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Mike Zito & The Wheel – Gone To Texas

Mike ZitoZito gehört zu den neuen aufregenden US-Gitarristen, die im Hinblick auf traditionelle amerikanische Südstaatenmucke (Southern Rock, Delta, New Orleans) aus dem Vollen schöpfen.

Im Booklet und Waschzettel der Plattenfirma zum „Gone To Texas“-Album verfällt Zito der Schwärmerei.Er erklärt, was der Titel bedeutet, was er an Texas so mag und warum es zu seiner zweiten Heimat wurde.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass er seine frühen Drogenprobleme nicht mehr in den Griff kriegte, mit dem Greyhound aufs Geratewohl nach Texas fuhr und eine Bekannte wiedertraf, der er sich schon vorher „sehr nahe“ fühlte …

Unter Rückgriff auf streitbare geschichtliche Fakten („Historisch betrachtet war Texas bereits schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Rettung vieler verzweifelter Menschen, die hohe Schulden oder ein Verbrechen begangen hatten, um sich vor den Kolonien bzw. deren Gläubigern zu verstecken – dann sagte man: ‚He’s Gone To Texas’“) wird seine rein persönliche Rettung dem historischen Kontext untergeordnet.

Seine Freundin wurde in Wahrheit zum eigentlichen Schutzengel.

„Sie stand mir immer bei und gab mir die nötige Unterstützung und Liebe, die ich brauchte, um wieder auf eigenen Beinen stehen zu können.

Südosttexas hat mich aufgenommen…

Texas hat mein Leben gerettet!“

Bei aller Wertschätzung, Herr Zito, werden hier offensichtlich unterschiedliche Ebenen grob fahrlässig verquickt und verklärt.

Ihre Euphorie und Dankbarkeit Ihrer Frau und der neuen Umgebung gegenüber sei Ihnen unbenommen, aber Texas gewissermaßen generell zu einem sakrosankten Paradies für Zugereiste zu erklären, geht massiv an den obwaltenden Umständen vorbei.

Ihnen, Mike Zito, mag ja Texas in Form Ihrer verlässlichen Freunde das Leben gerettet haben, aber nicht der Staat als solcher.

Der versteht sich als ultrakonservativer Hardliner und weigert sich mit Nachdruck, die Todesstrafe abzuschaffen.

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Denken Sie doch einfach mal an diejenigen, denen Texas das Leben nicht gerettet hat, also an jene, die der grausamen Staatsräson wegen hingerichtet wurden.

Die Zahl derjenigen, die hier die Menschenrechte verletzt sehen, geht weltweit in die Millionen.

Zurück zum Album.

Mike Zito ist aktuell zweigleisig unterwegs.

Zusammen mit Royal Southern Brotherhood (Ruf 1180) ist er „part of the game“.

Die Truppe versteht sich als hochversierter Individualisten-Verbund.

Mit viel Bluesrock und – Cyril Neville sei’s gedankt – ultrascharfen Crossovers!

Bei „Gone To Texas“, Zitos erstem Ruf-Solo-Album, konnte er nach eigenem Gusto agieren und ein paar seiner persönlichen Heroes zum Mitmachen überrreden.

Dazu gehören: Sonny Landreth (Slide-Guitar), Delbert McClinton (Gesang, Gitarre, Mundharmonika) oder Susan Cowsill (Vocals).

Zudem sorgt The Wheel-Bandmitglied Jimmy Carpenter am Saxofon für eine gänsehautreibende Melange.

Der hält neben Rob Lee (Drums), Scott Sutherland (Bass) und Lewis Stephens (B3 and Pianos) die Bandperformance enorm hoch.

„Diese Band wurde von mir im Laufe der Jahre handverlesen zusammengestellt“, schreibt Zito im Booklet.

Die Band dankt es ihm.

Auch wenn Zito (plus Saxofon) hier und da ein wenig an Bob Seger aus Detroit erinnert, ist sein Herz dennoch tief im Süden verankert.

Siehe die ZZ Top-Hommage „Don’t Think Cause You’re Pretty“.

Nebenbei spielt Zito die Slide mindestens so effektiv wie Sonny Landreth.

„Death Row“ ist intensiver Delta-Stuff.

In „Don`t Break A Leg“ wird James Brown und Konsorten gehuldigt (Soll vermutlich signalisieren: Funk und Soul haben wir auch drauf!).

„Take It Easy“ evoziert erneut Bob Seger, während „The Road Never Ends“ zusammen mit Delbert McClinton auf die Allman Brothers verweist und dem Southern Rock schlechthin ein Denkmal setzt.

„Substraction Blues“ ist eine Hommage an Dr. John, während „Hell On Me“ mit seiner exzellenten Bläser- und Rhythmusfraktion Blues und Soul kongenial vereinigt.

Die „Wings Of Freedom“ laden sofort zum Fingerschnippen ein.

„Let Your Light Shine On Me“ weckt Erinnerungen an Little Feat.

Das Album überzeugt durch Herzblut und Nachhaltigkeit. Das Spektrum ist breit gefächert.

Mike Zito wird seinen Weg machen, keine Frage. Der Süden ist ihm seelenverwandt.

Mike Zito & The Wheel „Gone To Texas“

13 Tracks, TT: 62 min

Ruf 1189 / in-akustik

(Heinz W. Arndt)

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Juli 2013
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