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Yat-Kha – We Will Never Die

(as) Dieser Tage sind „Yat-Kha“ tatsächlich schon 30 Jahre alt geworden, und da passt es ganz gut, dass nun ihr achtes Studioalbum erscheint – was aber gar nicht so beabsichtigt war, denn „We Will Never Die“ hätte schon früher veröffentlicht werden können, wenn die andauernde Pandemie nicht dazwischengekommen wäre.

Die Gruppe aus der autonomen russischen Republik Tuwa ist für ihre außergewöhnlichen Interpretationen fremder Kompositionen berüchtigt, doch vom Kuriositäten-Faktor der diesmal enthaltenen Covers abgesehen – Solitude“ (Black Sabbath) und „While My Guitar Gently Weeps“ (George Harrison) – machen die Eigenkompositionen von Mastermind Albert Kuvezin und Sholban Mongush den Hauptreiz der Platte aus.

Allein schon deshalb, weil die beiden die Songs im Alleingang einspielten, nimmt „We Will Never Die“ eine Ausnahmestellung im Katalog von „Yat-Kha“ ein, als ob ihr „exotischer“ Status in der internationalen Musikszene nicht ohnehin hoch wäre. Mongush zeichnet für Cello-Sounds der anderen Art verantwortlich, da er die Langhalslaute („Igil“) bedient, während sich Kuvezin auf der Akustikgitarre vergleichsweise weit zurückhält. Eine sporadisch eingesetzte Maultrommel komplettiert das Klangbild.

Umso „heller“ strahlt seine Stimme – in Anführungszeichen, weil wie gewohnt tiefster Kehlkopfgesang an der Tagesordnung steht. Das macht das Material so knorrig wie alles, was man bislang von der Band hörte, doch der melancholische Mehrwert von „We Will Never Die“ ist nicht zu verachten; suggeriert der Plattentitel trotz im Angesicht von (viralen?) Widrigkeiten, vermitteln die elegischen Lieder einen Eindruck von Resignation oder zumindest Nachdenklichkeit.

Lichtblicke in diesem Kontext sind der lässige Blues „Shartylaam“ und das idyllische „Bodap Choran“, das uns mit kräftigem Akkordanschlag fast bis in die amerikanischen Südstaaten katapultiert. Das sehnsüchtige „Umyvalsya Nochyu Na Dvore“ beruht auf einem Gedicht von Osip Mandelstam, das Instrumental „Al-Oruk“ gehört zu den auf melodischer Ebene fantasievollsten Stücken, die Albert bisher aus der Feder geflossen sind.

Als Unbedarfter sollte man vielleicht nicht zuerst zu diesem Album greifen, doch für „Yat-Kha“-Fans und ganz allgemein Menschen, die auf folkloristisch vertonte Innenschauen stehen, ist „We Will Never Die“ eine glänzende Perle.

Übrigens werden die zwei Coverversionen im digitalen Format durch „Where the Sea Meets the Land“ (gesungen von Sam Alty) und „Machine-Fragment“ von „Blabbermouth“ (Projekt von unter anderem Lu Edmonds von „Public Image Ltd.“) mit Albert am Mikro ersetzt.

The Lollipoppe Shoppe/Broken Silence

Kongurgai

Kazhanda-Daa Olbes-Le Bis (We Will Never Die)

Shartylaam (My Locust)

Umyvalsta Nochyu Na Dvore… (In The Yard, I Was Washing, At Night …)

Ak-Oruk (The White Road)

Solitude

Bodap Choran (I Walk Myself)

On The Path (Eternal Tengri Will Call Us)

While My Guitar Gently Weeps

https://lollipoppeshoppe.bandcamp.com/

Andreas Schiffmann

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