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The Devil And The Almighty Blues – II

(js) Dass auch der Blues wieder auf einer Erfolgswelle surft, ist längst kein Geheimnis mehr. Zumeist aber wildert eine jede Band, ein jeder Interpret dabei nicht arg häufig auch in fremden Territorien. Und hey, was sag ich, da sind wir ratzfatz auch schon bei „The Devil And The Almighty Blues“ (im weiteren Verlauf TDATAB oder auch nur Devils genannt). Die fünf Osloer veröffentlichen just ihren zweiten Longplayer mit dem allumfassenden Namen „II“. Nach einer wahren Auftritts- und Festivalflut in den knapp zwei Jahren nach Erscheinen ihres Debuts, hat man es offensichtlich nicht verpasst, in doomigen Tälern verweilend am Songwriting weiter zu feilen und daraus weiterhin leicht metallische und durchaus auch finstere Parts ihrem Blues zuzuführen.

Eben das, was mich schon anfänglich begeisterte und sie von vielen anderen jungen sogenannten Retro-Acts unterscheidet. Diese steten ‘heavy vibes’, ‘laid back psychedelia’ im Jam-Modus sowie diese durchdringenden melancholischen Phasen. Da wehrt sich der Körper des Rezensenten bisweilen erfolglos, der musikalischen Gänsehaut Stand zu halten. Wieder einmal beglücken uns die Norweger mit sechs neuen Songs, die allesamt zwischen fünf und elf Minuten lang sein werden. Gewohnt rotzig, ab und an psychedelisch, gepaart mit genialem Stoner-Riffing und alle Ingredienzen eingebettet in diese bluesigen Wurzeln. Aber der Reihe nach.

„These Old Hands“ ist mit knapp elf Minuten bereits der längste Song des Albums. Und lullt uns im positiven Sinne schon mit einem genialen catchy Riff ein, bevor die kongeniale Stimme Arnt O. Andersens gedenkt, ihr Scherflein zu diesem Konglomerat eines druckvollen Upbeaters beizutragen. Nach knapp vier Minuten allerdings gibt’s den musikalischen Bruch und eine wunderbare Melodie geleitet uns in einen instrumentalen Teil, der getreu dem Motto „zwinker-und-du-verpasst-den-Übergang“ unangekündigt wie ebenso eindringlich daher kommt und man nach dem ersten Hören schon zur Überzeugung gelangt, so und nicht anders muss dieser Song fortfahren. Diese instrumentale Melodielinie geht dann schnurstracks in ein mehrminütiges Gitarrensolo über, welches mich Alt-Metaller einfach nur jauchzen lässt. Anschließend gibt man sich zurück auf die Pfade des Anfangsriffings und lässt mich mit der Vermutung zurück, dem bis dato großartigsten Devils-Song gelauscht zu haben.

„North Road“ überrascht als Neunminüter dann fast schon mit einer ‚The Doors‘-Schwere, die live im Studio eingespielt im wahrsten Sinne des Wortes lebendig und organisch daher kommt. Auch hier gibt’s einen Break in der Musik, der uns in den Uptempo-Bereich geleitet und Andersen mich dabei stimmlich fast an den jungen Mick Jagger erinnert. Ein echter Heavy-Blues, der in seiner Länge auch wieder vor Spielfreude und veritablem Songwriting nur so strotzt. Mit „When The Light Dies“ geht’s dann fast übergangslos hinein in den kürzesten Track des Albums. Dieser Song bietet Gitarrenminimalismus in seiner puristischsten und eindrucksvollsten Form. Und ist irgendwo ein musikalischer Bastard aus Delta-Blues und Psychadelic Rock, eingehüllt in ein doomiges, geradezu schwermütiges Gewand. Dich einlullend in einen Rhythmus, der dich wahnsinnig machen kann, den du gleichwohl aber nicht loszuwerden gedenkst. Klasse, eindringlich.

Mit „Low“ verlassen wir den Downtempo Bereich dann noch keineswegs. Auch hier bleibt es atmosphärisch düster und sogar mal musikalisch stringent. Dieser stampfende Unterton, die eindringlich schreiende Gitarre, diese Monotonie im Laufe des Songs, die eine allmächtige Niedergeschlagenheit aus fernab gelegenen norwegischen Fjorden oder Wäldern gar nicht besser musikalisch untermalen könnten. Acht Minuten, die zeigen, dass die Band sich auch diese ästhetische Nische durchaus zu eigen machen kann. Das sich anschließende „How Strange The Silence“ ist im Grunde ein Blues-Track in moderner, musikalischer Untermalung. Hier fehlt es vielleicht ein wenig an diesem Devils-typischen Überraschungsfaktor, was aber das 1 ½ minütige Gitarrensolo am Ende mich komplett vergessen lässt. Wow, geil! Die dem Rezensenten nie zugestandenen langen Haare wehen hier in seinen Tagträumen – die er in seiner Schreibkemenate während seiner Schreibtätigkeit gerne mal zu Leben erweckt – sich mitten in einem Moshpit befindend. Dieser geniale Abschluss des Songs entschädigt für vieles, vielleicht alles.

Mit “Neptune Brothers” dann schließt sich der Kreis des zweiten TDATAB-Albums namens „II“. Für mich der modernste Song auf dem Album. Ein klassischer Boogie-Sound, der mit leichtem ‚MC 5‘-Drive wieder einmal einen genialen, geradezu generationsübergreifenden Sound zum Leben erweckt, der wahrlich zu begeistern weiß. Inmitten dieses großartigen Sechsminüters gleitet dieser dann in eine instrumentale Woodstock-Atmosphäre ab, die mich einmal mehr philosophierend zurücklässt, wieso man diese Hochphase nicht leibhaftig miterleben durfte. Und warum die eigenen Eltern sich eigentlich nie gefragt haben, wieso sie nicht früher auf die Welt gekommen sind, wenn der Filius Anfang der 80er in elterlicher Umgebung mal wieder Motörhead, Iron Maiden oder auch Deep Purple ihnen und der angrenzenden Nachbarschaft darbot. Fragen über Fragen eben. Die aber die Devils uns gar nicht stellen. Und wenn sie dies dem einen oder anderen tun sollten, haben sie die phonetischen Antworten doch längst parat.

Mit „II“ bieten uns The Devil And The Almighty Blues wieder einmal ein vielfältiges Potpourri ihrer musikalischen Klasse. Und es beeindruckt mich auf mehreren Ebenen: konzeptuell, atmosphärisch und eben auch instrumentalisch. Und ich gewann beim Durchhören den Eindruck, dass immer dort wo die fünf Norweger gerade musikalisch ankamen, sich wieder neue Türen öffnen könnten. Oder noch werden. Diese Jungs haben sich weiter entwickelt und uns noch so unglaublich viel zu erzählen. Lasst uns ihnen lauschen und hoffen, dass dieser Eindruck, den ich beim aktuellen Longplayer gewonnen habe, sich als richtig erweist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Geschichte der Devils längst nicht erzählt ist. Oder um mal aus Goethes Faust zu zitieren: “I am part of that power which eternally wills evil and eternally works good.” All hail to the Devils!….(jensS)
Tracklist:

01 These Old Hands – 10:59
02 North Road – 08:53
03 When The Light Dies – 05:10
04 Low – 08:50
05 How Strange The Silence – 07:43
06 Neptune Brothers – 06:16

On Tour in Germany: 28.04.2017 – 06.05.2017

28.04.2017 Kiel (DE), Schaubude
29.04.2017 Münster (DE), Rare Guitar
02.05.2017 Weimar (DE), c-Keller
05.05.2017 Nürnberg (DE), KV w/ Hathors
06.05.2017 Siegen (DE), Vortex

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