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Larman Clamor – Beyonder

beyonder-cover(js) „Larman Clamor“ ist Alexander von Wieding und vice versa. Und Alexander ist ebenfalls ein großartiger Zeichner und Illustrator. Er zeigt verantwortlich für unzählige T-Shirts, Label-Logos, Tourplakate bis hin zu unzähligen Coverillustrationen für Bands, die vornehmlich im staubig-musikalischen Ambiente beheimatet sind.
Nebenher hat er offensichtlich – und überraschend – noch genügend Zeit, uns selbst auch musikalisch zu begeistern. Auf seinem mittlerweile sechsten Album bleibt er seinem eingeschlagenen Wege treu. Und das in einem ausschließlich positiven Sinne. Nachdem er uns schon im laufenden Jahre zwei neue, erstmalig deutschsprachige, Lieder als Appetizer fürs neue Album dargeboten hatte, bittet nun der nächste Longplayer um Einlass.

Ein Album, welches eigentlich schon 2015 erscheinen sollte, aber aus verschiedenen Gründen immer wieder mal auf Eis gelegt wurde. Und das Endprodukt ist nicht mehr jenes, welches noch im Vorjahr das Licht der Welt erblicken sollte. Songs wurden gekickt, neue kamen hinzu. Sogar das Artwork – und auch das zeigt schon die Akribie Alexanders Schaffens -, nicht zufällig vom Maestro selbst gestaltet, forderte mehr Zeit ein, als erwartet.

Und wir bekommen, was wir wollen. Nicht mehr, aber vor Allem nicht weniger. Für mich bietet dieser neuerliche Output einen großartigen Soundtrack, der prima auch zum 1981 erschienenen Walter Hill Klassiker „Southern Comfort“ (hier einst auf VHS als „Die letzten Amerikaner“ erschienen) passt. Während des ersten Durchlaufs der 14 Tracks schon, arbeite ich die Songs gedanklich in die verschiedenen Filmsequenzen ein. Dreckig, blutig, beim nächsten Atemzuge dann wieder äußerst kommod den Blick von der Veranda über die Sümpfe Louisianas schweifen lassend. Hier pittoreske Landschaften und dort ein Kampf auf Leben und Tod. Wenn ich nicht wüsste, dass auch der originale Soundtrack von Ry Cooder schon passt wie die Cajuns in ihre Kanus, müsste hier flugs eingegriffen werden.

Den, dem Album seinen Namen verpassenden, Track „Beyonder“ nutzen wir just, um die Personen in die Story einzuführen. Ein „Garage“-Sound, der uns die Reservegardisten der Nationalgarde vorstellt, die in den Sumpfgebieten Louisianas ihren Reservedienst verrichten müssen. Das durch leisen Gesang unterstützte „And the hand“ begleitet dann die Protagonisten auf ihrem Wege durch Wald und Sumpf. Zeigt uns musikalisch wie schleppend sie auf dem für sie unbekannten Terrain voran kommen.

Im instrumentalen „Pig Priest And The Motor Hag“ erkenne ich, dass hier die Widersacher unserer tapferen Reservesoldaten in die Geschichte eingeführt werden. Etwas Mardi Gras und südstaatliche Boogie-Romantik. Es riecht nach ungewaschenen Cajuns und in deren Mündern verteilt sich der Bourbon. Der sich, bei fortdauerndem Genusse, einen Weg durch deren Mundwinkel zu suchen und auch zu finden scheint.

Das bluesige „Haunted, Hexed, Let Down ’n Torn“ zeigt uns die Konfrontation unserer Protagonisten. Die eigentlich freundlich gestimmten Reservisten stibitzen die Kanus der Einheimischen, weil sie keine andere Möglichkeit sehen, die Sümpfe zu durchkämmen. Unsere Cajuns erheben wie Alexander im Song selbst ihr raues Organ und zeigen, dass sie nicht gewillt sind, dies klaglos hinzunehmen. Der „Garagen“-Blues wirkt fordernd, roh und zornig. „Swamp Healing“ führt uns dann zurück in das Dorf der Cajuns. Dort sehen wir die friedliche Restgemeinschaft am Lagerfeuer sitzen. Zu den Klängen Larman Clamors tanzen einige Bewohner gesellig ihren Linedance. Feinster Swamp Blues eben. Puristisch und ehrlich zugleich.

In „Somethin‘ Bitter To Do“ dann kommt es zu den ersten tödlichen Begegnungen. Alexanders wiederholt rau daher kommendes Organ unterstützt den bedrohlichen Sechssaiter samt der treibenden Handdrums. Das Banjo erhebt sich zum Ende des Songs noch einmal und scheint die feindseligen Duelle auf ihre blutige Spitze zu hieven. Keine Rücksicht, kein Mitleid, teilen uns die Rhythmen mit. Hier werden auch musikalisch keine Gefangenen gemacht. In „…Sighed The River Of Larvas“ baut die „One Man Army“ Alexander eine Kulisse des treibenden Mississippi auf. Anfangs von monotonen, wie gleichwohl fordernden Gesängen begleitet, die an einen frühen südstaatlichen auf den Baumwollfeldern dargebrachten Sklavenchor erinnern, sehe ich Opfer beider Seiten in den Sümpfen treiben. Das Grundrauschen des Verstärkers zeigt die jederzeit präsente Gefährdungssituation auf. Großartig.

Das fast schon balladeske „All Wrongs Are Right“ versucht, das Leid und den Schmerz dieser blutigen wie unnützen Fehde zu übertönen. Mit seinem melancholischen Unterton allerdings lässt uns dieser düstere Blues jedoch eher mit diesen Gefühlen allein. „In The Circus Of Night“ verabschiedet den über 40-minütigen Larman Clarmor-Output. Die zwei überlebenden Reservisten werden verletzt von einem Cajun-Ehepaar aufgenommen und in ein benachbartes Dorf gefahren. Man erlebt dort Gastfreundschaft und es geht dort friedlich zu, bis zwei Cajuns auftauchen, die zu den Jägern gehörten. Musikalisch hervorragend untermalt vom Clarmor-Blues, der dieses Szenario durch eine immer energetischer daher kommende Kulisse aufzubauen scheint. Alexander von Wieding oder „Louisiana Red“ bleibt die einzige Frage, die ich mir beim Abklingen dieses Songs nur stelle.

Ob man nun, wie ich, diese neuerliche musikalische Reise Larman Clarmors als Soundtrack für einen bereits bestehenden Film sieht (bitte unbedingt anschauen!) oder eben nicht, uns alle sollte vereinen, dass wir wieder einmal einem Multiinstrumentalisten lauschen durften, der uns einmalige Arrangements darbot. Es ist einfach fantastisch, inwieweit seine Swamp-Blues Rhythmen uns in die Cajun-Kultur, Sumpflandschaften und den „good ole“ Bourbon einzuführen im Stande sind. Mal melancholisch, dann wieder bedrohlich oder lebensfroh. Dreckig und in jedem Falle authentisch. Dass ich nach Verfassen dieser Rezension beim Verlassen des Bürostuhls versuche, nicht in tiefe Sumpfabschnitte zu treten, darf dann auch gern unter uns bleiben.

Oder wie der „Private First Class“ Spencer im Film zu sagen pflegte: “Well, you know how it is, down here in Louisiana, we don’t carry guns, we carry ropes, RC colas and moon pies, we’re not too smart, but we have a real good time.”….(jens.s)

Tracklist
01 Beyonder 03:39
02 And The Hand
03 Fo’ what you did 03:16
04 Pig Priest & The Motor Hag 03:59
05 Haunted, Hexed, Let Down ‘n Torn 03:25
06 Tarnkappe 03:16
07 Swamp Healin’ 03:12
08 Somethin’ Bitter to do 03:10
09 The Draining 00:22
10 Soul Sane Juice 01:50
11 Come See 00:35
12 … Sighed The River Of Larvas 03:36
13 All Wrongs Are Right 01:27
14 In The Circus Of Night 07:29

https://www.facebook.com/Larman-Clamor-132397233457898/?fref=ts

https://larmanclamor.bandcamp.com/

http://www.zeichentier.com/

https://www.youtube.com/user/LarmanClamor

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