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Schwarzbrenner – Auf dem Flügelross

Zeitgenössischer Blues Rock, Songs und Balladen aus Ratingen

(ro) Wo „Schwarzbrenner“ draufsteht, ist auch „Schwarzbrenner“ drin: kraftvoller Bluesrock, schwermütige „alte“ deutsche Lyrik, gefühlvolle Balladen, sanfter Folk – und das alles klangvoll, unangepasst, außergewöhnlich, poetisch. Das neue Album „Auf dem Flügelross“, ist da keine Ausnahme. Serviert im schmucken Digipack, ist schon das Cover nicht nur ein visueller Blickfang, sondern auch eine tiefgründige Hommage an Joseph von Eichendorffs Gedicht „Das Flügelross“.

Dort wird das geflügelte Pferd zur Metapher für die Sehnsucht nach Freiheit und die kreative Fähigkeit des Menschen, über die Grenzen des Alltäglichen hinauszuwachsen.
Wie ein roter Faden zieht sich diese Symbolik durch „Schwarzbrenners“ neue Veröffentlichung und spiegelt gleichzeitig treffend die Essenz der Musik wider. Wer in diesen hektischen Zeiten seinem seelischen Wohlbefinden etwas Gutes tun möchte, wird eingeladen, aufmerksam zuzuhören und sich auf eine musikalische Expedition durch verschiedene Zeit-Epochen zu begeben.

Acht Songs haben „Schwarzbrenner“ für diese nunmehr 16. Veröffentlichung zusammengestellt und feiern damit gleichzeitig auch ihr 30. Bühnenjubiläum! Aber das ist beileibe nicht der einzige Grund zum Feiern, denn Wolfgang Becker (Gesang, Gitarre, Keyboards, Bariton-Uke), Christoph Keisers (Schlagzeug), Marc Sokal (Schlagzeug) und Theofilos Fotiadis (Bass) wurden bereits mehrfach für den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“, sowie den „German Blues Award“ nominiert.
Wenn das mal nichts ist!

Auf ihrem jüngsten Werk gelingt es „Schwarzbrenner“ einmal mehr, mit mannschaftsdienlicher Hingabe nicht nur auf die poetische, bilderreiche Wortkunst deutscher Lyrik, sondern auch auf die Kraft und Magie faszinierender Melodien zu setzen.
Dass sie dabei eine sehr eigene Handschrift entwickelt haben, dürfte nach all den Jahren außer Frage stehen.

Das zeigt sich schon gleich im Eröffnungstrack „Das Wunderhorn“, ein sprachlich ungemein gewaltiger Song, der, verpackt in einen kräftigen, organischen Rock-Sound, groovend und mitreißend die Instrumente geradezu perfekt um textliche Aussagen kreisen lässt.
Eine durchweg funkelnde, satte Gitarrenarbeit, warm und packend, kombiniert mit der kraftvollen Rhythmus-Combo und der rauchigen Stimme von Wolfgang Becker eröffnet eine großartige Weite an Emotionen, die dabei dem Hörer alle Möglichkeiten der Assoziationen offen lässt.
Oh ja, hier kommt die altgediente „Schwarzbrenner“- Anhängerschaft, zu der selbstverständlich auch ich gehöre, sogleich ins Schwelgen.

Anschließend gewährt der Barockdichter Martin Opitz (1597-1639) in der „Liebesklage eines Schäfers“, einen tiefen Einblick in sein Seelenleben.
Dessen betroffenes, mitunter wehmütiges Reflektieren wird von Herrn Becker und seiner feinen Begleitband in einem ruhig und subtil gehaltenen Soundbett, das sich weder in Larmoyanz noch in melodramatischen Ausbrüchen ergeht, vorgetragen.

Ein ganz persönliches Highlight habe ich natürlich auch: nämlich das „Lied vom weiten Land“, dessen atemberaubende Naturbeschreibungen, verfasst von Georg Heym, ihresgleichen suchen.
Der Geist des im Jahre 1912 im Alter von 24 Jahren verstorbenen expressionistischen Dichters scheint über dem kompletten Track zu schweben – mit einem Bein in unglaublicher Schönheit verhaftet, mit dem anderen in den Fesseln abgrundtiefer Melancholie verheddert.
Grandios unterstrichen von „Schwarzbrenners“ facettenreicher, atmosphärischer Musik, lässt dieser Klangkosmos den Hörer/die Hörerin völlig im Augenblick versinken.
Und leider passt er heute wohl wie kein anderer – denn schreitet nicht die Entfremdung des Menschen von der Natur und dem Leben selbst immer weiter fort?

Somit ist für mich „Auf dem Flügelross“ ein Album, das sich einmal mehr als ein sanfter Sinneskitzler und Seelentröster zeigt.
Weil es so echt wirkt, das Herz rührt und es an manchen Stellen auch fast bricht.
Kurzum, es erweist sich als diese Sorte Platte, die eines der kleinen Mosaiksteinchen beschert, um mit dieser so chaotisch vertrackten Welt irgendwie in Einklang zu kommen.
Wenigstens für eine gewisse Zeit.
….(Rosie..)..

Songliste:
1. Das Wunderhorn
2. Des Schäfers unerhörte Liebe
3. Odysseus
4. Mir ist zu licht zum Schlafen
5. Fackel meiner Liebe
6. Lied vom weiten Land
7. Wie Gold ins Meer versenket
8. Kalte Hände , warmes Herz

Besetzung:
Wolfgang Becker: Gesang, Gitarren, Keyboards, Bariton-Ukulele
Theofilos Fotiadis: Bass
Christoph Keisers: Drums
Marc Sokal: Drums 1,3,6

www.schwarzbrenner.de

Die CD kaufen könnt Ihr HIER

Fotograf: Michael Nacke, Dirk Sengotta, Arne Schramm

Filed under: Album Reviews, Blues, Bluesrock, Folk, Singer/Songwriter, , , , , , , , , ,

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