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Horisont, ’77 und Black Mirrors – Pitcher, 18.03.2017

(js) Multinational ging es im komplett ausverkauften Pitcher in Düsseldorf zu. Bevor die schwedischen Horisont mir endlich mal als Headliner vor die Augen und Ohren kamen, gab es Beschallungen aus Belgien und Spanien.

Der Abend begann für mich mit einer neuen Hoffnung am europäischen Okkult / Rock’n’Roll Himmel. Die mir bis dato unbekannten vier Belgier (Gitarre, Bass, Schlagzeug + Sängerin) namens Black Mirrors sorgten nicht nur für gute Stimmung allein, sondern zogen mich mit ihrem Mix aus doomigen Riffing, einer gehörigen Portion 70ies Hard Rock und eben jenem okkulten Sound, der bisweilen an Jex Thoth erinnerte, komplett in ihren Bann. Sie spielten sechs Songs, darunter ihre komplette, just bei Napalm erschiene, EP. Zudem wagten sie sich an den MC5-Klassiker „Kick Out The Jams“, was bei einer solch jungen Band sicherlich gehörig Selbstvertrauen voraussetzt. Und auch dieser Song, wie auch ihre Eigenkompositionen, begeisterte das rheinische Publikum umgehend. 30 Minuten pure Unterhaltung. Anheim lege ich allen, sich die Mucke der Band mal explizit zu Gemüte zu führen. Ich werde sie definitiv im Auge – und Ohr – behalten. Unschön noch zu erwähnen, dass der jungen Band nach dem Gig Teile Ihres Equipments aus deren Van entwendet wurden. Ärgerlich sowieso! Aber eben gerade für eine so junge Band, die ihre eigene Kohle zusammenschmeißt, um auf private Kosten zu touren.

Im Anschluss daran warteten die Spanier von ’77 auf Einlass. Und auch sie kamen, sahen und siegten. Nur dass hier klar war, was man zu erwarten hatte. Kick-Ass-Rock’n’Roll im Stile der großen australischen Vorbilder AC/DC. Nachdem man im Jahre 2015 einen großen Aderlass zu verzeichnen hatte, weil zwei der vier Gründungsmitglieder der seit 2006 bestehenden Band, eben jene verließen, und die ersten Live-Gigs etwas holprig daher kamen, hat man sich mittlerweile komplett eingespielt. Da ich allerdings den neuen Output der Spanier als nicht wirklich ganz so überzeugend wie die drei vorherigen empfand, war ich sehr froh, dass von den acht dargebotenen Songs nur zwei vom aktuellsten Longplayer „Nothing’s Gonna Stop Us“ stammten.

Insbesondere die alten Klassiker wie „High Decibels“, „We’re ’77“ und vor allem der mir liebste Heavy Blues Track „Stay Away From Water“ bliesen uns gehörig den Marsch. Dass die Jungs generell eine Spielfreude an den Tag legen, die jeden Konzertbesuch ohnehin rechtfertigt, muss ich wohl niemandem sagen, der ’77 bereits mal live gesehen hat. Die „Valeta“-Brüder an den Gitarren sorgten für eine grandiose Stimmung, die ihren Höhepunkt darin fand, dass LG sich die Theke im Pitcher (eine durchaus lange, wenn auch nicht die längste der Welt) zu eigen machte und sie kurzer Hand als Bühne umfunktionierte. Mit dem Rausschmeißer „We Want More Rock’n’Roll“ vom aktuellen Album endeten dann 45 schweißgebadete Minuten. Wobei es durchaus auch 77 hätten sein dürfen. Dieser kleine Unsinn sei mir gestattet.

Nach einer weiteren kurzen Umbaupause erschienen dann die Headliner des Abends. Die schwedischen Horisont, denen das Publikum schnell deutlich machte, weshalb sie heute Abend bereitwillig erschienen. Mit ihrem aktuellen, 2017 erschienenen, Album „About Time“ im Gepäck, begaben sich die fünf Jungs auf ihre erste echte Headliner-Tournee durch Europa. Und schon das aktuelle Album führte konsequent fort, was der Vorgänger „Odyssey“ uns verhieß. Ein wenig fort vom puren 70ies Hard Rock, begab man sich seit jenem Jahr 2015 unter Zuhilfenahme von Keyboard- und Orgelklängen (Sänger Axel Söderberg übernahm diese Aufgabe) auch auf Classic Rock und teils frühe Prog-Rock Pfade wie zB von Kansas, Rush oder auch Magnum vollzogen. Auch Deep Purple Klänge sind durch Alexs Arbeit dem neuen Longplayer zu entnehmen. Da scheint eine Band erwachsener zu werden. Und gibt sich nicht der Gefahr hin, als eine der vielen Retro-Bands, bis zum Sankt Nimmerleins Tag einzig in einem musikalischen Saft schmoren zu wollen.

Insofern sind die fünf Schweden für mich eine der Ausnahmen dieses Genres, von denen ich sagen kann, sie werden besser und besser. Der Fokus lag an diesem Konzertabend dann auch eindeutig auf den beiden aktuellen Alben. Stammten allein neun der fünfzehn gespielten Lieder von den beiden letzten musikalischen Outputs. Es begann mit dem Opener „Point Of Return“, einer Stadionhymne, die schon frühzeitig erkennen lässt, dass man nicht gekommen ist, um Gefangene zu machen. Selbst wenn sich Zuschauer im Pitcher befanden, die Horisont noch nicht in ihr Herz, respektive Ohr, geschlossen haben, sollte sich dies mit „Electrical“, dem zweiten Song, geändert haben. Böse Zungen behaupten vielleicht, dass dieser Song zu mainstreamig daher kommt, macht er jedoch live mit seinem radiokompatiblen Refrain nichts, aber auch gar nichts, falsch. Der Song zündet, der Pitcher bebt. Mit den nächsten Songs greift man auf Altbewährtes der Alben 1 bis 3 zurück, und macht deutlich, dass das Repertoire mittlerweile groß genug ist, einzig „Killer and no Filler“ spielen zu können. Das einzige Manko wird allerdings schnell deutlich – die Bühne ist viel zu klein, so dass die fünf Schweden sich gerade einmal noch so viel Platz verschaffen können, um ihr Instrument zu bedienen. Wer Horisont mal live sah, wird demzufolge ein wenig die Bühnenpräsenz vermisst haben. Aber das kann man ihnen selbstredend nicht zum Vorwurf gereichen.

Mit den folgenden „Boston Gold“, „The Hive“ und dem spacigen Titelstück „About Time“ folgen erneut drei Song aus dem Jahre 2016, die einmal mehr deutlich machen, wie sehr die Schweden ein Händchen für Hooks und Melodien haben, die gleichwohl aber zeitlosen Charakter in sich tragen. Nach „Bad News“, einem coolen und im positiven Sinne einfachen Rocker, folgte dann der vorletzte Song des Abends. Und zugleich mein persönliches Highlight. „Odyssey“, der namensgebende Song des vierten Albums, ist auch live ein Brett. Wahrscheinlich erinnert nicht nur mich „Odyssey“ an Rushs „2112“, wenngleich auch etwas melodiöser, fast schon poppiger, inszeniert. Und es funktioniert ohne Wenn und Aber auch live. Vor allem im Verbund mit Axels unglaublich hoher Stimmlage. Die man natürlich zu nehmen wissen muss. Aber wer dies auf LP ohnehin tut, wird live auch prima damit auskommen. Nach knapp 90 Minuten endet ein großer musikalischer Abend mit dem Song „Nightrider“ vom Debut Horisonts aus dem Jahre 2009. Ein echter Rausschmeißer, der ein letztes Mal den einen oder anderen Besucher über seine Schlaghose stolpernd zur Mucke tanzen lässt.

Was bleibt, war tatsächlich ein gelungener Abend mit einer tollen musikalischen Zusammensetzung. Vielleicht tue ich ’77und Horisont Unrecht, wenn ich konstatiere, dass Black Mirrors für mich die Gewinner des Abends waren. Wobei dies auch Unsinn ist, weil dort, wo es keine Verlierer gibt, eigentlich auch kein Sieger sein kann. Sagen wir es anders: die Belgier waren für mich die größte Überraschung des Abends. Nicht nur, weil ich Horisont sowie auch ’77, bereits mehrfach live bewundern durfte, sondern vielmehr und vor Allem, weil sie einen großartigen musikalischen Mix schon mit ihren jungen Lenzen sehr professionell und überzeugend darbrachten. Und wer als derart junge Band die Traute hat, so mirnixdirnix „Kick Out The Jams“ zu covern, ohne sich blamieren, strotzt eben nicht nur vor Selbstvertrauen, sondern eben auch Qualität….(jensS)

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