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Ad‘absurdum – Zeitverschoben

Ein Rückblick auf ein sehr gutes Album von 2014

AD-ABSURDUM-Cover(ch) In der Bildungssprache wird die Wortkombination ‘Ad‘absurdum‘ genutzt, um auf die Sinnlosigkeit von einem Sachverhalt hinzuweisen. Aus dem Lateinischen übernommen bedeutet es „zum Sinnlosen“.  Wieso also Instrumente schleppen und hunderte Kilometer fahren, wenn am Schluss nur zehn Nasen vor der Bühne stehen? Wieso zuviel trinken und lange Reisen auf sich nehmen, wenn man Zuhause gemütlich einen Entspannungstee genießen kann? Das scheint ins Ad‘absurdum zu führen. Aber nicht bei dieser Schweizer Band aus Biel mit selbigem Namen. Sie spielen vor besagten zehn Nasen genauso gerne wie auch vor Hunderten und das seit Ihrem Gründungsjahr 1991.

Der experimentelle Charakter spielte immer schon ein sehr große Rolle. So auch in „Zeitverschoben“.
Das Album eröffnet mit „Atomonoton“ in einem abgehackten rhythmischen Puls, baut weiter auf, geht und kommt wieder. Die sich wiederholenden Gitarrenlinien werden unterstützt von Synthesizer-Sounds und lyrischem Gesang, der sowohl eindringlich aber auch gequält wirkt. Die hingeworfene Seltsamkeit macht es eigenartig und interessant, wie ein modernes Schauspiel.

„Phosphor“ kommt im Midtempo mit melodischer Gitarre. Kurz danach kommt der Zug heftiger in Fahrt. Die Gitarren rollen weiterhin im melodischen Ausflug, es wird trippy mit psych-indischen Drone, als kleinen Abstecher in den mystischen Osten. Danach, wie aus dem Nichts, kommt das eindringliche Piano und stößt damit in die dunkle Klanglandschaft ein.
Mit freiem Geklimper leitet es zu „Deep #2“ über, das mit verschachtelten Rhythmen und faszinierenden Klängen geradezu körperlich ist. Die atmosphärische Orgel gibt dem Track eine Art schwebenden und gleitenden Gleichgewichtssinn. Spröde. Gefolterte Gitarren heulen zwischenrein und mit kosmischen Licks sowie dem sporadisch traurigen Gesang endet das Stück in abstrakten Orgel-Akkorden.

Die Stimmung ändert sich in „Sunshine Baby“ und ist, mit dem fernen Gesang, das eingängigste Stück. Es eröffnet akustisch mit gemütlichem Pfeifen. Der Eindruck von Losgelöstsein zieht sich an der Soundstrecke entlang. Synths schneiden durch die Songstrukturen mit vorwärtstreibender Kraft. Die wunderschöne Melodie badet in Melancholie und Hoffnung, so wie es in der Eigenart von „Ad‘absurdum“ sein muß.

Das entschleunigte „Territor“ führt uns wieder in die andere Richtung und ist eine instrumental angetriebene, psych-lastige Folk-Nummer. Die Kombination aus akustischer Gitarre, Flöte, Banjo und Synth kommt in lockerer Spielweise. Das abstrakt-repetitive Stück zählt vier bittersüße- und verträumte Minuten.

Die letzten vier Tracks mit etwas mehr als sieben Minuten beschreiben die Zeitreise von einem Tag, der mit Hausarbeit und Computergefrickel angefüllt, eine Art von Skizzenbuch ist. Leichtfüssige Soundscapes verschmelzen zu einem rhythmischen Muster. Pochende Beats führen zu einer gewissen Anspannung. Der modulierte Gesang zwischendurch wirkt wie ein Monolog in einem luftleeren Raum, der sich in einen Dialog mit sich selbst entwickelt.
Er hinterlässt den Hörer mit einer Art Nervosität, die ihn noch eine Weile begleiten wird – genauso wie das Album, das seinen Höhepunkt in einem explosiven Finale findet. Die Waschmaschine dreht völlig durch, was sich auch im Gesang entlädt.

Diese kreative Band macht ihr eigenes Ding und zieht es durch. Das Album ist vielfältig, experimental und doch zugänglich. Ein spannender Ausflug in die Avantgarde. Sie machen dieser Art von Musik alle Ehre…… (Charly)

Das Album erschien am 1. Mai 2014 via AcousticDesasterRecords auf Vinyl. Eine kleine Stückzahl inklusive Free-CD ist noch zu haben. Die CD Version ist auch separat erhältlich.

Line-up:
Jonas Zumstein – Guitar/Vocals
Thomas Fivian – Guitar/Synth/Perkussion
Christian Jud – Organ/Synth/Piano7Vocals
Marc Schwab – Bass
Andreas Fivian – Drums/Banjo/Perkussion

AdAb-Band

Tracklist:
01 – Atomonoton (3:14)
02 – Phosphor (8:24)
03 – Deep #2 (8:07)
04 – Sunshine Baby (5:58)
05 – Territor (4:00)
06 – A Radiostation In Oslo (2:43)
07 – Everything Is Fine (2:23)
08 – Poppy Seed (1:24)
09 – My Broken Washing Machine (1:44)

Ad‘absurdum – Bandcamp

Diskografie:
1992: Demo – Läbe & Tod
1996: Gewitternachtsklänge
1997: Ad`absurdum
2000: Orbi`Trip
2002: Deep Into The Nowhere
2004: 188
2005: Many Stories One Take and Hail
2009: 1610200733:48
2014: Zeitverschoben
2015: New Way Of Krautrock Vol.2 Compilation

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