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Rock ’n’ Roll – Mythen & Tragödien / Keith Richards – Das Leben einer Rocklegende

Keith Richards

Rock'n' Roll(hwa) Der Heel-Verlag grüßt mit zwei Rockbüchern.
Siehe „Rock’n’Roll“ von Michele Primi.
Der Autor addiert 63 Biografien von Musikern, die scheinbar – so möchte es uns Primi nahelegen – alle „Opfer ihres rauschhaften Lebens“ wurden.
Geschichten, so wörtlich „vom Fluch der Rockmusik“…

In jenen Rahmen passen Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Elvis, Kurt Cobain oder Amy Winehouse durchaus rein. Im Zweifel sogar Michael Jackson, der durch unzählige, dennoch allzu bekannte Fotos unnötig viele Seiten frisst..

Zur Klientel der „Rauschopfer“ gehören laut Primi scheinbar auch Otis Redding, Marvin Gaye, John Lennon, Buddy Holly, Stevie Ray Vaughan oder die halbe Band von Lynyrd Skynyrd. Die aber alle – so sehe ich das – eben nicht durch den Fluch der Rockmusik, also Drogen und Alkohol, ums Leben kamen, sondern durch puren Zufall (= Mord oder Flugzeugabstürze), weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Da wird einiges durcheinandergeworfen und unjournalistisch verquickt – der Yellow Press in Teilen nicht unähnlich.

Mindestens vier bedeutende Musiker fehlen.

Wo bleibt beispielsweise Rory Gallagher? Ein Ire, der den Bluesrock nicht nur unnachahmlich spielte, sondern auch das exzessive Tourleben mit Hilfe von Alkohol und Tabletten kompensierte.

Und letztlich an Leberzirrhose bzw. an den Folgen der Transplantation starb?

Was ist mit dem fantastischen Danny Whitten aus Neil Youngs 70er Jahre Backingband, dessen Tod zweifelsfrei Heroin geschuldet ist?

Was mit Phil Lynott (Thin Lizzy), der 1986 an drogenindiziertem multiplen Organversagen starb?

Oder gar mit Steve Marriott (Small Faces, Humble Pie), der 1991 bei einem selbst verursachten Schwelbrand durch Rauchen im Bett ums Leben kam?

Davon weiß Primi scheinbar nichts.

Was wir aber wissen, ist, dass selbst auf dem Buchdeckel Lässigkeiten nicht halt machen.

Wir lesen: „KURTZ Cobain“ (= Buchandruck zur 1. Auflage)!
Dieses Exemplar liegt mir vor.
Cobain hatte zwar ein relativ kurzes Leben, hieß aber dennoch Kurt.

Das hat – oh wunder! – mittlerweile auch Heel gescheckt und den Fehler korrigiert.

Änderungen wären auch in Teilen der Keith Richards „Berichterstattung“ unbedingt vonnöten. Denn auch dort wird mitunter geschludert, dass einem die Kinnlade runterfällt.

Der geheiligte Grundsatz, dass Eigennamen und Songtitel unantastbar sind, wird mehrmals grob fahrlässig missachtet.

Einige Beispiele gefällig?

Im Zusammenhang mit dem desaströsen Altamont-Festval der Stones in 1969 wird auch über den Mord direkt vor der Bühne berichtet. Im Buch von Bill Milkowski heißt das Opfer aber nicht Meredith Hunter, sondern Meredith WALKER.

So was geht ja gar nicht!

Desweiteren sei erwähnt, dass Mick Jagger zwischenzeitlich zu „MITCH“ Jagger mutiert.

Otis Redding wird zu Otis READING, Allen Klein, der ex-Manager der Stones und der Beatles, zu ALAN Klein und Dick Heckstall-Smith zu „HICK“ verschlimmbessert.

Das Stonescover “Down The Road Apiece“ wird kurzerhand zu “Down The Road a Piece” umfunktioniert. „Wake Up Little Susie“ der Everly Brothers darf in Milkowskis Buch neuerdings “Wake Up Little Suzy“ heißen.

Dreiste Schlampereien ohne Skrupel.

Zumindest bei Heel, wo man „Lektorat“ scheinbar nicht mehr konsequent mit Leben zu füllen vermag.. Nach dem Motto: Was das Lektorat nicht weiß, macht den Leser nicht heiß?

Dennoch dürfte die Richards-Bibliografie für den ein oder anderen den Kauf wert sein.

Der legendären Fotos und der kompakten Bio wegen.

(Heinz W. Arndt)

Keith Richards – Das Leben einer Rocklegende. Von Bill Milkowski.
Heel Verlag, 208 Seiten, 29,95 Euro, ISBN 978-3-86852-984-5

Rock’n’ Roll. Von Michele Primi
Heel Verlag, 272 Seiten, 29,95 Euro, ISBN 978-3-86852-983-8

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