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3. Blue Moon Festival in Cottbus am 05. und 06.10. 2012

(vo) Am Anfang war wenig Licht und reichlich Wasser,  senkrecht und waagerecht.  Ich summte mir „Raindrops Keep Falling On And In My Head „ in den Bart und nach dem Motto „in drei bis vier Stunden biste ja wieder trocken“ machte ich mich am Freitag um neun erst mal zu Fuß auf den Weg von meiner Wohnung zum S-Bahnhof in Hilden, der Wettergott war auf diesem Pfad leider kein Stoner.  Über die Bahnstationen Düsseldorf,  Berlin und Raddusch erreichte ich kurz vor siebzehn Uhr Cottbus und besetzte mein Quartier fast in Sichtweite des Chekov.

Im Chekov, einem Musikclub in der Stromstraße, fand das 3. Blue Moon Festival statt, mit Bands aus der Stoner-, Heavy-, Psychedelic- und Doom Szene.  Nach der Nahrungsaufnahme im Quartier Ahorn traf ich um kurz nach 19 Uhr vor der Halle einige bekannte Gesichter und war sofort zu Hause.

Das ist das Schöne an und in dieser kleinen und sehr feinen Gemeinde der Stoner und Psychedelicer.  Man trifft im Laufe des Jahres auf Konzerten und Festivals zwischen Cottbus, Geel, Erfurt,  Netphen,  Tilburg und Salzburg immer wieder diese Gleichgesinnten und Mainstream Musikfeinde und freut sich wie Bolle darauf.

Um 20 Uhr rief die erste Band des Abends zur Audienz.  Nach dem Empfang meines Visums für beide Festivaltage und der gewissenhaften Phototaschen- und Volker Kontrolle durch die Security gabs erst mal Bier und den Auftritt von Palm Desert.  Diese vier Jungs, Jan, Kamil, Piotr und Wojciech aus Wroclaw in Polen,  sorgten mit ihrem Stoner Rock von der ersten bis zur 45sten Minute für gute Stimmung im Hörvolk.  Besonders im Ohr geblieben ist mir „Chase The Sun“,  ein sehr viel Staub aufwirbelndes Desertgrollen.  Nach flottem Bühnenumbau mit Hilfe u.a. von Hans und Thomas, Gitarre und Bass der Cottbuser Jam Rocker Grandloom, und gute Kumpels von Veranstalter David, ( Rockzilla Concerts ) ging es um kurz nach 21 Uhr weiter mit einem Orchester aus Freiberg in Sachsen.

Das Beam Orchestra bewegte sich auch sehr sicher im staubigen Stoner Rock Bereich.  Und auch den „Black Schnupfen“ holten wir uns nicht. Diese zügig gespielte Komposition von Eric, Ykcin und F-J mit sehr tief gelegtem Gitarrensound und schwer groovendem Grundgerüst begeisterte uns, der „Smoke Doper“ und die „Space Eggs“ waren die Wechsel zwischen Speed- und Cruising Sound, eine Klasse Vorstellung der jungen Jungs über 45 Minuten.  Als nächstes und ab 22 Uhr 10 unterhielten uns Sungrazer aus den Niederlanden für knapp 80 Minuten.  Hans, Rutger und Sander sind seit 2009 in der Szene sehr aktiv und mittlerweile zu einer großen Hausnummer in Sachen Heavy-,  Psychedelic- und Jam Rock geworden und Garanten für kernige Unterhaltung.

„Octo“zum Beispiel, ein schneller Heavyrocker mit weit hallendem Telecaster Solo von Rutger. Oder „Zero Zero“,  ein Stück,  das sich langsam und ruhig aufbaut.  Hans am Schlagzeug und Sander am Bass treiben die Chose allmählich in die härtere Zone,  dabei verfuzzt Rutger den Gitarrensound immer mehr und plötzlich explodierte der Song.  „Common Believer“ ist eine weitere Live Granate,  die zündelt, und mein Lieblingsstück fehlte auch nicht in der Playlist,  „Wild Goose“ ist für mich ein Muster mit großem Wert im Heavy Rock.  Der Applaus für unsere Freunde aus der Nachbarschaft war immens.  Und demnächst kriegen wir was Neues von den Jungs um die Ohren gehauen, sie sind zusammen mit The Machine im Studio und produzieren eine Split LP.

Der Flieger mit den Jungs von Asteroid aus Schweden landete pünktlich in Berlin,  der Transfer nach Cottbus klappte auch,  da konnte die Party ja weiter gehen. Robin, Gitarre und Gesang,  Henrik am Schlagzeug und Johannes, Gesang und Bass spielten uns von kurz vor zwölf an druckvoll und energisch vor die Wände des Chekov. Sie jammten erst mal ein bisschen vor sich hin, steigerten den Sound immer mehr und rissen uns förmlich mit und aus den Socken. Ein ca. fünfzehn minütiger Auftakt, der uns abwechselnd die Haare wusch und föhnte.

So einen Jam wiederholten sie in der Mitte ihres 90 minütigen Sets noch mal,  in diesem Fall spielten sie uns schwindlig.  Sie machten sich mit uns auf eine Wanderung durch ihre vier bisher erschienenen Tonträger,  Demo, Same(EP), II und eine Split mit ihren Landsleuten Blowback.  Ihre Musik würde ich auf der Höhe von Blue Cheer und Mountain ansiedeln,  mit leicht bluesigem Touch und markantem Gesang von Johannes und Robin„Silver Leaf“ und „The Exit“waren zwei Schmuckstücke,  verfuzzt und mit Wah wah und unglaublich groovend,  da bebten die Bauchdecken der Zuhörer.  Beim Blue Moon Festival war nach Asteroid Halbzeit.

Ich schlich mit meinen nun sehr müden Knochen morgens um zwei zum Hotel zurück und schlief zufrieden ein.  Geweckt wurde ich nicht vom Cottbuser Postkutscher,  der den Cottbuser Postkutschkasten putzt,  sondern von einem anderen  öffentlichen Dienst. Dem, der die Straße kehrte.  Bis 19 Uhr war es noch lange hin. Ich machte mich nach den Wasch- und Esseinheiten auf und guckte mir Cottbus an.  Fein restaurierte Häuser,  Zweckbauten der Konsumwelt,  Kleinode der Wohnkultur, sozialistische, postsozialistische und einige ästhetische Mordversuche wechselten sich vor meinen Augen ab.  Im Hotel noch ein bisschen Augenpflege und um 19 Uhr tauchte ich wieder in den gastlichen Raum der musikalischen Subkultur ein,  es folgt Blue Moon Festival, Chekov, Teil 2.

Kalmen aus Dresden doomten uns in den zweiten Festivaltag.  Doom ist nicht meine Baustelle und erschüttert mich nicht. Der Auftritt des Mädels und der drei Jungs war aber technisch gut und leidenschaftlich und gefiel den schon zahlreich postierten Doombangern.  Stonehenge aus Potsdam waren die nächste Band im Programm,  Enny,  Gitarre und Gesang, Johannes am Key-/Soundboard,  Micha am Bass und Ole am Schlagzeug.  Diese vier Jungs veranstalteten in der Hauptsache Heavy Rock,  der durch die Hinzunahme des Orgelsounds sehr viel Pfeffer enthält.  Johannes und Enny an der Gibson sind für die Regel „Leis ist Schei.“.  Auch Micha und Ole hielten sich daran und die Ergebnisse wurden vom Publikum honoriert.

Um 21 Uhr 10 erwartete ich gespannt,  wie Heat aus Berlin live und mit wenig Farbe auf der Bühne klingen.  Ihre gerade vor ein paar Tagen erschienene  erste Vinylscheibe  lag leider noch beim LP Händler meines Vertrauens in Berlin,  ich hatte aber über die Schallrichtung ihrer Musik schon einiges gehört.  Ingo, Gitarre,  Marcus am Schlagzeug,  Patrick  der Sänger, Rischi an der Gitarre und Richard am Bass fanden sich vor zwei Jahren zum jammen im Proberaum und stellten fest, das passt musikalisch wunderbar zusammen.  Im Verlauf ihres 45minütigen Auftritts heute Abend waren ihre Einflüsse und Inspirationen nicht zu überhören.  Sie setzten diese aber sehr eigenständig um und in den Dienst ihres harten 70s Rock.  Klasse, Applaus und weiterhin gutes Gelingen.  Mit den polnischen Jungs von Belzebong wurde es für mich von 22 Uhr 15 bis 23 Uhr noch mal mysteriös und neblig.  Sie zelebrierten ihren Doom Metal zeitweise undurchsichtig in grün angestrahltem Trockeneisnebel.  Wie schon erwähnt ist diese Musik nix für mich.  Ich konnte ein wenig Essen vertragen,  das tat ich im Zelt der italienischen Esskultur vor dem Chekov.

Und dann, um 23 Uhr 20:  Wenn du beim Autofahren den Fuß auf dem Gaspedal bis an die Ablassschraube der Ölwanne trittst oder beim Moppedfahren durch die Kurve jaulst, die Kniescheibe einen Millimeter vor dem Asphalt,  so drehten Horisont von der ersten bis zur letzten Sekunde ihres Auftritts Felle, Regler, Saiten und Stimmbänder auf und an.  Mal mehr, mal weniger, mal gar keine Haare auf Bühnen- und Zuschauerseite flogen und wehten im Takt des 70s Rock der fünf schwedischen Jungs.  Axel schrie sich bis teilweise kurz vor dem Diskant den Rock aus der Seele,  Charles und Kristofer rockten ihre Gitarren zur Rauchentwicklung und Magnus und Pontus groovten das Fundament,  bis das Fundament des Chekov fast kollabierte.

Meine Fresse,  ging das ab!  Die Jungs waren aufgedreht bis dort hinaus, von was auch immer, und wurden vom Publikum zu einer grandiosen Show getrieben.  U.a. „Second Assault“,  „Nightrider“ und „Thunderflight“  waren unsere Begleiter beim rauschenden Fest für Sinne und Gelenke.  Danach musste ich erst mal meine Knochen und Barthaare sortieren und meine Kehle schrie nach Befeuchtung.  Und dann kam der krönende Abschluss dieses Festes. Eine meiner Lieblingsbands an sich und überhaupt und sowieso erwies uns die Ehre.  Vorher noch dieses:  Bei Darbietungen mit My Sleeping Karma, von ihnen ist gleich die Schreibe, bin ich nicht von dieser Welt und das Wort „objektiv“ ( Rosie hat dieses Wort eingefügt ) existiert in meinem Wortschatz bei dieser Band nicht.  MSK hab ich oft live erlebt,  aber so wie heute nacht…..!  Es war der Himmel auf Erden für mich und etliche andere im Saal.  Matte, Norman, Seppi und Steffen gaben alles.  Bei ihnen,  bei uns,  auf dem Boden und  an den Wänden lief der Schweiß und das Wasser in Strömen. Die Jungs peitschten ihren psychedelischen Sound ins Geviert,  da blieb uns die Spucke weg.

Sie wurden von uns angestachelt,  hochgehievt und mit Begeisterung getragen.  Der Bühnenteppich wollte dauernd die Startfreigabe,  die Jungs und wir hoben ab und flogen in die Welt von Soma,  den berauschenden Getränken der Götter ( siehe Link zur CD Rezension von Soma unterhalb dieses Artikels).  Göttlich war der Sound und wir alle hatten großen Spaß, in allen Backen.  Dieser Auftritt setzte einer harten Konzertwoche für mich die Krone aufs geschorene Haupt:  30.09. The Nighthawks in Roermond, 01.10. Saturnia und Colour Haze in Köln, 02.10. Mescaliner und White Hills in Siegen und 05./06.10. Blue Moon.

Ich danke David Kopsch ( Rockzilla Concerts ) für Akkreditierung und Gastfreundschaft.  Und Dank an alle Beteiligten:  Musiker, Thekenpersonal, Licht, Sound und Bühnenumbau und den Zuschauern aus nah und fern,  für zwei tolle Tage, bis zum 4. Blue Moon 2013…..( ..Volker.. ).

Rockzilla

Blue Moon Festival

My Sleeping Karma- Soma

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