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Bill Wyman – Back To Basics

Bill Wyman Back To Basics 2(hwa) Das Rolling Stone Urgestein meldet sich nach 23 Jahren mit einem Soloalbum zurück. Das hätte er tunlichst sein lassen sollen. Warum? Weil „Back To Basics“ nicht im Entferntesten an die Qualität seiner empfehlenswerten Rhythm Kings Alben heranreicht.
„Back to Basics ist unverhohlen und unverhüllt“ steht im Waschzettel zu lesen. Unverhohlen dilettantisch und unverhüllt plakativ? Denke schon! Nur soo war es von der Promotion vermutlich nicht gemeint.

Was Wyman hier – je länger das Album dauert – an nervendem Sprechgesang absondert, geht auf keine Kuhhaut mehr. Alles auf der Basis von überschaubaren Akkorden und mehr oder weniger klischeebeladenen Texten, die Wyman offensichtlich als „kritisch“ missversteht.

Siehe „Seventeen“. Dort kommt er uns pseudopädagogisch:
„It’s just an image/She’s not the girl that she used to be/Seventeen/Moving queen, silver screen/Now she’s a has-been/It’s just an image/High fashion for the fashion queens/It’s just an image/To do commercials for a pair of jeans/Seventeen/Seventeen/Seventeen/Seventeen/Seventeen/Seventeen…”

Aber war es nicht ausgerechnet Wyman, der seinerzeit als noch gerissennerer Schürzenjäger als Jagger galt und das 33 Jahre jüngere Teenager-Model Mandy Smith heiratete?

Der Kitsch wird noch unerträglicher, wenn Hupfdohlengesang Wymans „Seventeen“-Refrain mit einem in höchste Höhen geschraubten Fistelstimmchen nachträglich wiederholt.

Der Waschzettel bemüht sich nach Kräften, die Legendenbildung Wymans am Laufen zu halten und diese Zusammenstellung von Archivdemos und Neubearbeitungen als Großtat zu preisen. So ist davon die Rede, „Back To Basics“ sei von Tom Waits, Lenonard Cohen und J.J.Cale beeinflusst.

Also da hört der Spaß nun endgültig auf. Wyman mit Tom Waits oder gar Leonard Cohen in Verbindung zu bringen, grenzt an Volksverdummung.

Ok: J.J. Cale und Ian Dury(!) lassen sich bei einigen Titeln wie „What & How & If & When & Why“, „Lost My Ring“, „Running Back To You“ oder „She’s Wonderful“ durchaus heraushören.

Wie überhaupt die erste Hälfte des Albums sich ja noch mit viel gutem Willen durchhören lässt. Danach folgt der Totalabsturz.
Jetzt wird auch schlagartig klar, warum Wyman bei den Rhythm Kings das Singen den anderen überließ. Seine Rythm Kings, seine tollen Fotobücher und Stones-Chroniken sollen hier keineswegs geschmälert werden – im Gegenteil!

Aber: Dieses monotone Sprechgesang-Album ist weder Fisch noch Fleisch. Es ist das, was es ist: ein zusammengeschustertes, unausgegorenes Konglomerat alter und neuer Songs.
Für Seniorenabende bestens geeignet.
Mitsprechen und Mitklatschen vorausgesetzt.

(Heinz W. Arndt)

Bill Wyman „Back To Basics“
Proper Records / H’Art
12 Tracks
TT 43:28 min
2015
Bill Wyman.com

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