rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Johnny Winter – Step Back

Johnny Winter Step BackAm 5. September 2014 erscheint Winters Vermächtnis.
Ein Album, das der 70 Jahre alt gewordene Blues-Großmeister mit Weggefährten und Freunden wenige Monate vor seinem Tod gerade noch fertigstellen konnte.
Auf einem seiner „Step Back“-Promotermine starb Johnny Winter am 16. Juli 2014 in einem Züricher Hotel. Die unzähligen weltweiten Ehrenbekundungen machen den Verlust des Gitarrenhexers mit allen Sinnen greifbar.
Mit Ausnahme des „Waschzettels“…

Der Inhalt von „Step Back“ wird dem Albumtitel voll gerecht. Handelt es sich doch um R&B-Standards der 1950er/60er Jahre, aus denen sich die Musiker mit Lust bedienen und auf ihre ganz individuelle Art zum Klingen bringen.

Im ersten Augenblick war ich über den Opener „Unchain My Heart“ – insbesondere auf Grund der dominierenden Bläserfraktion – ein wenig irritiert.

Das ist doch nicht der Johnny Winter in seiner Blütezeit. Er nahm es lieber pur: Bass, Drums, seine Gitarre(n), sein Gesang. Perfekt!

Und jetzt kommen zu Anfang überfrachtete Arrangements samt Hupfdohlengesang mit ins Spiel?

Aber: Bei genauer Betrachtung schließt sich hier vielleicht dennoch ein Kreis.
Denn manchmal musizierte Winter zu Anfang der 1970er Jahre u.a. auch mit Bläsern – z.B. bei „I’ll Drown In My Tears“ und wenigen anderen Tracks.

Doch so relevant wie es „Step Back“ mit den Bläserarrangements („Unchain My Heart“, „Okie Dokie Stomp“, „Sweet Sixteen“, „Blue Monday“) anscheinend vermitteln möchte, war es auf die lange Sicht bei Winters Karriere dann doch nicht.

Es war wohl die Idee von Produzent Paul Nelson (in Personalunion Gitarrist in Johnny Winters Backingband).

Gottseidank kriegt das Album grandios die Kurve in allerbester Winter-Bluesrocktradition.

Zusätzlich kommen neben den Blues Brothers Horns noch neun weitere special guests zum Zuge (Paul Nelson nicht mitgezählt).

Los geht’s mit Ben Harper bei Willie Dixons „Can’t Hold Out (Talk To Me Baby)“ mit Co-Vocals & Lap Slide Guitar (2nd solo and fills)

Eric Clapton zaubert bei Bobby Blands „Don’t Want No Woman“ an der Gitarre (2nd solo and fills).

Winter-Bandgitarrist und Produzent Paul Nelson featured sich auf „Killing Floor” gleich selbst (Rhythm Guitar, 1st solo).

Kein special guest auf Bo Diddleys “Who Do You Love.”

Brian Setzer zelebriert bei “Okie Dokie Stomp” herrliche Riffs (solo and rhythm fills). Der Titel ist im Original selbstredend von Clarence “Gatemouth” Brown. (Im Waschzettel heißt er Clarence „Gatemouth“ Stomp!)

Billy Gibbons von ZZ Top veredelt „Where Can You Be“ (Guitar, 2nd solo, fills and first outro).

Bei „Sweet Sixteen“ greift Joe Bonamassa ins Geschehen ein (Guitar, 2nd solo and fills).

Track neun „Death Letter“ präsentiert Johnny Winter geradezu nackt: „nur“ Gesang und Steel Guitar. Also aufs Nötigste reduziert und gerade deshalb gänsehauttreibend! Stripped to the bone – sozusagen.

Track zehn „My Babe“ wird in den Ohren der Hörer noch lange nachhallen: Jason Ricci ist einer der geilsten Harpplayer so far – perfekt!

Bei „Long Tall Sally“ kommt Leslie West zum Zuge (Guitar, 2nd solo).

Joe Perry bei Lightning Hopkins’ „Mojo Hand“ (Guitar, 2nd solo)

Fats Dominos „Blue Monday“ features Dr. John (Piano / intro, verses and outro).
Für mich der schwächste Titel des Albums, wird er doch von den Horns regelrecht zerblasen!

Über den Daumen wirkt das Album (insbesondere aufgrund der Horns) ein wenig zerrissen. Dennoch wird „Step Back“ im Bewusstsein aller „anständig und gerecht denkenden Bluesfreunde“ (wie es so schön im Amtsdeutsch heißt) zu Recht Erfolge feiern.

Johnny sei Dank!

Die Backingband besteht aus:
Paul Nelson (Guitars)
Mike DiMeo (Piano, Hammond B-3 Organ)
Scott Spray (Bass)
Tommy Curiale (Drums)

Dem Album liegt ein Plektrum mit Johnnys verkleinerter Faksimile-Unterschrift bei.

By the way: Die Verpackung (klappbares Pappcover) zeichnet sich durch eine geniale Neuerung aus. Beim Aufklappen wird die CD auf einer Schiene quasi automatisch hervorgezogen und beim Schließen wieder zurückgeschoben. Grandioses Prinzip!

Dem Vernehmen nach liegen die Verpackungskosten dafür weit über dem Durchschnitt, sodass sich nur hohe Auflagen beim Abverkauf rentieren. Dass sich dieses Album blendend verkaufen wird, liegt auf der Hand.

Abschließend noch ein paar Anmerkungen zum sogenannten „Waschzettel“.

Dass insgesamt so getan wird, als sei Johnny Winter noch am Leben, spottet jeder Beschreibung! Wir lesen: „Winter verkündet…“, „Winter zollt den 50ern Tribut“, „Winter sagt…“ etc.

Von seinem tragischen Ableben kein einziges Wort!

Künstler sind offenbar nach wie vor nur Mittel zum Zweck.

Dass man also Johnny Winter sogar noch knapp zwei Monate nach seinem Tod als „still alive“ verkauft, lässt tief blicken und erst Recht den tatsächlichen Respekt vor einem der größten weißen Bluesgitarristen erschreckend vermissen.

Ein wichtiger Hinweis des Waschzettels soll hier aber dennoch positiv erwähnt werden:
Es handelt sich um die beim SXSW Festival bejubelte Doku „Johnny Winter: Down and Dirty“. Von Greg Olliver.

Ein Must? – Ein Must!!

Wir warten deshalb voller Spannung auf das offizielle Blu-ray / DVD-Release.

One of the Greatest is gone …

Thanx a lot for your terrific performance, Johnny!
R.I.P.

(Heinz W. Arndt)

Johnny Winter “Step Back”
Megaforce / Membran / Sony
13 Tracks
TT 50:33 min

Einsortiert unter:Album Reviews, Blues, , , , , , , , , , , , , ,

September 2014
M D M D F S S
« Aug   Okt »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930  

Unsere Facebookseite

Link zu unserem You Tube Kanal

Bluesrock Tegelen am 02.09. 2017

Brainstock Generator Party im Band-House Düsseldorf Reisholz am 09.09.17

Storm Crusher Festival O´Schnitt Halle Wurz vom 14.09-16.09.17

Magnificent Music Festival am 06.+ 07.10. in Berlin und Jena

Gov´t Mule Fall Tour in Germany

Light Town Blues Eindhoven 03.11.17

Helldorado – The Incredible Rock & Roll Freakshow Klokgebouw/Eindhoven 18.11.17

Diese Artikel werden gerade gelesen:

%d Bloggern gefällt das: