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Desertfest Antwerpen – 09. bis 11.10.2015

Desertfest-Belgien-2015-Flyer-18.08A journey through the belgian desert
(ol + ja) Vom 9.-11. Oktober sollte zum zweiten Mal ein Ableger des großartigen Desertfestes in Antwerpen stattfinden. Da Berlin zu weit und London zu weit und zu teuer ist, war das Desertfest bisher noch ein weißer Fleck in unserer Konzerthistorie.
Dies sollte sich ändern, also auf zu unseren trink- und feierfreudigen belgischen Nachbarn. Nach pannenfreier Anreise im französischen Kastenwagen gehörten wir zu den ersten Rock’n Rollern die sich vor dem Musikzentrum Trix in der Sonne die Zeit bis zum Einlass vertrieben.
Pünktlich um 17:00 Uhr öffneten sich die Türen zu den Hallen, die für die nächsten drei Tage unsere Heimat sein sollten. Als erstes durften wir unser unnötiges Bargeld in praktische Muntjes umtauschen um das erste von vielen Bieren an den Start zu bringen.

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PLANET OF ZEUS eröffneten das Fest auf der kleinsten von drei Bühnen, der sogenannten Vulture stage in der Trix Kneipe. Der Sound war gut, alle Hits wie Burn this City down und The Great Dandolos wurden abgefeiert, nur der Funke wollte noch nicht so recht überspringen . Es ist allerdings auch eine undankbare Aufgabe als erste Band zu spielen, zu einer Zeit in der gestandene Rocker gerade die erste Frühstückskippe rauchen. Hätte den Jungs einen späteren Slot gewünscht, war trotzdem ein toller Einstieg.
Danach kurz im Gebäude orientiert und Treppe rauf zur Canyon stage im ersten Stock. Dort hatten die belgischen PSYCHONAUT ihren Gig bereits begonnen. Kraftvoller Stoner Rock mit guter Gitarre .

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Wir mussten dann aber schnell zur Hauptbühne, der sogenannten Desert stage, um uns gute Plätze für den ersten Höhepunkt zu sichern: MONOLORD!!! Und das war dann auch ein echtes Highlight. Musik wie eine Dampfwalze und auch der Mann am Mischpult hatte die richtige Lautstärke gefunden. Mit einer Soundwall nach der anderen brachten die drei Schweden mich und den Rest des Publikums sofort auf Betriebstemperatur. Der verhallte Gesang erinnerte mich an Hawkwinds Dave Brock unter dem Einfluss schwerer Opiate. Als letztes Stück eine endlose Version von Empress Rising, die mir das ganze Wochenende im Ohr geblieben ist und mich seitdem dazu verdammt, dieses Stück einmal am Tag zu hören. The Spell of the Empress , Evil !

Sodann THE MACHINE aus Rotterdam im Obergeschoss . Da wir vom Freak Valley wussten das die Jungs ein echter musikalischer Leckerbissen sind, schnell die Stufen rauf gesprintet und schon ging´s los. First Class instrumental Soundscapes die durch die psychedelischen Lichtprojektionen im ganzen Raum noch besser wirkten. Im UFO Club im London der 60er ging es wahrscheinlich auch nicht anders ab.

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Leider mussten wir den Gig noch vor dem Ende verlassen, da direkt anschließend das von mir hochgeehrte MOON DUO auf der Main stage angesagt war. Guitarman Ripley Johnson und Keyboarderin Sanae Yamada übertragen für mich den Spirit von Suicide und meinem all-time-hero Alan Vega in die heutige Zeit. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ein mitreißender Sound zwischen Garage, Psychedelic und Shoegaze. Nico meets Suicide meets Joy Division. War viel zu schnell vorbei und zwischen dem ganzen Rrrock ein schöner Kontrast.

Da MOON DUO und WUCAN direkt nacheinander spielten, waren wir für die vielversprechenden Newcomer leider zu spät, um noch einen Platz an der kleinen Vulture stage zu finden.

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Bevor der letzte Headliner DOZER auf der Desert stage nochmal die letzten Reserven mobilisierte, konnten wir noch ein kleines Stück STONED JESUS mitnehmen die auch voll überzeugten.
Dozer konnten uns dann mit ihrem fetten Heavy Rock und einer Menge Spaß und Bewegung auf der Bühne nochmal motivieren alles zu geben.

Den entspannenden psychedelic Sound von CARLTON MELTON konnte ich mir gemütlich an der Theke sitzend mit Blick auf die Bühne zu Gemüte führen.
Da für uns alte Menschen der erste Festivaltag immer der schwerste ist, ging es dann nach einem Bier für den Heimweg ohne After Show Party ins gemütliche Hostel. Morgen, wenn sich der Jetlag gegeben hat, sieht schon wieder alles anders aus.

DAY 2
Nach einer kurzen Nacht und einem vitamin- und nährstoffreichem Frühstück im marokkanischem Viertel von Antwerpen, etwas Sightseeing (sehr coole, riesige Graffitis auf der Krogerstraat) und ein paar Entspannungsbieren in einem sonnigen Park, waren wir bereit für Tag Zwo.

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Den Anfang machten PENDEJO die mit Trompete, spanischen Texten und jeder Menge Spielfreude der perfekte Einstig in den Tag waren.

PROGERIANS, DEVILLE und BANDA DE LA MUERTE habe ich leider verbummelt oder nur am Rande mitbekommen.

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Am frühen Nachmittag dann, auf der Desert stage, die ersten bekennenden Kräuterliebhaber dieses Wochenendes, die polnische Doomwalze BELZEBONG. Die drei Frontmänner zeigten uns als erstes die beschriftete Rückseite ihrer Instrumente und machten klar wohin die Reise gehen sollte: „SMOKE — WEED — NOW“. Diese Aufforderung hätte das Publikum aber gar nicht gebraucht, denn vom ersten bis zum letzten Song stiegen sowieso ständig irgendwo atompilzgroße Rauchwolken auf. Musikalisch wie erwartet monumentale Soundwände und Songs wie ein Blick über urwaldgroße Grasfelder. Kaum begonnen, waren die vierzig Minuten viel zu schnell vorbei.

Ich habe dann für 2 Stücke bei VANDAL X vorbeigeschaut. Für mich ist es immer wieder große Kunst wenn zwei Musiker (Gitarre und Drums) es schaffen einen Saal zum Kochen zu bringen. Eigenwilliger Sound zwischen Garage , Metal und Punk. Würde ich mir als Headliner in einem Club jederzeit nochmal anschauen.
Wieder zurück zur Desert stage, wo inzwischen die holländischen MONOMYTH, mit dem Ex-Drummer der legendären 35007 am Schlagzeug, ihr Equipment aufgebaut hatten. Genau die Richtung gab es dann auch zu hören, krautiger instrumental Sound mit Floydanklängen.

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Da als nächstes GREENLEAF auch auf der Hauptbühne aufspielen sollten, wurde die Umbaupause genutzt um den Bierpegel in Ordnung zu bringen und sich etwas auf den Stufen der Halle auszuruhen.

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Die Jungs um Ausnahmesänger Arvid Jonsson, der für mich zu den besten und außergewöhnlichsten Stimmen der Szene gehört, gaben wie immer alles. The one and only Stoner Soul Revue. Love it !!!
Die Zeit bis zum Auftritt von ORANGE GOBLIN wollte ich eigentlich beim neuen Projekt von Michelle Nocon verbringen, die nach der überzeugenden Death Penalty DLP und einem tollen Auftritt beim diesjährigen Roadburn Festival neuerdings unter dem Namen BATSHEBA unterwegs ist. Leider spielte sie auch auf der kleinen Vulture stage und es war noch voller als beim WUCAN Gig.

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Also auf zu ORANGE GOBLIN und das bedeutet Party hard. Frontmann Ben Ward hat die Massen wie immer voll im Griff und verbreitet rundum gute Laune. Um mich herum nur glückliche Gesichter, fliegende Haare und Bierfontänen. Rock’n Roll Heaven.

Zur Beruhigung dann eine Runde CAUSA SUI auf der Canyon stage. Auch diese Band passt mit ihrem jazzigen, progressiven instrumental Jam Rock in das psychedelische Ambiente des ersten Stocks.
Kurz vor Schluss dann wieder eine Etage tiefer und mit frischen Getränken vor der Bühne, um EARTH zu huldigen. Kleine Besetzung , ein entspannter Dylan Carlson und Adrienne Davis, deren außerirdisches Schlagzeugspiel mich mal wieder völlig faszinierte. EARTH kann man nicht beschreiben. Jeder der sie schon mal live gesehen hat, weiß was ich meine und wird nie wieder ein Konzert verpassen wollen.
Zum Ende eine Runde gitarrenlastiger Jam Rock mit HARSH TOKE, die wir aufgrund schwer reduziertem Publikum gemütlich an der Theke der Vulture stage genießen konnten.
Zu Krönung des zweiten Tages (wir sind ja inzwischen im Training), ein kurzer Besuch auf der SPAHN RANCH getauften Aftershowparty, wo ORANGE GOBLIN Sänger Ben Ward und Bassmann Martin Willard feststellen mussten, dass der Platz hinter den Turntables nochmal eine ganz neue Herausforderung ist. Als die beiden dann merkten, dass Klassiker immer gehen und auf Status Quo AC/DC folgte, war es Zeit für uns zu gehen und die Kräfte für den morgigen, finalen Tag zu sammeln.

DAY 3
BLACK-BONE’s Kick ass Rock’nRoll war eine angenehme Beschallung um auch den dritten Tag fröhlich mit einem kalten Bier am frühen Nachmittag zu beginnen.
Als nächstes dann schon eine Band auf die ich mich ganz besonders gefreut habe, da mich ihr letztes Album Beyond the Wall of Time völlig aus den Schuhen gehauen hat. GLOWSUN bringen auch live ihre langen psychedelischen Songs perfekt auf die Bühne – Spitzen Auftritt.

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Als nächstes landeten die außerirdischen MC 5 Klone vom Planet Venus, VALLIENT THORR auf der Desert stage. Jeder Song ein Aufruf zur Revolution . Proto Punk’n Roll mit extrem hohem Energielevel. Kick out the Jams Motherfuckers!!! Ich werde kein Konzert in meiner Nähe mehr versäumen.

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Zwischendurch bei PAPIR reingeschaut, die ihren Klangteppich from outer space auf der Canyon stage ausgerollt hatten und dann auf, zu meinem Höhepunkt des Tages. Die italienische Doom Legende UFOMAMMUT auf einer großen Bühne. Obwohl ich die drei Jungs nun schon einige Male live gesehen habe, konnte ich nicht ahnen was in der nächsten Stunde auf der Bühne passieren würde. Ein perfekt eingespieltes Trio mit einem brutal vorwärtsschlagenden Herz in Gestalt von Schlagzeuger Vita. Video- und Grafikinstallationen, die im Einklang mit der Musik das Ganze zu einem Riesentrip werden lassen. Dazu eine, inzwischen mit uns zusammen in Ehren ergraute Band, die mindestens so viel Spaß auf der Bühne hatten wie wir davor und sich nach der ersten Zugabe des ganzen Festivals, sichtlich bewegt bei ihren Fans bedankten. Gänsehaut pur, hätte noch ewig so weiter gehen können.

Dann BONGZILLA, optisch wie eine Gang von Rednecks aus dem Trailer Park von nebenan mit jeder Menge Kräuterzigaretten auf und vor der Bühne. Gibt es eigentlich einen Tüten-Roadie bei den Jungs? Nebulöser Sludge Doom. Straight into your face. Geiler Krach!
Nochmal auf in den ersten Stock und zu einer der Gründerbands des Genres, FATSO JETSON auf der Canyon stage. Vertrackter und perfekt dargebotener Stoner Rock der ersten Stunde mit intelligenten Texten, gesungen von Matio Lalli, mit einer Stimme die einen zurück in die 60er beamt (thinking of Iron Butterfly)
Als letzter Headliner dann GOATSNAKE. Die Jungs hatten sichtlich Spaß in ihrer Rolle als dirty old men des Stoner Rocks. Als Krönung eines perfekten Abschlussgigs wurde FATSO JETSON`s Sänger und Gitarrist Mario Lalli zu einem Solo auf die Bühne geholt. Ein würdiger und emotionaler Abschluss von drei großartigen Tagen mit jeder Menge Spitzenmusik, netten Leuten vor und hinter der Theke und einer perfekten Organisation.

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Anmerkung vom Jan: Die Kanadier USA OUT OF VIETNAM und 3RD EAR EXPERIENCE aus Joshua Tree, California spielten auf der kleinsten der drei Bühnen umjubelte und sehr mitreißende sets. Beides sehr abgefahrene, schwer zu beschreibende (für mich jedenfalls) Musik, sollte man unbedingt reinhören und hingehen wenn sie sich nochmal in unsere Breitengrade verirren.
Der Termin für das Desertfest Antwerpen 2016 ist schon fest eingeplant. Early Bird Tickets sind bereits online zu erhalten. Uneingeschränkte Empfehlung. Wir sind wieder dabei!!

by Olhouse – ol (text) und Fry-Your-Eye-In-The-Sky – ja (pics)
P.S.:
Liebe Rock Freunde, aus gegebenem Anlass ein kurzes Statement zu unserer kleinen Geschichte über das Desertfest in Antwerpen:
Dieser Bericht wurde geschrieben, bevor wir als Gruppe regelmäßiger Konzertgänger, von den Anschlägen in Paris tief getroffen wurden.
Die Geschichte sollte zunächst „How to survive the Desert“ heißen.
Uns erscheint allerdings in der derzeitigen Situation die Verbindung „Überleben/Konzert“ nicht passend und haben den Bericht umbenannt in
„A Journey trought the belgian desert“ „Eine Reise durch die belgische Wüste“
Wir haben den Freitagabend auf einem großartigen Konzert im Vortex in Siegen verbracht und von den Ereignissen in Paris erst am Samstag erfahren.
Für uns ist allerdings völlig klar auch weiterhin jede Veranstaltung die uns gefällt zu besuchen und unsere Szene und die Clubkultur angstfrei zu unterstützen.

„MAKE RIFF’S NOT WAR“

Einsortiert unter:Live Reviews,

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