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Trottoir – Trottoir

trottoir - cover(je) Als „Mannheimer Hartkraut“ bezeichnen die Herren Martin Feige (Gitarre), Daniel Schwarz (Schlagzeug) und Jonathan Sell (Bass) ihr soeben beim kleinen, aber feinen Label Adansoniarecords erschienenes Album. Das Werk hört auf den unspektakulären, jedoch auch naheliegenden Namen „erste (f/m/n)“ und enthält fünf instrumentale Stücke. Im Eigenvertrieb ist „die Erste“ auch auf CD erhältlich, interessanter ist jedoch die luxuriöse, limitierte und handnummerierte 180-Gramm Gatefold Vinyl-Edition in 3 verschiedenen Farben. Für das Artwork zeichnet der in Mannheim ansässige Künstler Prints of Persia (Long Distance Calling, Black Shape Of Nexus, WALL) verantwortlich, aufgenommen wurde im April 2014 im RAMA-Tonstudio in Mannheim.

Der „Mannheimer Hartkraut“ von TROTTOIR entpuppt sich schon nach dem ersten Hören als eine sehr treibende, leidenschaftliche und atmosphärische Mischung aus klassischem Krautrock, Post Rock, Space Rock und Jazz. Da werfen drei talentierte Musiker einen Blick vom Trottoir auf das Leben und Treiben einer Stadt. Es erscheint mir wie die musikalische Reise durch eine der Millionenmetropolen dieser Welt. Das erste Stück atmet Unsicherheit und Entschlossenheit aus. Soll ich es tun? Soll ich mich in die Anonymität dieser Mega-City, in diesen Moloch von einer Stadt, stürzen? Doch der U-Bahn-Schacht hat mich bereits ausgespuckt und aus dem Inneren der Erde auf den nächtlichen Asphalt geworfen. Regen, Dunkelheit, Neonlicht, Lärm, Hektik… Ich sehe Menschen, die mit verbissenen Mienen an mir vorüberziehen, um wohl andere Menschen aufzusuchen. Oder um in einer einsamen und kalten Wohnung zu landen, wo niemand auf sie warten wird. Ein düsteres Szenario, Figuren wie in einem Roman von Paul Auster. Ich begebe mich in den Schatten eines Hauseingangs, um mich vor Wind und Regen zu schützen und beobachte aus der Distanz den Rhythmus der Stadt. Der Verkehr, eine endlose Blechlawine, fließt vor mir dahin, Passanten stürzen über das Trottoir an mir vorbei und nehmen keinerlei Notiz von mir. Ich schaue auf das Display meines Smartphones und lese ab, was mir über meine Kopfhörer den Soundtrack zu diesem Geschehen liefert: TROTTOIR steht da, Titel „2“… Das passt ja perfekt, denke ich mir…

Als „3“ mit treibendem Bass und markanten Riffs beginnt, löse ich mich aus der Dunkelheit des Hauseingangs und reihe mich in den scheinbar endlosen Strom der Menschen ein. Der Regen schlägt mir ins Gesicht, zahllose Neonlichter blenden, Menschen rempeln mich fluchend an, weil sie nicht schnell genug an ihr Ziel gelangen. Als „3“ in einen ruhigeren Zwischenpart übergeht, bleibe ich kurz stehen und entdecke ich mitten in diesem Chaos eine Bar mit Straßenverkauf. Ohne die Kopfhörer abzunehmen, bestelle ich mir einen „Whisky To Go“. Ungewöhnliches Format für ein Getränk, das man doch besser in ruhendem Zustand am Ende eines Tages genießen sollte. In dieser Situation jedoch genau das Richtige. Ich trinke den Whisky direkt an der Bar aus und verlasse mit einem erdigen Geschmack im Mund, einem befreienden Gefühl im Kopf und dem Sound von „4“ im Ohr, die Bar. Ein vierzehnminütiges Monstrum, voll von Melodien, Breaks und unerwarteten Passagen begleitet meinen Weg durch ganz unterschiedliche Stadtviertel, bis es irgendwann dunkler und ruhiger wird… Ich lande in einem kleinen Vorort, wo es keine Neonreklame mehr gibt. Dafür laden mich kleine Bars und Lokale ein, vielleicht etwas zu essen und ein Bier zu trinken. Beim forschenden Blick in das Schaufenster eines Plattenladens laufe ich beinahe gegen die Straßenlaterne. Eine Frau kommt mir entgegen und grinst mich an – sie hat gesehen, dass ich einer Beule an der Stirn nur knapp entronnen bin. Besser mal die Kopfhörer abnehmen, dass man mehr mitbekommt von seiner Umwelt. Als ich um die nächste Ecke komme, sitzt eine dreiköpfige Band auf dem TROTTOIR. Es hört sich an wie eine Jam Session, was sie spielen, formt sich aber nach und nach zu einem Song. „Das ist übrigens 5“ ruft mir der Bassist zu. Irgendwie fühlt sich das vertraut an, wie nach Hause kommen. Ich bleibe stehen und schaue fasziniert die drei Musiker an. „Willst Du ein Bier?“ fragt mich die Frau, die mir eben schon mal entgegen gekommen ist und offensichtlich in der Bar, direkt neben der Band arbeitet. „Ja“ sage ich „Aber bitte hier, auf dem TROTTOIR, ich will denen da weiter zuhören…!“…..(Jens)

Trottoir

Adansonia Records

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