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Mother Engine – Hangar

Motherengine_Hangar_OUTSIDE_Vinyl Kopie

(jm) Ausnahmsweise fange ich heute mal mit der Tracklist an:

  1. Prototyp
    – Form
    – Windkanal
    – Belastung
  2. Biosp(i)rit
    – C2H6O
    – 104ROZ
    – HVO
  3. Tokamak
    – Torus
    – Kompression
    – Injektion
    – Lawson Kriterium
  4. Weihe/ Leerlauf

Nein, das ist nicht das Inhaltsverzeichnis der Diplomarbeit von Gitarrist Chris Trautenbach, es ist tatsächlich die Tracklist des neuen MOTHER ENGINE-Albums! Spätestens beim Lawson-Kriterium wird jedoch unsere Allgemeinbildung auf eine harte Probe gestellt, denn… Na, wer weiß es?

Das Lawson-Kriterium (nach John Lawson) ist eine physikalische Bedingung dafür, dass eine in Plasma ablaufende Kernfusionsreaktion sich selbst aufrechterhält. Alle Versuche, das Lawson-Kriterium in einer kontrollierten Reaktion zu erreichen, scheiterten bis jetzt daran, dass die Plasmavolumina zu klein waren und zu schnell abkühlten, um einen dauerhaft ablaufenden Fusionsprozess zu ermöglichen.

Hört sich nach Weltraum an? Dem ist auch so. Denn wenn sich der geneigte Hörer erinnern möchte: Im April 2015 stürzt das MOTHER ENGINE-Spaceship mitsamt den drei Raumkadetten auf einem merkwürdigen, aber nicht unwirtlichen Planeten namens „X-Alpha Wolf“ ab. Die Maschine ist komplett hinüber und es braucht fast zwei Jahre, um im rettenden „Hangar“ ein neues Schiff zu entwickeln und letztendlich auch zu bauen.

Wenn das Schiff als Metapher für die Musik und den Spirit von MOTHER ENGINE steht, dann ist es im „Hangar“ tatsächlich gelungen, ein neues Meisterwerk vom Stapel zu lassen! War das Trio bisher oft mit der Aussage konfrontiert „live viel geiler zu klingen, als auf Platte“ so hat man diesen Vorwurf mit Unterstützung von Soundtüftler Marco Naumann (u. a. tätig für Colour Haze, My Sleeping Karma, Dunajam…) erfolgreich erfolgreich entkräftet. Zurückgezogen in einer alten Stickereifabrik ihrer Heimat im Vogtland, haben die drei das gesamte Material (abgesehen von Overdubs und sparsam eingesetzten Effekten) live eingespielt. Schaut man oben auf die Tracklist, denkt man sich vielleicht: Wozu der ganze Aufwand für vier Nummern? Doch Moment – jedes Stück füllt hier in der Vinylversion eine Albumseite und bringt es auf Spielzeiten von 18 bis 21 Minuten! Das sind keine Stücke im herkömmlichen Sinne. Das sind rein instrumentale Trips und Jam-Abenteuer, Reisen, die nicht zuletzt die Entwicklung der drei leidenschaftlichen Musiker in den letzten Jahren reflektieren.

Wer jetzt mit diesem Hintergrundwissen die Tracklist oben erneut liest und idealerweise natürlich auch hört, erkennt da keine technisch anmutende Diplomarbeit mehr, sondern begibt sich selbst auf eine Reise ins All. Bucht man diesen Ausflug mit MOTHER ENGINE, kommt man deutlich günstiger weg, als bei den derzeit konventionellen Anbietern für Weltraumtourismus. Außerdem kann man die Stopps und Landeplätze selbst bestimmen, denn neben den typischen Stakkato-Riffs gibt es jede Menge atmosphärische und psychedelische Passagen zu genießen! Zudem ist der Weltraumtourist mit nachhaltigem Biosp(i)rit als Antrieb unterwegs. Erstaunlich, dass aus der Wissenschaft noch kein Schwein gemerkt hat, dass es Chris, Cornelius und Christian geschafft haben… einen dauerhaften Fusionsprozess in Gang zu setzen! Zunächst unter sich selbst, in der alten Stickereifabrik im Leerlauf und jetzt setzt sich das unter „voller Last“ fort – auf einer ausgiebigen Europatournee. Also… dreht die Volumeregler nach oben und lasst Euch infizieren und fusionieren! (Jens M.)

Genre:  Psychedelic/ Prog Rock

Lineup:

Chris Trautenbach (guitar)
Cornelius Grünert (drums)
Christian Dressel (bass)

Mal Reinhören & auf dem Laufenden bleiben:

Bandcamp : https://motherenginerock.bandcamp.com/

Facebook : https://www.facebook.com/MotherEngineRock/

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