(jm) Bad//Dreems von down under sind für mich bisher ein unbeschriebenes Blatt. Womit ich ihnen unrecht tue, denn „Ultra Dundee“ ist bereits der fünfte Longplayer der Band und zugleich ihr bisher kommerziell erfolgreichster: Das im März dieses Jahres erschienene Album stieg auf Platz 5 der australischen ARIA-Charts ein. Aufgenommen wurde es in Adelaide, zunächst im eigenen Studio „The Showers“, später fertiggestellt in den Mixmasters Studios. Am Mischpult saß erneut Produzent Dan Luscombe, der zuvor unter anderen mit Amyl and the Sniffers und Courtney Barnett gearbeitet hat, gemixt wurde die Platte von Aaron Cupples, bekannt durch seine Arbeit mit The Drones, Tropical Fuck Storm und Gold Class. Das Artwork stammt vom langjährigen Weggefährten McLean Stephenson, die begleitenden Videoclips wurden von Regisseur Kaius Potter im Lower Light Hotel am nördlichen Stadtrand Adelaides gedreht.
Inhaltlich handelt es sich um das bislang konzeptionellste und inhaltlich anspruchsvollste Werk der Band. Sänger Ben Marwe schlüpft über weite Strecken in die Rolle der titelgebenden Figur „Ultra Dundee“ – ein Charakter, den er selbst als geprägt von „Distanz, Hitze, Arbeit und selbstverschuldeten Konsequenzen“ beschreibt. Es geht um einen Mann, der sich seiner eigenen Fehler durchaus bewusst ist und trotzdem an seinem Kurs festhält. Diese Perspektive zieht sich als roter Faden durch die elf Songs und verleiht dem Album eine Geschlossenheit, die frühere Bad//Dreems-Platten in dieser Form nicht hatten – ohne dabei den ruppigen, gitarrenlastigen Grundsound der Band zu verwässern.
Klanglich bleibt „Ultra Dundee“ seinen Wurzeln treu: kantige, rotzige Riffs, ein treibender Rhythmus und Marwes charakteristisch schnoddriger Gesang, der selbstverständlich auch unbequeme Wahrheiten über die australische Gesellschaft nicht auslässt. Auf den ersten Eindruck wirkt die Produktion reifer und fokussierter als auf dem Vorgänger „Hoo Ha!“ von 2023 – und das ist kein radikaler Stilbruch, sondern eine Zuspitzung dessen, was die Band wohl seit dem rauen Debüt „Dogs At Bay“ angestrebt hat. Berichten zufolge soll „Ultra Dundee“ allerdings vorerst das letzte Album von Bad//Dreems sein, bevor sich die Band nach der anstehenden Tour eine unbefristete Pause gönnt. Sollte sich das bestätigen, ist dies ein würdiger, kraftvoller Schlusspunkt einer Bandgeschichte, die 2011 in einem Adelaide-Sommer begann.
Und wer sind die jetzt eigentlich? Bad//Dreems kommen aus Adelaide, Südaustralien, und wurden 2011 von Sänger Ben Marwe und Gitarrist Alex Cameron gegründet, kurz nachdem Cameron aus Melbourne zurück in seine Heimatstadt gezogen war. Unter dem ursprünglichen Namen „Young’n“ gestartet, veröffentlichte die Band 2013 ihre erste EP. Mit dem Debütalbum „Dogs At Bay“ gelang ihnen dann der Durchbruch: ein schonungsloses, roh produziertes Porträt des australischen Vorstadtlebens, das häufig als Wegbereiter für eine neue Generation von Pub-Rock-Bands wie Amyl and the Sniffers, The Chats und Pist Idiots genannt wird. Musikalisch bewegt sich das Quintett zwischen Garage-, Indie- und klassischem Pub-Rock, textlich zwischen Sozialkritik, Klasse, Männlichkeit und den Widersprüchen des modernen Australiens. Die aktuelle Besetzung besteht aus Ben Marwe (Gesang), Alex Cameron (Gitarre), Ali Wells (Gitarre), Deon Slaviero (Bass) und Miles Wilson (Schlagzeug).
„Ultra Dundee“ zeigen Bad//Dreems auf dem Höhepunkt ihres Schaffens: konzeptionell durchdacht, textlich schonungslos und musikalisch so druckvoll wie eh und je. Wer den rauen, ehrlichen Sound der Band mag, kommt an diesem Album nicht vorbei – und sollte es angesichts der möglichen Bandpause vielleicht gerade jetzt genießen. Und wie klingt’s jetzt? Nach Alternative, Punk… Rock… however you will name it! Tatsächlich hört es für mich persönlich ein bisschen wie eine Punk-Version von Midnight Oil an. Vielleicht würden Pulp so klingen, wenn sie in Australien geboren wären… ach was, hört einfach selbst rein und lauscht den Abenteuern von „Ultra Dundee“! (Jens M.)
Tracklist:
- Slaughterhouse ’85
- Ultra Dundee
- Shadowland
- January 26
- Night Shooting
- Kangaroo Skull
- Irish Airman
- St Francis Of Andamooka
- Firestorm
- Truro
- Afterlife
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