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Kingsborough – 1544

(as) Wurzelbehandlung mit Pfiff: Unter der anhaltenden Inflation in Bezug auf Veröffentlichungen aus dem Classic-Rock-Sektor nimmt „1544“ zwar keine Ausnahmestellung ein, hebt sich aber mit verhältnismäßiger Stilvielfalt und einfach handfesten Kompositionen über die mittlerweile leider recht niedrigen Standards in diesem Genre hinweg.

Ein paar Pentatonik-Riffs und Schlaghosen genügen derzeit oft schon für einen Plattenvertrag, und von daher verwundert der Umstand, dass „Kingsborough“ ihre Musik ohne Label vertreiben müssen. Die Gruppe aus dem Großraum San Francisco um Namensgeber Billy hat sich zwei Jahre lang zum Songschreiben in einem Haus verschanzt (Der Plattentitel ist schlicht dessen Nummer), was man den entstanden Stücken auch anhört.

Das Quartett kommt immer direkt auf den Punkt, ohne sein Material nach dem Baukastenprinzip in Szene zu setzen. Die sonnige Eröffnung „Percy“ schielt noch verhalten ins England der ausklingenden 1960er, doch spätestens mit „Right On Time“, wo der Frontmann den Soul-Gecken mimt, verortet sich die Combo musikalisch fest in ihrer amerikanischen Heimat.

So kommt es, dass das Album wiederholt Vergleiche zu „Black Crowes“ evoziert (höre insbesondere „No More“), deren Meisterschaft in Sachen Southern und Gospel „Kingsborough“ nicht ganz erreichen. Stattdessen streifen sie etwa mit „Hard On The Heart“ ihre psychedelischen Nachbarn „Grateful Dead“, auch wenn sie eben nicht auf endloses Jammen geeicht sind.

Das nervöse „Something Strange“ und „Subtle Lies“, eine Peitsche von Song im Anschluss daran, fassen gemeinsam mit der rührenden Ballade „Wild Ones“ (eine Eloge auf Tote, die der Rock ‘n‘ Roll mit der Zeit gefordert hat) zusammen, in welchem Spektrum sich die Band bewegt; die Highlights der Scheibe sind jedoch das in seiner Simplizität exemplarische „Before Long“ am Ende, das sich gemächlich hochschraubende Minidrama „Low Down“ und „Where I Belong“, dessen progressive Ambitionen „Kingsborough“ auf ihrem nächsten Album gern konsequenter umsetzen dürfen.

Andreas Schiffmann

Kingsborough – 1544
http://www.kingsboroughmusic.com
Eigenvertrieb
35:49

Percy
Low Down
Subtle Lies
Right On Time
Wild Ones
Something Strange
Where I Belong
Hard On The Heart
No More
Before Long

Billy Kingsborough (g/v)
Alex Leach (g, bgv)
Chris Magione (b, bgv)
John Whitney (d, bgv)

Filed under: 60s, Album Reviews, Classic Rock, Psychedelic, Rock, Southern Rock,

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