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Tyler Leads – Stay Ugly

(js) „Support your local band“ – eine Devise, die ich in diesem Falle nur allzu gerne unterstütze. Es begab sich Mitte 2015, als vier Jungs aus Recklinghausen (alle mittlerweile um die 24 Jahre alt), auszogen, um gemeinsam ihrer Passion nachzukommen. Der Musik. Begonnen hat es damit, dass man, damals noch in zwei verschiedenen Bands unterwegs, zwei Proberäume nebeneinander nutzte. Glücklich aber wurden alle nicht, weil man sich doch in beiden Combos mehr Professionalität wünschte. So entschieden sich Johnny Kovacs (voc), Freddy Kovacs (gui), Julius Keller (bs), Soyan Osman (gui) und Christian „Patta“ Paternoga, (dr) die sich allesamt bereits aus gemeinsamen Schultagen kannten, fortan gemeinsam zu musizieren. Schnell waren die ersten sechs Songs im Kasten und man fand in Recklinghausen die Möglichkeit, diese auch in einem Live-Set im Januar 2016 erstmals vor Publikum darzubieten.

Heute, nur knapp 1 ½ Jahre später, blickt man schon zurück auf zwei erfolgreiche Teilnahmen in deutschlandweiten Nachwuchswettbewerben, eine 3-Track-Demo CD, Auftritte im legendären Siegener Vortex, Opener-Shows für „Dead Lord“ oder „Thundermother“ und last but not least einen unglaublichen Gig auf dem „Hellfest 2016“ im französischen Clisson. Letzteres war ein Ertrag aus der erfolgreichen Teilnahme an einem der beiden Band-Contests. Seit Ende Juli anno 2017 sind sie nun mit ihrer ersten EP am Start. „Stay Ugly“ heißt sie und bietet gehörig Arbeit für die Ohren. Arschtretender Rock’n’Roll mit klassischen Hard Rock und auch zunehmend mehr Stoner-Rock Elementen.

Ohne Gefangene machen zu wollen, geht’s mit „Call Of The Wild“ sofort los. Mit dem Song also, zu dem die Band auch ihren ersten Videoclip produzierte. Ein echter „Hard Rock’n’Roll“ Song, der uns gehörig die Gehörgänge freizuspülen gedenkt. Schöne Hookline, Johnnys Gesang mal dem Songtitel entsprechend wild und dann wieder eher moderat erklingend, treibende Gitarren – also all das, was einen guten Stadionrocksong ausmacht. Schnell, kraftvoll und ohne überflüssige Schnörkel geht‘s weiter mit „Dreameater“, welches zudem deutlich macht, dass es kein Zufall ist, dass die fünf Jungs unter anderem auch „Crobot“ und „Motorjesus“ zu ihren musikalischen Vorlieben zählen. Stoner-Elemente paaren sich ganz wunderbar mit denen des klassischen Hard Rock und der Refrain lädt ein, ihn nicht ganz so schnell aus dem Kopf zu bekommen.

Mit „Lady In Green“ wird dann erstmalig ein wenig die musikalische Reißleine gezogen. Im positiven Sinne. Stampfend, mit einer hörbaren Affinität zum Southern Rock, in einer fast spielerisch dargebotenen Art und Weise werden wir durch die nächsten knapp fünf Minuten geleitet. Nahezu einzig durch ein druckvolles Gitarrensolo unterbrochen, gefällt der Song durch eine warme Melodieführung und eine für die Band fast schon balladeske Struktur. Sänger Johnny beweist hier zudem die verschiedenen Facetten seines Organs. „Lynyrd Skynyrd“ typische Gitarrenlaute begrüßen uns im Anschluss zu „Undesired Numb“. Nach knapp einer Minute Spieldauer wirft man die ruhige Einleitung des Liedes über Bord und leitet das Durchtreten des Gaspedales mit einer feinen Bassline ein. Man spürt deutlich, dass sich die Jungs auf diesem Uptempolevel ungleich wohler fühlen. Was aber weder Alleinstellungsmerkmal ihrer EP ist, noch einen qualitativen Unterschied im Vergleich zu ruhigeren Parts mit sich bringt.

Dreckig, staubig und steinig empfängt uns „The Witch“. Die wohltuende Prise Stonerriffing zeigt deutlich den Weg, den die junge Band auch künftig einzuschlagen gedenkt. Für mich der stärkste Song auf dem Minialbum. Ein klasse Gitarrengroove, dynamisches Bassspiel und das treibende Schlagwerk runden einen Sound ab, der mich hier und da an die junge Stonerrock-Phase der „Alabama Thunderpussy“ erinnert. Viel passender kann man nach diesen staubigen Klängen ein wohltemperiertes Kaltgetränk sicherlich nicht öffnen und verzehren. Fast schon ein wenig in Speedmetal-Manier à la „Enforcer“ oder „Skull Fist“ geleiten uns „Tyler Leads“ in den letzten und sechsten Song der EP namens „Electric Wasteland“. Die druckvoll gespielten Strophen münden in einem Refrain, der sicherlich ebenso den Skynyrds zupass kommen würde. Auch hier spielen die Jungs also mit den Musikgenres, ohne dabei aber den Eindruck zu hinterlassen, es handele sich um intonierte Flickschusterei. Exakt das Gegenteil ist der Fall. Fließend gehen die Parts ineinander über und lassen nicht ansatzweise das Gefühl aufkommen, hier wäre etwas nicht stimmig. So dynamisch wie der Track begann, so sanft klingt er fast schon aus. „A capella“-Gesang, der einzig vom leisen Beckenspiel unterstützt wird, beschließt ein rundum gelungenes Debut.

„Tyler Leads“ überzeugen mich mit geradlinigem Hard Rock, der sich ganz und gar nicht scheut, Elemente vielerlei Genres zusammenzufügen. Bezogen auf das Alter der Jungs, sowie eben auch der Band an sich, bieten sie uns schon jetzt interessante Songstrukturen, die sie mit großartiger Musik ausfüllen. Die EP ist druckvoll, authentisch und mit einem wuchtigen Sound versehen produziert und hat seine Daseinsberechtigung in einer verrauchten Spelunke ebenso wie in einem ausverkauften Club oder auch als Begleitmusik im Auto. Und getreu dem Bandmotto „Stay Ugly“ (ebenso EP-Titel) ist es zudem die perfekte Beschallung zum Grillen auf weiter Flur im „Asilook“ samt Pornosonnenbrille. Ein perfekter Soundtrack eben zum Mitgrooven und Bier verspritzen. Wer all dem so überhaupt nicht abgeneigt ist, dem lege ich diese kurze Langrille wärmstens ans Herz. Reinhören, wohlfühlen.

Zu sehen sind die Jungs in naher Zukunft wie folgt:

18. August (Fr. 18.00 Uhr) – „Kanalfest Datteln“
08. September (Fr. 18.00 Uhr) – „Essen Original“, Ruhrchartsbühne Radio Essen
22. Oktober (So. 19.00 Uhr) – „Rotten And Poor Stage Kill Festival“, MTC Köln

 

Tracklist:

1. Call Of The Wild (03:41)
2. Dreameater (04:01)
3. Lady In Green (04:47)
4. Undesired Numb (05:44)
5. Witch (05:23)
6. Electric Wasteland (03:53)

 


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