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Elbrus – Elbrus

artwork-rgb(js) Australien, Wüsten, Dürre, Elbrus. So oder ähnlich könnte man eine Rezension über den ersten Longplayer der vier Australier (3 Herren plus Dame) beginnen. Und ja, mache ich auch. Die Jungs bieten eine nie langweilig werdende, im musikalisch besten Sinne trocken coole, Mixtur aus Heavy Blues, Psychadelic und Stoner Rock feil. 2015 in Melbourne ins Leben gerufen, gab es schon den ersten musikalischen Output mit einem Song namens „Far Away And Into Space Pt. 2“. Kenntnis genommen von diesem grandiosen Song, war ich leicht verunsichert, weil ich damals natürlich schon wissen wollte, wie „Far Away And Into Space Pt. 1“. klang. Um nach langen Suchen feststellen zu müssen, dass die vier Australier „Part 1“ noch gar nicht veröffentlicht hatten. So sind sie eben.

Und eben dieser besagte 11-Minüter ist natürlich auch Bestandteil des Ende letzten Jahres erschienenen ersten Longplayers. Und deckt fast ein Viertel der Gesamtspielzeit von knapp über 40 Minuten ab. Wir begeben uns innerhalb dieses Tracks auf eine psychedelische Reise, die abwechselnd bluesig daher kommt, um uns dann wieder fuzzige Parts um und auf die Ohren zu knallen. Man fühlt sich fast wie frühmorgens in einer viel zu lauten und stinkigen Melbourner U-Bahn sitzend, deren unterschiedliche menschlichen Mitfahrer während der Fahrt trotzdem zu einer vollkommenen Humaneinheit verschmelzen. Getragen von einer fundamentalen und sehr coolen Bassline, unterstützt von einem kraftvollen wie virtuosen Drumming, erhält die Orgel in diesem Song einen Raum wie in keinem anderen. Dazu liefert jener Organist – wie auch Sänger – Bradley-Smith alle Facetten seiner stimmlichen Künste. Teils atemberaubend wie er, gerade noch ruhig und gefühlvoll singend, sein Spektrum schon in der nächsten Zeile darbietet, in dem er wie ein Verrückter bisweilen auch mal ins Mikro schreit. Der Reise durch diesen grandiosen Song bedarf es sicherlich keiner bewusstseinserweiternder Drogen. Diesen Zweck erfüllt allein die Musik.

Das Album eröffnet jedoch erst einmal „Tall Shadow“. Ein funkelnder und doch zugleich nebliger Ritt ins Blues-Delta. Getragen von wechselnden Vokalharmonien Bradley-Smiths und der Bassistin Mafi Watson, deren fast zerbrechlich, süße Stimme einen tollen Konterpart dazu bietet. „Tall Shadow“ lässt meinen Schaukelstuhl auf der Veranda bisweilen unruhig hin und her wippen, sobald die ruhigen Sequenzen immer wieder ihren musikalischen Wendepunkt im sehr Stoner affinen Refrain finden. Und ich wieder einmal am auf dem Boden platzierten Bourbon vorbei geschaukelt bin.

Es folgt „Break The Machine“, welches auch wieder traditionell bluesig startet und immer wieder von fast schon cool-jazzigen Akkorden des Gitarristen Ringo Camilleri unterstützt wird. Auch dieser Song weist uns den Weg in einen schweren, aufbrausenden Refrain, der sich fast ein wenig in LedZep-Manier erhebt, um sich anschließend wieder in sein ruhiges Mississippi-Fahrwasser zu begeben. Das Lied pendelt kontinuierlich in diesen beiden Elementen, was auch gesanglich wieder großartig unterstützt wird. Genannt werden sollte auch zwingend Gastmusikerin Christi Hodgkins, deren bluesiges Mundharmonikaspiel sich in den letzten zwei Minuten ganz wunderbar mit dem fuzzig gespielten Gitarrensolo ergänzt.

„Eyes Of The Mammal“ startet mit einer sehr funkigen Unterstützung des Delta-Blues‘, bevor auch hier wieder der Weg in den steinigen, staubigen Refrain eingeschlagen wird. Heavy, fast schon doomiges Riffing wird hier perfekt durch druckvolles Drumming und einem fast schon betörend pochendem Bassspiel ergänzt. Gitarrist Camilleri und Sänger/Organist Bradley-Smith bieten auch hier wieder einen superben Mix, der diesen Stoner Groove fast mühelos trägt.

„Far away and into Space Pt. 1“, also der Song, für den ich das www schon auf den Kopf stellte, um letztlich zu erfahren, dass dieser wie erwähnt erst nach Pt. 2 das Licht der Welt blickte, ist ein kleiner, aber gemeiner und vor Allem unterhaltender Instrumentalsong, der quasi als Intro für den anfangs bereits rezensierten Part 2 dient.
Abschließend führt uns „Three Walls“ in den downtempo-Bereich. Jedoch nicht weniger intensiv. Er sucht sich seinen Weg über einen lo-fi doom groove, um in einem stratosphärisch-psychedelisches Gitarren-Finale zu münden. Hier paaren sich der „shoegaze“-Stil und ein „post-grunge“-Refrain auf unterhaltsamste Weise.

Was bleibt festzuhalten? Die Platte ist klasse produziert, jedes Instrument ist für sich gut abgemischt und darf glänzen. Die instrumentale Chemie stimmt zudem und das lässt uns die Band in all den Songs wissen. Vielleicht, und das rein subjektiv, darf es ab und mal ein wenig häufiger aus dem „bluesy verse – stoner chorus“-Rhythmus heraus gehen, aber dies ist bei einem derartigen Debut wohl eher Jammern auf sehr, sehr hohem Niveau. Dieses Debüt ist trotz und alledem „a hell of a fucking ride“ und sollte jedem Stoner und Psychadelic Rock Fan ein Anspielen wert sein. Elbrus ist eine Band, die man absolut im Auge behalten sollte und ich bin mir sicher, dass auch diese australische Band, wie zuvor schon Child, dem deutschen Label „Kozmic Artifactz“ noch gehörig Spaß bereiten werden. Und selbstredend uns als Zuhörer..(jens.S)

Tracklist:

01 Tall Shadow – 05:35
02 Break The Machine – 07:53
03 Eyes Of The Mammal – 05:39
04 Far Away And Into Space, Pt. 1 – 03:33
05 Far Away And Into Space, Pt. 2 – 10:52
06 Three Walls – 05:51

https://www.facebook.com/Elbrus-297945987026928/?fref=ts

https://elbrusmelbourne.bandcamp.com/

Einsortiert unter:60s, 70s, Album Reviews, Blues, Bluesrock, Classic Rock, Heavy, Psychedelic, Rock, Stoner, Vinyl, , ,

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