation KANAAN ÆVESTADEN ist eine Kollaboration mit dem Norwegischen Jazz-Psychedelic-Rock Trio KANAAN und dem Neo-Folk Trio ÆVESTADEN aus Norwegen/Schweden. Hier trafen buchstäblich musikalische Welten aufeinander. Während KANAAN einen breiten, Krachtreibenden Klangteppich mit rockigen Rhythmen und jazzigen Improvisationen erzeugten, entführten Ævestaden mit dem Klang einer Geige, einer mittelalterlichen Kravik-Leier und einem Kuhhorn mich und die sich vor der großen Bühne versammelte Zuhörerschaft in neue Klangdimensionen. Über alledem schwebte der sphärische Gesang von Kenneth Lien und Levina Storåkern. Hier trafen traditionelle Volkslieder auf progressive Musik, Mittelalter auf Moderne. Ich kannte KANAAN vom FVF 2024 und da war ich ob ihrer Musikalität schon schwer begeistert. Zusammen mit Ævestaden ist KANAAN hier eine mystische Zeitreise gelungen. Für mich der erste Abholer des Tages. Wer jetzt neugierig auf dieses Klangabenteuer ist, dem sei das 2024 erschienene Album „LANGT,LANGT VEKK“ ans Herz gelegt. https://kanaanband.bandcamp.com/album/langt-langt-vekk-deluxe-edition
Einmal im hohen Norden angekommen ging es im Schatten der kleinen Bühne mit BLACK MOON CIRCLE weiter. Das in Trondheim/Norwegen beheimatete Trio holte sich mit Dr. Space aka Scott Heller vom ØRESUND SPACE COLLECTIVE soundkräftige Unterstützung mit Synthesizer ins Boot. Die Band selbst, bekannt für psychedelischen Space-Rock, katapultierte zusammen mit Scotts eingestreuten elektronischen Soundcollagen das Publikum mit ihren Improvisationen in einen Klangkosmos jenseits von Mutter Erde. Mit jedem Song wurde einen neue Stufe gezündet und artete am Ende in eine Supernova aus. Ich wusste manchmal nicht, wer mehr steil geht von den Musikern: Scott an seinen Reglern, Øyvin am Bass oder sein Bruder Vemund an der Gitarre. Für den nötigenTreibstoff dieser Spaceorgie sorgte Thomas Järmyr (ex Motorpsycho) an der Hütte. Was für ein genialer Trip, https://blackmooncircle.bandcamp.com/album/a-million-leagues-beyond

Multi-Instrumentalist Alessio Ferrari alias UPUPAYÃMA lud mit einer Mischung aus Global-Beats, unterlegt mit crunchigen Fuzz-Riffs zum Tanzen und Träumen ein. Zusammen mit Elementen aus Funk, Acid-Folk und teils orientalischen Rhythmen, vereint mit dem Klang einer Sitar, schufen sie ein vielschichtiges Klanguniversum. Präzise eingesetzte Querflöten-Soli steigerten den hypnotischen Effekt ins transzendente. Als Alessio seine Sitar gegen eine Stromgitarre eintauschte, zeigte sich, das die sechsköpfige Band aus Parma/Italien auch die härtere Gangart des Psychedelic-Rock beherrschte. Wuchtige Beats trafen auf kernige Gitarrenriffs, die in schier endlosen Soli endeten.

Da ich nicht immer und überall sein kann, kann ich zu A/LPACA leider nichts Nennenswertes beitragen. Hab ich die vier Italiener leider nur von weitem mitbekommen.
Kommen wir zu MEATBODIES aus den USA auf der Main Stage. Die Jungs präsentierten sich mit gediegenem Psychedelic-Garage-Rock. Wild und ungestüm an den Instrumenten und mit melodischem Gesang switchten die drei aus Los Angeles stammenden Musiker zwischen den Genres. Mal an Surf-Punk angelehnt, dann wieder mit rotzigen bis poppigen Passagen, ließen sie die Menge vor der Bühne hüpfen und springen. Mich haben sie jetzt nicht so abgeholt und ich begab mich in den Backstage Bereich und labte mich an frischem Obst und Kaltgetränken und schonte etwas meine Kräfte. Es sollten ja noch vier Bands kommen.

Mit der Krautrock Band WEITE, die sich u.a. aus Mitgliedern von ELDER und DELVING zusammensetzt, betrat ich wieder musikalisches Neuland. Anfangs mit wenigen Tönen beginnend, entwickelten sich die Songs von einem Rinnsal zu einem Meer mit gigantischen Wellen, die sich steil emporhoben, um dann kraftvoll über einem zusammenzubrechen. Ein dichter Äther schöner, sphärischer Gitarrenklänge, eingespielt von Michael Risberg (Elder/Delving) und Ben Lubin (Lawns), kombiniert mit dem filigranen Synthezisersound von Fabien de Menou (Perilymphlegte), überdurchströmte die Köpfe der tief in sich versunkenen Musikfreunde. Bassist und Mitbegründer Ingwer Boysen und Schlagwerker Nick DiSalvo (Gitarre bei ELDER), spielten kongenial miteinander. Mal lauter, mal leiser werdend bestimmten sie Tempo und Richtung des Stromes. Die Klangwelt von WEITE nahm mich mit auf eine Reise durch Zeit und Raum und war wie ein meditatives Erlebnis. https://weiteband.bandcamp.com/album/oase

Bei THIS WILL DESTROY YOU bin ich mir nicht sicher, welche Band ich vor mir hatte. Erfahre ich doch gerade bei meinen kleinen Recherchen, das sich die eigentliche Band 2024 gesplittet hatte. Von nun an gab es die Band zweimal mit einem Namen. Sei’s drum, die fünf US Amerikanischen Künstler boten Ambient-Post-Rock vom Feinsten. Was auch hier mit leisen Tönen begann, steigerte sich zunehmend und nahm stetig an Komplexität zu. Langsame, flächige Intros wurden abgelöst von reichlich Fuzz geschwängerten Gitarren und knarrzigen Bässen. Taktgeber für diese Wall of Sound war ein wuchtiges Schlagzeug, das dem ganzen ordentlich Druck verlieh.

Ein beinah regungsloser Bassist saß einem Energiebündel an Gitarrist gegenüber und im Hintergrund drosch ein Schlagzeuger auf die Kessel ein, als gäbe es kein Morgen. Das waren GREEN MILK FROM PLANET ORANGE, beheimatet im fernen Japan. Die drei aus Tokyo ließen die kleine Bühne buchstäblich erbeben und erzittern. Was sich anfänglich wie eine Kakophonie anhörte, offenbarte beim genauen zu hören Struktur. Grenzen überschreiten und neues entstehen lassen war hier Thema. Spontan, roh und direkt bohrten sich die Riffs von Kei Nozawa alias Dead K schnurstracks den Weg aus dem Amp direkt in den Gehörgang. Druckvoll und mit viel körperlichem Einsatz hämmert das Schlaggewitter von Takayoshi “A“ Yazawa ebenfalls direkt auf die Zwölf. Lediglich der Bassman Wadamori Yu hielt sich emotional etwas zurück. Ansonsten war hier buchstäblich Abriss angesagt. Nach ihrem fulminanten Gig verließen die drei mit gewohnt asiatischer Zurückhaltung die Bühne Richtung Backstage und hinterließen ein sprachloses Publikum. Das war Energie pur. GREEN MILK FROM PLANET ORANGE sind Live auf jeden Fall eine Erfahrung wert.

Mit den Desert-Rock Legenden FU MANCHU aus den Vereinigten Staaten ging das 31. KRACH AM BACH zu Ende. Gitarrist und Gründer der Band Scott Hill schickte die Hörerschaft mit druckvollen Gitarrensound direkt in die trockene Wüste Kaliforniens. Hart und gnadenlos wie die Mittagsonne brannte sich dröhnender Fuzzsound gepaart mit schleppenden Rhythmen in die Schädel der völlig losgelösten Menge. Ich hatte mein Pensum erreicht und machte mich glücklich und zufrieden auf den Rückweg zu meinen Homies auf dem Campingplatz.

Das war mein erstes und hoffentlich nicht mein letztes Krach am Bach. Ohne viel Informationen über das Festival machte ich mich auf den Weg und war über alle Maßen begeistert. Schon die Anreise war, wie Eingangs erwähnt, ein Highlight. Mein Dank geht an Dennis, Johannes, Alex, Helge, Niko und Philipp vom Campingplatz für ihre spontane Gastfreundschaft. Jungs, bitte weitermachen! Es war einfach klasse mit euch
Das Festival selber hatte genau die richtige Größe, nicht zu groß und nicht zu klein und strahlte eine unheimliche Herzlichkeit aus. Wo man hinsah entspannte und fröhliche Menschen die sich in jeglicher Form der Musik hingaben. Am Merch / Plattenstand wurde gefachsimpelt, gestöbert und so manches Kleinod ergattert. Auf dem Gelände selber war alles überschaubar und die kurzen Wege zwischen den zwei Bühnen, Getränke- und Foodständen sorgten für schnellen und reibungslosen Ablauf. Kurze Umbaupausen entzerrten den Andrang vor den Bühnen und entschleunigten das Gewusel zwischen den einzelnen Konzerten.Da das Festival Non Profit orientiert ist und seine überschüssigen Einnahmen an gemeinnützige Organisationen spendet, ließ jeden Bissen und Getränk doppelt munden.
Ich freue mich jetzt schon aufs nächste Jahr um es dann wieder mit Freunden und Gleichgesinnten ordentlich krachen zu lassen.
Mein Dank geht an Volker, der sich um meine Akkreditierung kümmerte, an das Team vom Krach an Bach für die selbige und die herzliche Gastfreundschaft, die ich erleben durfte. Mein Dank geht auch an die vielen Bands, die meinen Musikhorizont wieder um einiges erweitert haben. In diesem Sinne – Bis nächstes Jahr!
Filed under: Festivals, Konzertphotos, Live Reviews, Krach am Bach - 31. Juli + 01. August 2026 in Beelen, Tag 2 Samstag









