rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Einseinseins – Zwei

(as) So wie sich „Einseinseins“ von ihrer Optik als Musiker her ein wenig an den frühen „Kraftwerk“ orientieren, steht ihr Sound im Zeichen der sogenannten Kosmischen Musik aus dem vorwiegend deutschsprachigen Raum während der 1970er – gleichwohl mit zeitgenössischem Anstrich, und ebendieser lässt „Zwei“ unter etlichen retrospektiven Krautrock- oder Ambient-Alben in jüngerer Zeit hervorstechen.

Davon abgesehen bekommen die elektronisch gefärbten Klanggerüste des Projekts mehr „Fleisch“ durch handfeste Melodien: Schon das eröffnende „Graf Zahl“ macht dies bei aller rhythmischen Monotonie deutlich, denn als wäre das simple Synthesizer-Motiv nicht bereits eingängig genug, wird es phasenweise von durch Vocoder verfremdetem Sprechgesang übertönt, der auf seine hypnotische Art nicht weniger perfide ins Ohr dringt.

Im nachfolgenden „Plastik Liebe“ klingen die erwähnten „Kraftwerk“ am offensichtlichsten an, doch der „Hit“ von „Zwei“ dürfte das rhythmisch etwas komplexere, mal funky federnde und mal hämmernde „Gasetagenheizung“ sein, wo Hauptmann Alex Fedorov auch ein paar spröde Minimal-Gitarrensolos vom Stapel lässt. Der roboterhafte Halbgesang, den sich der Bandkopf mit Bassist Niels Hoffmann teilt, fungiert hier ebenfalls als weiteres Instrument beziehungsweise zusätzliche Klangfarbe.

Für das vorangehende „Regit Etarak“ ziehen „Einseinseins“ die Energieschraube noch ein gutes Stück weiter an, was insofern eine Menge Sinn ergibt, als dieses Stück und das anschließende den Massenschwerpunkt von „Zwei“ bilden. Der Spannungsbogen der Platte entspricht ergo mehr oder weniger genau einer Gaußkurve, denn sowohl das verschachtelter anmutende „Nachtigall“ als auch das finale Understatement „Nur Fuchs“ weisen zwar noch eindeutige Rock-Elemente auf, muten aber wesentlich gelassener an.

Unterm Strich ist „Zwei“ also keinesfalls jene Schwarzweiß-Angelegenheit, die das Cover in Aussicht gestellt hat. „Einseinseins“ erweisen sich somit als Power-Trio der anderen Sorte – eigenmächtig und eigensinnig ungeachtet ihrer unbestreitbar bei alten Kraut-Helden liegenden Einflüsse.

Tonzonen / Soulfood / VÖ: 21.01.

Graf Zahl

Plastikliebe

Regit Etarak

Gasetagenheizung

Nachtigall

Nur Fuchs

Alex Fedorov – Gitarre, Synthesizer, Vocoder

Johannes Rosswog – Schlagzeug

Niels Hoffmann – Bass, Synthesizer, Vocoder

Andreas Schiffmann

Filed under: Album Reviews, Elektronik, Krautrock, Rock, , , , ,

Saalepartie Festival Weidenpalast in 99518 Bad Sulza/OT Auerstedt vom 02. - 04.09. 2022

international – choose your language

Januar 2022
M D M D F S S
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten. Informationen zum Umgang mit Deinen Daten findest Du in der Datenschutzerklärung.

Diese Artikel werden gerade gelesen:

HUM - One
PeeWee Bluesgang – 40 Bluesful Years
Wucan - Heretic Tongues
Sweet Bourbon - Live Recordings

%d Bloggern gefällt das: