
(jul) Der gestrige Abend fühlte sich weniger wie ein Konzert, sondern eher wie ein Besuch im Proberaum guter Freunde an – nur mit ein paar mehr Gästen. Das kleine, intime Südrock in Essen, mit seinen blanken Wänden, mag auf den ersten Blick nach schlechter Akustik schreien, doch der Sound ist erstaunlich gut und die Hinterzimmer-Atmosphäre war von einer fast familiären Wärme.
Als die Türen sich öffneten, fanden sich zunächst nur eine Handvoll Unentwegter vor der kleinen Bühne ein. Doch sobald die Dortmunder Jungs von Stargo ihre Instrumente laut werden ließen, strömte eine kleine Schar aus der vorgelagerten Kneipe herbei. Die Band, die mit ihrem aktuellen Album „Violet Skies“ einen deutlichen Schritt in Richtung Heavy Metal mit Haltung gemacht hat, zeigte sich von ihrer nahbarsten Seite. Nordin, der Gitarrist und Sänger, bewies das „Proberaum-Feeling“ auf charmante Weise, als er zwischendurch sogar mit seiner Gitarre zur Theke schlenderte, um Drummer Kasi (Karsten) ein Bier zu holen. Mein Kumpel Jochen, ein totaler Stargo-Newbie, machte es sich im Schneidersitz direkt vor der Bühne bequem und ließ sich von der Wucht des Sounds einfangen. Es war ein Abend, der zeigte, dass große Musik nicht immer die größte Bühne braucht, sondern manchmal nur den richtigen Raum und die richtige Atmosphäre, um ihre volle Wirkung zu entfalten.



Die Setlist führte von „Storm“ als Opener (Album Parasight, 2020) direkt in das frisch gepresste Material vom Album Violet Skies. Über „Shine Like Diamonds“ bis hin zum packenden „Interstellar“ war es wunderbar zu erleben, wie sich die Stücke seit der Release Show im Februar live weiterentwickelt haben. Songs wie „The Artist“, einer meiner persönlichen Favoriten, spielten die Jungs mit einer Souveränität, als hätten sie die Klänge bereits in ihre DNA integriert. Die Energie war greifbar, der Sound wuchtig und präzise – genau das, was man von Stargo erwartet, die ihre „Heavy Noise“-Definition voll ausleben. Vor und nach dem Gig gab es reichlich Gelegenheit zum Quatschen mit der Band und Freunden.

Deshalb kann ich über die zweite Band des Abends, Betastone aus Bremen, auch nicht viel sagen, da ich den Anfang ihres Sets draußen verquatscht habe. Bei den zwei Stücken, die ich hörte, traf der Metal-Gesang nicht so sehr meinen persönlichen Geschmack. Aber das Publikum nahm die „Stoner Noise“-Band sehr gut auf, und so war für jeden etwas dabei.

Am Ende bleibt das Gefühl eines intensiven, persönlichen Abends, der die Essenz von Stargo – ihre Entwicklung, ihre Wucht und ihre Nähe zum Publikum – perfekt eingefangen hat. Ein gelungener Abend im Südrock.

Filed under: Live Reviews, Betastone, Essen, Südrock, Stargo, Violet Skies



