
(ro) Nach den gut zwei Stunden am Sonntagabend ist mir wieder einmal klar, dass ein Stelldichein mit den Herren der „Band Of Friends“, nämlich Gerry McAvoy aus Belfast, Brendan O`Neill, ebenfalls aus Belfast und Stephan Graf aus Erfurt für mich zu den schönsten und erinnerungswürdigsten Ostergeschenken gehört, die ich mir überhaupt hätte wünschen können.
„Celebrating the Music of Rory Gallagher“ war das Konzert überschrieben, und ich las im Programmheft voller Vorfreude, dass Gerry McAvoy, von 1971 bis 1991 Bassist des irischen Gitarrenvirtuosen, wieder von Brendan O`Neill an den Drums begleitet wird und dass als besonderer Gast Stephan Graf das Trio komplettieren würde.
Das war auf jeden Fall eine überaus gute Wahl, denn dieser namhafte Gitarrist und Sänger ist ansonsten mit seiner eigenen Band „Double Vision“ in der deutschen Musiklandschaft im Sinne Rorys unterwegs.
Der veranstaltende Club, gemütlich in den Grüngefilden am Rande meines Heimatstädtchens gelegen, war bei meinem Eintreffen bereits gut gefüllt mit einem erwartungsvollen Publikum, das zum großen Teil aus bestens gelaunten Musikliebhabern mittleren Alters bestand.
So schwelgten wir bei dem ein oder anderen netten Kaltgetränk ausgiebig in Wiedersehensfreude und Erinnerungen aller Art, bevor die „Band Of Friends“ pünktlich um 20:00 Uhr wie ein Gewitter die Bühne enterte, um uns mit einem knallenden Feuerwerk aus elektrisierendem, hauptsächlich aus Rorys Feder stammenden Liedgut zu zeigen, dass diese Art Songs beileibe nichts an Stellenwert verloren hat. Nein, auf keinen Fall.
Denn das sind alles solide Dauerbrenner, unkaputtbare Denkmäler in Zeiten von ständigem Wandel und kurzlebigen Zeitgeist-Moden.
Getreu dem Motto: „Immer voller Groove und mitten auf die Zwölf“ ließen sich die Herren McAvoy, O`Neill und Graf natürlich nicht lumpen, sie feuerten mit einer so geballten Ladung Dynamik die Songs nacheinander in die abtanzende Besucherschar, sodass diese, außer in der viertelstündigen Pause, gar nicht zum Ausruhen kam.
Aber das Bedürfnis hatte sowieso niemand, denn die umwerfende Bühnensouveränität der Jungs, Gerrys markante Bassbedienung, die wirbelnden Solo-Einlagen des Gitarreros und das ausgefuchste Spiel von Brendan brachten das eh schon begeisterte Publikum immer wieder zum Ausflippen.

Mit großem Spaß wurde gefeiert, gehopst, geklatscht, mitgesungen und ja, hier und da wurde auch mit wehenden Haaren die Luftgitarre rausgekramt. Dabei agierte das Trio fernab jeglicher Improvisations-Angeberei wunderbar komplex und präzise – immer straight nach vorne.
Und dabei erfüllten sie auch so ziemlich alle meine unausgesprochenen Musikwünsche, beglückten mich nicht nur mit so unsterblichen Kompositionen wie „Bad Penny“, sondern auch mit „I Fall Apart“ und „Shadow Play“, die so seelenvoll mit Herz und Seele dargeboten wurden, dass ich wie auf Wolken schwebte.
Mir schien, dass die Jungs besonders bei dem mitreißenden „Philby“, das ohnehin einer meiner Allzeit-Rory-Favoriten ist, noch eine Schippe drauflegten und damit wie von Zauberhand einen so magischen Sog entwickelten, dass sich dem gar niemand mehr entziehen konnte und wollte. Das Ergebnis war ein kollektives Mitsingen, dazu gemeinsames Arme schwenken, Begeisterung und glückliche Gesichter allenthalben.
Bei dieser explosiven Stimmungsmucke wollten die Zugaberufe und der frenetische Beifall natürlich nicht verhallen, als die drei Herren schließlich winkend und lachend die Bühne verließen.
Und dann kamen sie auch noch mal zurück, zu meiner und der werten Zuhörerschaft großen Freude, sie legten los, druckvoll, laut, feierten und sangen mit dem textsicheren Publikum noch einen Song und noch einen.
Und ruckzuck waren wir dann doch am Ende des Konzertes angelangt. Beseeligt begaben wir uns nach einem kurzen Stopp an der Theke hinüber an den Merch -Stand, um dort ein wenig zu verweilen und zu gucken.
Ein freundliches Wortgeplänkel mit Gerry, Brendan und Stephan, was auch den Erwerb ihres neuen Albums und wackelige Selfies implizierte, komplettierte einen großartigen Abend.
Was will man mehr? Genau so sollte es sein.
So und nicht anders.
Auf dem kurzen Weg durch die Dunkelheit nach Hause, umhüllt von der noch ein wenig feuchten und kühlen Bergischen Aprilfrühlingsluft, sang ich dann einen meiner alten Rory Gallagher – Lieblingssongs laut vor mich hin.
Ich glaube es war „Edged in Blue“.
(„Moonchild“ oder „I`ll Admit You`re Gone“ hätten allerdings auch gepasst.)
…(..Rosie..)..
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