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Meena Cryle & The Chris Fillmore Band – In Concert

meena(js) “Roots Music at it’s best” in Verbindung mit Österreich? Passt nicht? Passt. Und das beweist uns Meena Cryle auch mit ihrem ersten Live-Album. Nach bis dato drei Studioalben, den ersten beiden nur unter ihrem Vornamen „Meena“ veröffentlicht, wurden nun erstmalig 12 Songs live aufgenommen und über ihr neues Label „Continental Blue Heaven“ vertrieben. Ausgedehnte Touren in Europa und in den USA, etliche Highlights wie eine ausverkaufte Show im Wiener Opernhaus oder ihre Performance auf dem „Peer Blues Festival“ (zusammen mit Acts wie Buddy Guy, Walter Trout etc.), beweisen Meenas Standing innerhalb der Roots Music Szene. Den Ritterschlag gab’s von Produzenten-Legende Jim Gaines (Stevie Ray Vaughan, John Lee Hooker, Santana, etc.) der Cryle als “eine der besten Sängerinnen mit der ich in den letzten 20 Jahren zusammengearbeitet habe.“ würdigte. Sie sei zudem – wie man es in der Branche bezeichne – eine „Old Soul“. Sie habe die Stimme und die Leidenschaft …“.
Hat Meena bei den ersten beiden Studioalben noch auf ein üppiges Line-Up mit zahlreichen Sessionmusikern zurückgegriffen, wurde schon das dritte Album fast ausschließlich mit der „Chris Fillmore Band“ eingespielt. Cryle und Fillmore (Vergleiche zu den Allman Brothers sind eher nicht zufällig) kennen sich bereits seit Jugendtagen und waren zwischenzeitlich auch knapp 10 Jahre liiert. Und diese perfekte Kombination überträgt sich zweifelsohne nahtlos in und auf ihre Musik. Man kann sich blind aufeinander verlassen und dies spürt man in jeder Note, in jedem Ton, auf diesem Live-Album.

Es startet mit einer kongenialen Version des Gary Clark jr. Songs „Bright Lights“, welches dem Original in nichts nachsteht. Und schon hier präsentiert sich eine unglaubliche musikalische Einheit, die von Meenas einzigartiger Stimme, die man in einem Atemzug mit Dana Fuchs und Layla Zoe nennen darf, begleitet wird. Mit „Since I Met You Baby“ folgt der erste aus der eigenen Feder stammende Song, bevor Etta James‘ Klassiker „I’d Rather Go Blind“ um musikalischen Einlass bittet. Und zwar mit einer Wucht und Energie, die einen bisweilen fragend zurück lässt, ob dieser Song nicht vielleicht doch speziell für Meena geschrieben wurde. Brillanter Slow Blues mit einer Interpretation, die nichts, aber auch gar nichts zu wünschen übrig lässt.
„Enough Is Enough“ bietet anschließend einen wunderbaren „Heavy Blues“, der richtiggehend knisternd und pulsierend daher kommt, gleichwohl aber im Blues Rock manifestiert bleibt. Unterstützt durch tolle Soli der Instrumentalabteilung und Meenas „Wah Wah Pedal“ funkt es uns nur so um die Ohren. Wer dabei ruhig stehen bleiben kann, sucht wohl auch noch die vier lebenswichtigen Bausteine in der uns allen bekannten Nußnougat-Creme. Umso entspannter zeigt sich die Band uns mit „It Makes Me Scream“, welcher insbesondere von Fillmores exzellentem Spiel getragen wird. Augen schließen, Ohren öffnen und einfach die Seele baumeln lassen. Walter Trout, Rory Gallagher – sie scheinen gar nicht mehr so fern, wie man es vielleicht vor Abspielen des Albums noch vermutete. Diese zehnminütige Fassung bietet einfach alles, was einen perfekten Blues Song ausmacht.
„Take That Pressure Off Of Me“ verfrachtet uns an den Mississippi und begeistert mit wunderschönem Delta-Blues, der mich meinen Schaukelstuhl auf der Veranda noch einmal in Richtung der Abenddämmerung drehen lässt. Und wow, diese, Meenas, Stimme – ich glaube, ich wiederhole mich. Es sei dem Verfasser einfach mal gestattet. Balladesk setzt es sich mit „Lord Have Mercy“ und „Tell Me“ fort. Wobei Letzterer es mir unglaublich schwierig macht, keine weichen Knie zu bekommen, wenn Meena ihre Töne geradezu ins Mikro haucht. Der Soul ist überhaupt in jeder Oktave spürbar. Nach dieser kurzen Verschnaufpause folgt mit „You Don’t Know“ ein Song, welcher uns den American Rock in die heimischen Gefilde bringt. Überzeugend hier insbesondere das Zusammenspiel von Chris Fillmore und Roland Guggenbichler an der Hammond Orgel. Ob Parallelen zu Neil Young erkennbar sind, überlasse ich dem geneigten Hörer. Mich persönlich begleitet dieser Gedanke bis zum letzten Ton dieser bärenstarken, acht Minuten andauernden, Rocknummer.
Mit „This Is My Will“ streifen wir den amerikanischen Gospel und lassen uns wieder einmal von Meenas betörender Stimme in fast schon hymnische Sphären transportieren. Und es beschleicht einen das Gefühl, dass ihr Wille gleichermaßen auch schnell zum eigenen wird. Die Augen schließen, sich treiben lassen und einfach alles um sich herum vergessen. Vor unlösbare Aufgaben stellt die gesamte Band mich diesbezüglich nun wahrlich nicht. „You Can Have My Husband“ führt ins sodann zurück in die Zeiten des traditionellen Kentucky Blues. Aus der Feder von Dorothy LaBostrie, die auch schon für Little Richards „Tutti Frutti“ mitverantwortlich zeigte, stammend, lassen wir uns deutlich vor Augen und in die Ohren führen, dass Meena und Band den Blues in all seinen vielen Facetten nicht nur lieben und zu bewahren suchen, sondern in seiner großartigen Form auch weiterreichen.
Mit „Ti-Na-Nee-Na-Nu“ von Mundharmonika-Blues Ikone Slim Harpo, schließt dieses grandiose Live-Album. Wer die bekannte Stevie Ray Vaughn feat. Lou Ann Barton Version dieses Klassikers kennt, muss nun keineswegs zurückhaltend oder gar ängstlich dieser Interpretation entgegen blicken. Sie ist vielleicht im positiven Sinne dreckiger und kantiger gespielt, aber besticht eben gerade deshalb umso mehr. Somit endet mit diesem Lied nicht nur ein großartiges Album, sondern auch eine musikalische Zeitreise, die uns Blues, Gospel, Americana und den Rock’n’Roll in seiner urwüchsigen, elementaren Form darbrachte.
In diesem Album ruht unglaublich viel Authentizität und vor Allem auch Respekt vor den musikalischen Traditionen. Und dies gilt uneingeschränkt für das gesamte Ensemble. Diese Mixtur aus einer facettenreich darbietenden Vokalistin und einer fantastischen Rhythmussektion lässt einfach kaum noch Wünsche offen. Die Energie, die vor Allem durch die mit jeder Note spürbaren Seelenverwandtschaft von Cryle und Fillmore getragen wird, überzeugt auf ganzer Linie. Und es sei mir erlaubt, Meeena in diesen weltpolitisch unruhigen Tagen, abschließend einmal zu zitieren:
„Die Angst blockiert den Blick hinter das Grauen. Niemand wird als Terrorist oder Attentäter geboren, dieser Weg ist gepflastert mit vielen verschiedenen Bausteinen. Die Gesellschaft, jeder einzelne von uns ist gefordert, diese Bausteine aktiv zu beeinflussen. Es gibt einen Punkt, an dem ein Mensch kippt und jegliche Menschlichkeit verliert. Die Entwicklung und Sozialisation vor diesem Punkt sollte für uns alle von größtem Interesse sein.“
Somit schließe ich mich nicht nur musikalisch, sondern auch emotional und empathisch dieser Frau einfach mal vollumfänglich an. Danke, Meena!….JensS)

Tracklist:
01 Bright Lights 06:22
02 Since I Met You Baby 07:26
03 Rather Go Blind 04:27
04 Enough Is Enough 04:28
05 It Makes me Scream 09:58
06 Take This Pressure Off Of Me 04:00
07 Lord Have Mercy 05:00
08 Tell Me 05:25
09 You Don’t Know 07:56
10 This Is My Will 06:37
11 You Can Have My Husband 04:12
12 Ti-Na-Nee-Na-Nu 04:57

https://www.facebook.com/meena.cryle?fref=ts
http://www.meenacryle.com/
http://www.meenacryle.com/?page_id=10
https://www.youtube.com/user/MEENACRYLE

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