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Ein Nachruf auf Tony Joe White

(hwa) Als ich zu Beginn der 1970er Jahre zum ersten Mal „Polk Salad Annie“ hörte, war ich sofort elektrisiert. Damals kriegte White von der Musikpresse das Siegel „Swamp Rock“ verpasst. Analog zu den Sümpfen Louisianas, an denen er aufwuchs. White hat mich seither nicht mehr losgelassen. Offensichtlich auch Elvis nicht. Der coverte „Polk Salad Annie“ kurz darauf. Danach auch Whites „Rainy Night in Georgia“…

Aber Tony Joe White war eben viel mehr als ein bloßer Swamp Rocker. Er verfeinerte seinen Stil Zug um Zug und befand sich irgendwann an der Schnittstelle von J.J. Cale und Mark Knopfler (bzw. die an seiner Nahtstelle, who knows?). Deren Laid Back-Verständnis vereinigte sich bei White zusammen mit seinem intensiven Bluesfeeling (toller Harp Player by the way) und seiner dunklen, fast flüsternden Stimme zu einem unverwechselbaren Markenzeichen.

Mittlerweile gelten Whites erste drei Alben als Vorläufer des Südstaatenrocks. Er haute insgesamt Alben raus, die sich aus Soul, Blues, Country, Rock und Laid Back speisten und vom Mainstream meilenweit entfernt waren.

In diesem Zusammenhang muss ich unbedingt auf sein 2004 erschienenes „The Heroines“-Album verweisen. Ein Album für die Ewigkeit. Neben Whites Soloparts singt er mit Shelby Lynne, Lucinda Williams, Michelle White, Jessi Coulter und Emmylou Harris Duette zum Niederknien. Jenes Album ist meines Erachtens eine tiefe Verbeugung vor J.J. Cale. Der revanchierte sich und war zusammen mit Mark Knopfler, Eric Clapton, Waylon Jennings und Michael McDonald als special guest auf Whites „Uncovered“-Album aus 2006 zu hören.

Ich empfehle neben obigen Alben auch seine „Best Hits“-Compilation (aus den frühen Jahren) sowie sein „Closer To The Truth“-Album aus 1991. Auf jenem Album sind u.a. „Steamy Windows“ oder „Undercover Agent For The Blues“ vertreten. Nachträglich mit großem Erfolg gecovert von Tina Turner. Das hatte was mit dem gemeinsamen Management zu tun. Auch der Titelsong von Turners „Foreign Affair“-Album stammt von Tony Joe White. Denn das Roger Davies Management betreute seinerzeit sowohl Tony Joe White als auch Tina Turner. Die Synergie-Effekte sind offensichtlich und der Tantiemenbatzen war für alle beträchtlich.

Tony Joe White war ein Fels in der Brandung – unkorrumpierbar, bluesbesessen und einzigartig. Er fehlt mir. Rest In Peace, Tony Joe!

Tony Joe White starb am 24. Oktober 2018 im Alter von 74 Jahren.

(Heinz W. Arndt)

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