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Roadsaw – Tinnitus The Night

(js) Das Stoner-Rock-Trio „Roadsaw“ wurde 1995 in Boston, Massachusetts, gegründet. Deren Musikstil könnte man vielleicht als verzückende Reise durch den britischen „Electric Blues“ hinunter in die „Southern Rock“ Sümpfe und dann quer nach Westen mitten durch das Herz der psychedelischen Wüsten Kaliforniens beschreiben. Leider blieb es die letzten acht Jahre ruhig um die Band. Nun aber lieferten die Jungs ein mit Spannung erwartetes neues Album ab. Es ist bereits ihr sechstes Album, was allein schon deutlich macht, dass hier keine Jungspunde mehr am Werke waren. Der neue Output wurde womöglich auch deshalb vom bekannten Produzenten Benny Grotto (u.a. Aerosmith, Ben Folds, Dresden Dolls) in dessen „ Mad Oak Studios“ in Allston, Massachusetts produziert.

Und das Album bekommt von mir allein des charmanten Titels wegen beinahe die volle Punktzahl. Nur haben sie das gar nicht nötig. Die Jungs aus Bosten begrüßen mich wie selbstverständlich mit zehn neuen Songs, die über die gesamten 45 Minuten durch ein tolles Songwriting samt toller Hooks zu überzeugen wissen. Und zeigen nur zu deutlich auf, wieso ich „Roadsaw“ die letzten Jahre vermisst habe. Schon mit dem Opener „Along For The Ride“ gibt’s eine formidable Wiedereinführung in den fiesen, dreckigen Sound der Amis. Vor dem Chorus singt Crain Riggs “sit still and be quiet…..you’re just along for the ride….” Und die Schlussfolgerung ist klar: ich habe hier und heute keine Wahl, „Roadsaw“ kommen mir den Hintern zu versohlen; ob ich mag oder nicht. Widerstand ist zwecklos. OK, ihr habt mich, schon jetzt.

Bemerkenswerter Weise singt Riggs nicht nur, sondern spielt auch das Schlagzeug. Er erinnert mich dabei an einen in dreckigen, staubigen Jeans gekleideten Phil Collins. Fieser natürlich, aufregender eben. Das sich anschließende „Shake“ drückt noch einmal ordentlich, bevor man sich mit “Fat Rats“ ein wenig entschleunigt, ohne dabei aber den Drive zu verlieren. Der Groove bleibt fett und stets in der Lage, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Und alle Songs bieten beinahe magische Refrains. „Final Phase“ ist zwar das kürzeste Lied auf dieser Platte, aber vollgepackt mit jeder Menge musikalischen Lebens. Und all das innerhalb von kaum mehr als 2 Minuten. Ian Ross‘ Riffs sind „cruspy“ und entschuldigen sich für nichts. Es ist liegt so viel Punk in der Luft. Und im Herzen.

Ein weiterer Song, den ich wirklich genossen habe, ist „Peel“. Dieser befördert dich schnurstracks zurück zu den Songs der 70er Jahre, die von Rockgitarren angetrieben wurden. Komplett von kosmischen Effekten, einem druckvollen Bassspiels Catz‘ und dem einmal mehr traumhaften Gesang begleitet. Es gelingt den Jungs auf eine so großartige Art und Weise von Speedbootgeschwindigkeit bei „Final Phase“ auf entspannt-lässige Kreuzfahrtstimmung in „Peel“ ‚umzuswitchen‘, ohne dass inmitten dessen ein Reiz von Wind und Wellen verloren gehen kann.

Mit „Knock Em All Down“ tritt ein fetter Groove deine Tür ein und bietet mit einem schönen Grunge-Feeling fast schon wieder um Verzeihung. „Find What You Need“ ist pure Rock’n’Roll-Unterhaltung – Killerriffs und klasse Hooks. „Midazolam“ fühlt sich in seiner Melodie sogar noch größer an, und sein Crescendo übertrifft Ross ‚Solo mit dem Refrain so dermaßen, dass allein dies zweifellos die Anschaffung des Albums wert ist. Ein wunderbar epischer Moment, der vorzüglich taugt, um mal das Hier und Jetzt zu vergessen. Der Übergang zu „Silence“ könnte kaum krasser ausfallen. Keys, Drums, Akustikgitarre, „Effects Wash“ und ein leises, verzerrtes Riffing sorgen für einen äußerst melancholischen Abschluss der Platte.

Egal, ob ihr „Roadsaw“ als Hausgäste haben möchtet oder nicht, „Tinnitus The Night“ lässt eure Ohren klingeln. Und hat daher schon einen exzellenten Job gemacht. Das Portfolio von „Roadsaw“ ist reichhaltig und sie stellen immer noch eine Band dar, an dem sich das gesamte Stoner-Genre durchaus noch messen lassen darf. Dies ist definitiv eines der besten Alben, die ich in diesem Jahr gehört habe. Und die Vitalität ist für eine Band dieses Jahrgangs erstaunlich und überzeugend zugleich. „Heavy Rock at its best“ im Jahre 2019. Welcome back, guys! Cheers!

Tracklist:

01. Along For The Ride
02. Shake
03. Fat Rats
04. Final Phase
05. Peel
06. Knock Em All Down
07. Find What You Need
08. Under The Devil’s Thumb
09. Midazolam
10. Silence


https://www.facebook.com/ROADSAW-106440249390336/
https://ripplemusic.bandcamp.com/album/tinnitus-the-night

Filed under: 70s, Album Reviews, Classic Rock, Stoner,

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