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Zone Six – Love Monster

Zone(ch + to) Elf endlos lange Jahre waren ins Land gezogen, in denen es von „Zone Six“ kein richtiges Studiowerk zu belauschen gab. Laut der Protagonisten sollte es nun nicht noch ein zwölftes Faulenzerjahr geben. Deswegen schickten sich sogleich die vier Mitstreiter aus der sechsten Zone an, ein herzhaftes Liebesmonster einzuspielen, das sich nun wiederum direkt in die liebesbedürftigen, großen Musikherzen der werten Hörerschaft katapultiert. Diese ehemals faule „Zone Six“-Bande ist somit aus Ihrem akustischen Tiefschlaf zurück. Und das mit so einem fleißbehafteten und klangvollen Output auch noch völlig zu Recht!
Vor über achtzehn Jahren gegründet, gehören sie eigentlich zu den ältesten noch aktiven Spacerock / Acidrock / Neo-Krautrock Bands in Europa. Selbst wenn sie die letzten Jahre dort faul wie Sau waren, sind alle Bandmitglieder ja zusätzlich auch noch in der aktiven „Krautzone“ am Start.
Sula und Lulu von und bei „Electric Moon“ sind auf Selbigen ja auch sehr fleißig unterwegs, Sula Bassana im Allgemeinen ja sowieso und Rainer spielt dazu noch bei den „Pancakes“ auf. Also kann man dann in diesem Sinne nicht wirklich von irgendeiner Faulheit oder schöpferischem Ruheleben sprechen. Diese angeblich selbstbetitelten faulen Säcke trafen sich nun selbstredend, um ein paar Tage (oder besser Nächte) genussvoll auszufreaken, und dabei kamen diese vier zauberhaften Stücke heraus. Welche sich unvermittelt anschicken, uns in die Tiefen Ihres Klangorbits zu entführen. Das Ganze ist natürlich sehr groovy, psychedelisch und spacebeladen angehaucht. Ausflüge von interneuralem Ausmaß lassen dazu die Zeit schweben und erst am Ende der existenten Materie wieder aufsetzen. Es vermischt sich alles in einer großen, schallgefluteten Blase, die uns umschließt und voll mit ohralen Acidnoten und schweren Nebelschallwolken ist.
Aufgenommen und gemixt wurde das monströse Ganze bei Sula im Amöbenklangraum. Der diesen orbitalen Klangfarben natürlich seine abfärbende Handschrift und die damit verbundene Präsenz verleiht. Gemastert wurde das liebliche Monster von Axel Frank. Natürlich wieder mit einem sternerstrahlendem Coverdesign, das einmal mehr von Lulu Artwork! (Komet Lulu) glanzvoll und auf den visuellen Blickpunkt in Szene gesetzt wurde.
„Love Monster“ ist auch gleich ein wahrer Monstertiteltrack. Dieser Song eröffnet das Soundspektakel mit einem äußerst geschmeidigen Kometen Bass als Fundament der Rhythmusfraktion, der zusätzlich in einer fluffigen herzschlagartigen Manier daherkommt und die Grundessenz dieses Soundteppichs ausmacht. Die Gitarre von Rainer schiebt sich im Auftrieb darüber hinaus. Die Synths von Martin mischen sich in den spacigen Sound ein, der dem Track eine abhebende Textur verleiht. Mister Neeff legt, bei fortlaufender Spielzeit, mit seiner zerrenden Gitarre viele weitere transzendal treibende Noten obendrauf. Dem Liebesmonster wird somit reichlich akustisches Leben eingehaucht. Das kommt verdammt herzhaft und wird von diesen verzerrt nachhallenden Sounds und Wah-Wahs nur so eingedeckt. Ein opulenter Song, eine mächtige organische Einheit, die sich fortlaufend entwickelt, ausformt und erweitert. Man hat das inhalative Gefühl, das diese vier Musiker Ihr eigenes Soundgebilde selbst erfühlen, in sich aufsaugen sowie darin eintauchen, um Ihren Instrumenten durch intensiv treibende Nuancen spielerisches Leben einzuhauchen. Im weiteren Verlauf werden die akustischen Parts zu fließenden oder andriftenden Formen, aber mit gleichbleibend hoher Intensität. Was für ein monumentales Teil! Dazu gibt es im Soundgefüge jedes Mal an einer anderer Stelle wieder etwas mehr zu entdecken und herauszulauschen – eine orientalisch angehauchte Note hier, tranceartiges Feeling da, ein orbitaler Tastaturpart darin, fliegende und flirrende Sequenzen dort – aber von den ersten Basssequenzen bis zur finalen Note ist diese erhabene Klangwelt der vier aposchallyptischen Soundboten aus der sechsten Zone famos vorgetragen, bis selbst die letzte Nervenzelle im eigenen Lauschzentrum abschwebt.

„The Insight“ beginnt mit spacebehafteten Synthesizernuancen. Die Töne surren und schwingen wie schwerelose Schallspiralen durch den Raum, dazu baut sich der Rhythmus langsam auf, das Tempo und die Intensität legt unausweichlich zu. Dieser Track ist Spacesound pur. Die Psychedelic-Gitarre ist zunächst ein wenig hintergründig, damit die Synthesizerklänge von Martin noch mehr Platz zum atmen und abheben haben. Die Spannung treibt unablässig auf und schwebt umher. Was für ein leichtfüssiger und mitreißender Flug durch die Weite der Cinemascope ähnlichen Zone Six-Landschaften. Wenn man jetzt noch nicht völlig verzückt ist, steht mit dem dritten Titel ein weiteres mitreißendes Schmäckerchen auf den Gehörplan. „Acidic“ ist zwar mit siebeneinhalb Minuten der kürzeste Track des Albums, hat es aber ebenso in sich wie das fantastische Liebesmonster zu Beginn. Wieder stimmt ein antreibender gefühlvoller Bass von Komet ein. Die Drumsequenz von Sula gibt zusätzlich die taktformende Richtung an. Die darin auftretenden Schallwellen verbreiten ein immer süchtiger machendes sowie schmackhaftes Nachhalluzinogen, bis dieser ganze einsaugende Klangstrudel nach überfälliger Ekstase schreit. Das ist wirklich aller feinster Ekstasenstoff, der weibliche wie männliche Hörorgane packt und auf das lecker Lauschvollste stimuliert.
„Cosmogyral“ ist der letzte und längste Track. In die flauschig fliegenden Synths klingt eine zurückhaltende Gitarre ein und legt sich in den Song. Ein entspannter Anlauf trägt die anfängliche Instrumentierung. Die Gitarrensequenz fährt hoch und die Verzerrungen darin sowie die traumwandlerischen Synthklänge erreichen eine gehörschmelzende Stimmungslage. Der Komet Bass und das Sula Schlagwerk halten wieder gezielt und unvermittelt das Stück in der Soundspur. Rainer spielt effektintensiv und scheinbar im freien Gedankenfall. Seine sich immer wieder aufbäumenden und überzeichnenden Gitarrenklänge dringen tief in unsere Rezeptoren, das uns dazu eine wahnwitzige Vision überkommt; … Extraterrestrische ‘cosmogyrale‘ Wesen, gleiten mühelos und äußerst gewandt durch diesen Notenorbit, um uns mit jeder erzeugten Schallwolke, dieser bezirzenden Tonenergie, komplett zu vereinnahmen. Sie wollen sich unbemerkt in jede unserer hörwilligen Sinneszellen schleichen und machen uns mit dieser intergalaktisch intonierten Art völlig ‘anhörgefügig‘, bis wir voll und ganz Ihren cosmogyralen Kräften ausgeliefert sind! …
Zum Ende des Stücks schieben sich wieder mehr synthetische Töne in den Vordergrund, die Gitarre setzt nur noch kurze Spuren und Spielereien in die aufbrandenden und blubbernden Orbitklänge des Synthies. Das ist Meisterklasse wie es sonst allenfalls beim elektrischen Mond und bei Sula Bassana selbst zelebriert wird! Diese kleine Einfärbung und klangbeseelte Aufwertung ist wohl besonders diesem speziellen Amöbenklangort und allen Beteiligten dieser freakigen Session geschuldet. Wir beide finden diese Annäherung auch gar nicht so schlecht, ganz im Gegenteil! Die unterschiedlichen Einflüsse der Musiker mit 60`s Psychedelic, Trance & GOA, Filmmusik, Space-Rock, Elektronik, Trip-Hop, archaische Musik, fließen ebenso in die Fasern Ihres Klanggemisches mit ein und transportieren das Zone Six Soundgewand noch zusätzlich ins aktuelle Zeitgeschehen. Aus solch edlem Gebräu entsteht dann solch eine „anhörgefügige“ Musik. Irgendwie fast nicht irdisch, aber schwerkraftmäßig umwerfend und gleichzeitig abhebend….. (Charly & Tom)

Geschichtliches: Gründung und erster Gig im September `97, u.a. vier Dates im Januar `98 als Support von Nik Turner (Hawkwind), Hawkfanmeeting `98 + `99 in Harburg, Burg Herzberg Open-Air `98 etc. Wechselnde Mitglieder und Special Guests als Konzept: Jodi Barry als Sängerin auf der ersten CD, Nik Turner und Huw Lloyd-Langton (Hawkwind) live.

Das Album erschien als CD am 1. Mai via „Sulatron Records“.
Das Splatter Farb-Vinyl mit 500 Exemplaren erschien Mitte Mai auf dem britischen Label „Deep Distance Recordings“.

LP

 

 

 

 

Tracklist:
01 – Love Monster [14:54]
02 – The Insight [8:12]
03 – Acidic [7:30]
04 – Cosmogyral [15:18]

Line-up:

Rainer Neeff – Guitar
Komet Lulu – Bass
Martin Schorn (Modulfix) – Synthies
Sula Bassana – Drums

zone-six

 

 

 

 

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