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Pristine im Live Club Barmen am 26.04.2018

(js) Da musste es tatsächlich das Jahr 2018 werden, dass ich ein Konzert im altehrwürdigen „Live Club Barmen“ erleben durfte. Ein feiner kleiner Saal, aus dessen Poren tatsächlich und kontinuierlich Musikgeschichte zu entweichen schien. Anlass war an diesem Abend der Auftritt der norwegischen Blues- und Retro Rock Band „Pristine“. Dem zuvor aber die Lokalmatadore von „Universe“ auf der Bühne erscheinen sollten.
„Universe“, eine deutsche „Heavy Metal“-Hoffnung, die Ende der 80er Jahre noch unter dem Namen „Axe Attack“ firmierte. Als einziges Gründungsmitglied von damals ist Bassist Holger George verblieben. Eben jener Holger, den ich ein Jahr zuvor schon auf dem „Headbangers Open Air“ traf, teilte mir an diesem Abend auch mit, dass „Universe“ gar nicht spielen werden, da ihr Gitarrist im Krankenhaus läge. Der Veranstalter nahm diese Absage sportlich und präsentierte sodann mit „Pirates In Black“, eine weitere metallische Band aus Wuppertal. Die Piraten enterten die Bühne und schienen das Publikum, das tendenziell zur Hälfte aus Personen bestand, die eher für die Wuppertaler Band erschienen sind, auch schnell in den Griff zu bekommen. Traditioneller HM mit fließenden Übergängen in den amerikanischen Hard Rock luden ein, mitzuswingen. Keine großen Überraschungen, dafür aber professionell dargeboten, beendete man quasi piratengleich den Gig nach knapp 40 Minuten mit einer hardrockigen Version des Shantys „Drunken Sailor“.

Nach einer kurzen Umbaupause hieß es dann, die Norweger von „Pristine“ samt ihrer charismatischen Frontfrau Heidi Solheim begrüßen zu dürfen. Für mich war es bereits das dritte Konzert mit dieser fantastischen Band, für Schreibkollektivkollege Volker dessen erste Live-Erfahrung. Ja, man mag es kaum glauben, dass es Bands gibt, die bereits vier Alben auf ihrem Konto verbuchen können (die ersten beiden einzig in Norwegen veröffentlicht), aber Volker noch keine Aufwartung machen durften. Ich bin aber froh, dass die Versprechungen, die ich im Vorfeld ihm gegenüber machte, problemlos, also im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch, von der Band erfüllt wurden. So viel nur vorab.

Die Herren der Band nahmen gegen 21 Uhr auf den Brettern Wuppertals Aufstellung und boten Bandchefin Heide quasi die Bühne, die dieser Wirbelwind auch gleich für sich vereinnahmte. Warm werden muss sie nie und mit ihrer freundlichen und zugleich sympathisch flippigen Art manövriert sie ohnehin jedes Publikum auf ihre Seite. Ob es will oder nicht. Letzteres soll aber Gerüchten zufolge noch nicht geschehen sein. Die Band startete mit „The Rebel Song“, einem Song des aktuellen, erstmalig auf „Nuclear Blast“ erschienenen Longplayers „Ninja“. Heidi bewegt sich von Minute eins an, als gäbe es kein Morgen. Zudem ihr stetes Spiel mit dem Publikum, diese Frau muss man eigentlich lieb haben. Es folgen „You Are The One „ und „Sophia“, ebenfalls auf „Ninja“ erschienen und „Reboot“ vom gleichnamigen Vorgängeralbum. Allesamt zeigen diese Lieder die unglaubliche Spielfreude und den Spaß den diese Band nicht nur selbst lebt, sondern auch 1:1 auf die Zuschauer überträgt. Von Song zu Song beobachtet man mehr Menschen, die sich rundherum bewegen und einfach nicht mehr still stehen können. Nicht einmal mehr wollen.

Auch wenn Heidi sicherlich das Aushängeschild „Pristines“ zu sein scheint, erdrückt sie ihre Instrumentalfraktion keinesfalls. Ein jeder Musiker bekommt seine Solospielzeit auf der Bühne. Sei es Bassist Gustav Peder Eidsvik, Aushilfsorganist Erik oder Schlagzeuger Ottar Tøllefsen, der in sein kurzes, aber intensives, Schlagzeugsolo seine Unterarme und Ellbogen integrierte. Und man sich vor der Bühne fragte, wer dabei eigentlich mehr Spaß hatte. Er oder wir!? Gitarrist Espen Jakobsen war ohnehin bei jedem Song omnipräsent. Es war über das gesamte Konzert hinweg ein perfektes Spiel zwischen ihm und Sängerin Heidi. Besonders intensiv zeigte sich dies im Song „Don’t save my soul“, in dem anfangs nur die beiden auf der Bühne standen und diesen Slow Blues wahrlich fantastisch darboten. Ist dies ohnehin einer meiner Lieblingssongs der Norweger, bietet er mir live intoniert durch Espens Sologitarrenspiel in perfekter Harmonie mit Heidis kraftvollem und zugleich sinnlichem Organ immer wieder gänsehauterzeugende Momente. Ohnehin bemüht Espen seine Gitarrensammlung über den gesamten Gig geradezu spielerisch. Mal „slidend“ treibend, mal psychedelisch frech. Zu „Ghost Chase“ dann auch mal mit Doppelhalsgitarre.

Mit „The Pioneer“ bot die Band uns dann sogar einen komplett neuen Song dar, welcher Teil des kommenden Albums sein wird.

„Bootie Call“, „Ninja“ und „Sophia“ – man spielte fast ausnahmslos ein, mal wildes, mal sanftes, Potpourri der letzten beiden Alben. Und wenn, wie geschehen, plötzlich mal alle Mikrofone aus technischen Gründen vorübergehend ausfallen, bedarf es nur eines verdutzten kurzen Momentes, und Heidi lässt ihre Stimme für einige Minuten einfach eine Stufe lauter erklingen und unterhält uns pur und ohne Effekte. Als dann nach knapp 70 Minuten die Band die Bühne verließ, wurde mir schnell bestätigt, dass nicht nur ich, sondern der gesamte Saal von diesem Auftritt begeistert war. Und das auch zu Recht. Als Gegenleistung boten „Pristine“ dann noch einmal „Derek“ feil und rundeten mit dieser Interpretation einen absolut gelungenen Gig ab.

Live habe ich mich ohnehin längst in diese Band verliebt, es bleibt abzuwarten, wie es studiomäßig weitergeht. Für mich fehlten auf dem aktuellen Album, welches an einem Tag komplett live eingespielt wurde, ein wenig die Ecken und Kanten. Ob es mit dem Labelwechsel zusammenhängt, kann ich nicht beurteilen. Wer aber mal die Möglichkeit erhält, diese Band live zu erleben, sollte dies tun. Bei ehrlichem Nichtgefallen gibt‘s von mir den Eintrittspreis zurück. Oder eben von Volker. Volker? VOLKER?….(jensS, alle Photos volker)

 

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