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Troubled Horse – Revolution On Repeat

(js) Bereits 2003 gründete sich die „Pferde-Crew“ in Örebro, der Heimatstadt auch Witchcrafts. Nicht zufällig entsprangen deswegen auch drei „Horse“-Gründungsmitglieder dem originalen „Witchcraft“-Lineup. Nach einer EP im Jahre 2010 debütierten sie dann im Jahre 2012 mit ihrem ersten Longplayer namens „Step Inside“. Insbesondere der Song „Bring My Horses Home“ ließ mich flugs zu einem Fan der vier Schweden werden. Das Debut offenbarte eine Band, die überhaupt kein Interesse zeigte, sich irgendwelchen musikalischen Strömungen oder Trends auch nur ansatzweise anzupassen. Garage Rock paarte sich ganz wunderbar mit psychedelischen Parts und einem „doom-meets-soul riffing“.

Nunmehr fünf Jahre nach dem Debut will man uns also erneut musikalisch bereichern. Leider – und dies ist ja nun einmal für schwedische Bands nicht ungewöhnlich – mit einem fast komplett neuem Lineup. Die dortige Musikerfluktuation ist schon sehr hoch. Sänger und Bandleader Martin Heppech hat nunmehr drei neue Musiker um sich geschart, wird aber immer noch nicht müde zu betonen, dass man sich auch heute nicht einzig einem Musikgenre unterstellt sieht. Vielmehr erlauben sich die Vier, sich von vielen verschiedenen Musikarten inspirieren zu lassen, diese Ideen zu vermengen, um daraus letztlich den „Troubled Horse“-Sound zu generieren. Ihm, Martin, schwebte immer ein spezieller „Horse“-Sound vor. Dies führte dann wohl auch dazu, dass er bei der Auswahl der Lieder durchaus mal diktatorische Züge an den Tag legte. Grundsätzlich aber sei es allen Vieren egal, ob man nun in der sog. exklusiven „Retro Rock Community“, die gern mal bestimmt, was cool und einzig wahr ist, ankommt oder nicht. „Wenn wir mal einen Mix aus Doom, Punk und Country machen wollen, tun wir das“ stellt Heppich unmissverständlich klar.

Was bedeutet dies nun aber für uns Hörerschaft bezogen auf den neuen Output? Bezogen auf den Albumtitel „Revolution On Repeat“ ist dies so gemeint, dass auch heutzutage frustrierte und enttäuschte Menschen aufbegehren, sich aber letztlich gesellschaftlich und politisch doch nicht viel ändert. Es wird eben jede Revolution irgendwann einmal wieder auf „repeat“ gestellt. Martin lässt es am aktuellen System der Demokratie zweifeln und vieles lässt seiner Meinung nach darüber hinaus befürchten, dass ein neuerlicher Aufstand darin münden wird, dass wir dummen und egoistischen Erdenbürger uns womöglich wieder einem verdorbenen Führer zuwenden. Wir haben es bei Bandleader Heppech offensichtlich mit einem sehr gesellschaftspolitischen Mann zu tun, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Klasse.

Rein musikalisch ist der Weg etwas metallischer und auch progressiver geworden, ohne nun die leicht psychedelisch angehauchten Garage Rock-Wurzeln aufzugeben. Man kann bisweilen sogar „NWOBHM“-Elemente erkennen. Der Opener „Hurricane“ ist im Grunde nichts anderes, als ein gelungener Blitzstart ins Album. Das „Heavy Riffing“ lässt schon deutlich durchblicken, dass man auf dem zweiten Album etwas härter daher kommt. Es ist griffiger und spült eine echte „fuck it all“-Attitüde an Land. “Which Way To The Mob” ist ummantelt von einem lizzyesken Riffing und besticht wie fast alle Songs durch den eindringlichen, etwas aggressiveren Gesang Heppechs. „Peasants“ folgt dann in einer Blues-Manier der sehr frühen „Rolling Stones“-Tage. Begleitet vom Honky Tonk Piano trägt dieser Song einen unglaublichen Groove in sich.

„The Haunted“ ist ein leicht psychedelisch angehauchter Doom-Kracher. Vielleicht sogar eine Verbeugung vor „Witchcraft“. Nahezu an die 7 Minuten-Marke anklopfend endet mein persönliches Albumhighlight in einem wunderschön traurigen Gitarrenschluchzen à là Jimmy Page. Das sich anschließende „Desperation“ besticht durch eine für dieses Album ungeöhnliche Seite, die wir an Sänger Martin kennlernen dürfen. Nie zuvor habe ich ihn derart leidenschaftlich und clean wie in diesem Song singen hören. Der Track beginnt zunächst recht ruhig, bis das erste verboten lasziv aus dem Ärmel geschüttelte Riff den Dynamikfaktor ordentlich ankurbelt.

Auch im “Track 7” sind „Troubled Horse“ weiterhin on fire und erlauben es mir nicht einmal ansatzweise, mich über einen musikalischen Fehltritt auf diesem Longplayer auszulassen. Das für mich zweite Highlight ist das sich anschließende Warren Zevon Cover “ My Shit’s Fucked Up“. Man muss dazu vielleicht wissen, dass Zevon diesen Song schrieb kurz nachdem er die Diagnose „inoperables Mesotheliom“ (eine Form von Lungenkrebs) mit einer damit einhergehenden Lebenserwartung von noch knapp 3 Monaten erhielt. Seinen bekannten Zynismus ließ er natürlich auch in dieses Lied mit einfließen. TH beginnen ihr Cover fast schon in einer westernmäßig ruhigen Art und Weise und steigern sich peu à peu durch ein exzellentes Drumming, schön sperrige Bassläufe und die eigentliche Melodie des Originals nicht verlassende Leads in ein großartiges, fast schon ungezügeltes, Finale.

„Let Bastards Know“ ist ein daher galoppierendes Pferd im musikalischen NWOBHM-Gewand. Positiv angriffslustig werden neuerlich Ärsche getreten, bevor mit „Bleeding“ dann der letzte Song des Albums, ein elfminütiger Koloss, ansteht. Teils akustisch begleitet und mit Geigen-Unterstützung versehen, bietet dieses Opus einen nur allzu angemessenen Abschluss einer höchst gelungenen Platte. Auch in diesem Song vereinen sich einmal mehr diverse Steigerungsläufe, ohne aber dass dieser so unruhig würde, wie manch anderer auf dem Album zuvor. Hier vereinen sich fast balladeske Töne, griffige Gitarrensoli und ein charismatischer Gesang in einer wunderbaren Art und Weise.

„Trouble Horse“ haben mit diesem Zweitwerk eine sehr explosive Mischung aus ihrem altbewährten Garage Rock, 70er Hard Rock und 80er Metal-Elementen geschaffen. Bei mir bedurfte es mehrerer Durchläufe, bis wirklich jeder Song zündete. Was jetzt vielleicht negativ klingt, ist aber genau gegenteilig gemeint. Mir hat es unglaublichen Spaß bereitet, mich tatsächlich fern populärer Songstrukturen zu bewegen und den musikalischen Kern der neuen TH für mich zu entdecken. Stets inspiriert, leidenschaftlich und ab und an unbarmherzig haben die vier Schweden eine fette, musikalische Narbe im Gesicht des „Hard Rock“ hinterlassen. Verbunden mit diesem Enthusiasmus wäre es nun noch ganz großartig, wenn die Band dazu überginge, künftig – im Schnitt – uns nicht nur alle sieben Jahre mit einem neuen Rohling zu beglücken.

 

Tracklist (Gesamtspielzeit: 47:59):
01. Hurricane
02. The Filthy Ones
03. Which Way To The Mob
04. Peasants
05. The Haunted
06. Desperation
07. Track 7
08. My Shit’s Fucked Up
09. Let Bastards Know
10. Bleeding

 

https://www.facebook.com/troubledhorse/?ref=br_rs

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