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Earth Witch – Out Of The Shallow

(js) Sie selbst bezeichnen sich als Doom Blues Trio. Stammen aus Champaign in Illinois, klingen aber eher nach wohltemperiertem Bier, als nach unsäglichem Schaumwein. Mit ihrem just erschienen Langspiel-Debut (anno 2013 erschien schon eine 5-Track-EP) erinnern sie ein wenig an Sleep oder High On Fire; aber vor allem an The Sword im ganz frühen Bandstadium. Die Jungs riffen sich durch die neun Songs und stellen dabei unter Beweis, dass ein musikalisches Konglomerat aus Blueswurzeln und doomigem Metal weitaus besser schmeckt als Fritten mit Rosenkohl. Wobei ohnehin Rosenkohl für mich den Stellenwert besitzt, den ich Axl Rose als Sänger von AC/DC zusprechen würde. Aber das ist ohnehin Zukunftsmusik, wer käme schon auf solch eine krankhafte Idee!?

Aber flugs zurück zu unseren amerikanischen Freunden. Die Songs sprengen ihre Riffs geradezu in unsere Schädel und schütteln sie ordentlich durch. So gewaltsam, dass man mit der aus dem Headbanging gewonnenen Energie fast schon eine Kleinstadt versorgen könnte. Dieses Album trägt viele Gütesiegel eines klassischen Stoner-Metallalbums: Riffs, die sich weniger wie Liedstrukturen als eine Reise von einem Ende des Kontinents zum anderen anfühlen und ein Bassspiel, welches deutlich hörbar den fuzzig-verzerrten Sound begleitet. Der Gesang kommt einer hoch oben auf einem aktiven Vulkan gehaltenen Predigt nahe, die lauschende Gemeinde anhaltend, sich ihrer Sünden zu bekennen, der Entzückungen zu entsagen und sie allesamt in die Feuergruben der Hölle zu verdammen.

Die Songs sind einfach, aber effektiv, wenn du etwas suchst um ordentlich abzurocken. Eine perfekte Mischung aus Stoner, klassischem Metal und der notwendigen Heaviness. Der Opener „Guts“ erinnert mich nur allzu sehr an die Zeit, als „The Sword“ noch ordentlich Ärsche abspielten. Die gleiche Tonlage und das gleiche Riffing sind erkennbar. „Lovecraft“ kommt eine tobenden Furie nahe, die partout nicht besänftigt werden will. Das sich anschließende „Starfighter“ ist ein Uptempo Headbanger samt eines ausgereiften, doomigen Abgangs. Diese ersten drei Lieder sind unbarmherzig, schlagen dir Riff um Riff um die Lauscher und machen sicherlich keine Gefangenen. Gut so.

Durch die Tiefen dieser musikalischen Finsternis steigt dann „Butterfly“ empor. Fast schon melancholisch beginnt der Brutstatus dieses Schmetterlings. Ein grandioser Song, der ein wenig verschachtelt ist. Fast schon wie Kapitel in einem Roman erzählt man uns die Geschichte der Gewissenserforschung, die Suche nach dem Anschein der Wahrheit, einem Machtkampf und schlussendlich der Wut des Protagonisten infolge seiner unbefriedigten Suche. Endend in seinem persönlichen Untergang. Für mich ein musikalisches Highlight dieses Albums.

„Riff Rider“ befördert uns wieder konsequent nach vorn, wohingegen „Green Touch“ trotz hörbarer Zurückhaltung trotz und alledem durch meine Anlage tollt. „Mermaid“ ist der nächste Uptempo-Reißer. Mit dem der Band ihren Namen gebenden Titelsong, der noch einmal herrlich, vor Selbstvertrauen strotzend, die riffig-doomigen Muskeln zeigt, endet ein Debut, welches mir unglaublich viel Lust auf mehr bereitete.

„Earth Witch“ präsentieren der lechzenden Musikwelt ein Stück güldenes Stoner Metal Ideal. Anstatt über beunruhigende Liebesdramen zu schwafeln, geleiten uns die drei jungen Amerikaner in ein nur allzu magisches Szenario, in dem uns riffgebende Gitarren in eine Welt von schlafenden Drachen und Zauberern entführen. Die dargebotene Dunkelheit führt uns in eine Zeit, die von Zaubersprüchen und um Recht und Rache kämpfende Wikinger beherrscht wird. Durch diese Finsternis dieser zeitgeschichtlichen Periode führen uns „Earth Witch“ allerdings auch wieder zurück ins Licht. Und auch für die Band selbst dürfte die musikalische Zukunft erleuchten, wenn‘s nach mir ginge.

„No filler, just killer“ steht für dieses Album und dabei werden uns ordentlich Riffs vor und um die Ohren katapultiert. Die Produktion ist rau und gleichermaßen angenehm. Der Sound ist heavy, irgendwie sexy und lässt mich erahnen, dass dies exakt das Album ist, welches die drei zu kreieren gedachten. Für mich, der bei Bandcamp eher zufällig über „Earth Witch“ stolperte, ist diese phonetische Breitseite ein absolut gelungenes Debut. Und bis dato eins der besten Album im Jahre 2017. Aber macht euch selbst ein Ohr, die Jungs haben’s verdient…(js)

Songlist:

01. Guts 02:59

02. Starfighter 04:57

03. Lovecraft 03:45

04. Butterfly 06:04

05. Riff Rider 04:29

06. Green Touch 03:27

07. Mermaid 04:29

08. Pilgrim 04:30

09. Earth Witch 06:26

https://www.facebook.com/earthwitch420/?fref=ts
https://earthwitch.bandcamp.com/

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