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The Black Angels – Death Song

(ThoSie) Da ist es also, das neue Album der fünf Texaner, die für mich zu den spannendsten Bands dieses Jahrtausends zählen. Angefangen in 2004 lässt die Band nun in ihrem unverkennlichen Stil mit Einflüssen aus den 60ern, (Stichwort The 13th Floor Elevators), aber auch schwerem Fuzz und einer konstant mitschwingenden Bedrohlichkeit im Sound ihr fünftes Studioalbum das Licht der Welt erblicken.
Das wurde auch höchste Zeit, ist das letzte Album „Indigo Meadow“ bereits 2013 erschienen. Immerhin wurde dem ungeduldigen Fan die Wartezeit mit der 2014 erschienenen EP „Clear Lake Forest“ versüßt. Außerdem organisieren die Bandmitglieder mit der „Reverberation Appreciation Society” das alljährliche Austin Psych Fest (mittlerweile in LEVITATION umbenannt), um mit anderen Menschen ihre Vision eines Festivals umzusetzen. Man möge ihnen also die Durststrecke nachsehen!

Der Opener der Platte, „Currency”, stellt auch direkt die Weichen Richtung Kapitalismuskritik und Bedeutungslosigkeit des monetären Systems. Die Band sorgt dabei mit ihrem typischen Groove aus bedrohlichen Westerngitarren, einer groovigen Fusion aus Bass und Schlagzeug und einer Vielfältigkeit im Sound für einen Einstieg in die Platte, der Lust auf mehr macht! Bei den Tracks „I’d Kill For Her“ und „Hunt Me Down” bleibt die Band ihrem Sound treu und führt genau diesen Groove fort – geht direkt ins Gehör. Gefällt!

„Half Believing“ ist die erste Ballade auf dem Album und etwas poppig geraten. Dazu tendieren die Texaner seit ihrem dritten Album „Passover“. Von der Songstruktur her leider sehr dürftig, entwickeln sich die anfangs noch sachten Gitarren zum Ende des Stückes hin aber zu einem verträumten Post-Rock-Sound, eine überraschende aber durchaus stimmige Entwicklung. An den Rhythmus des vorigen Songs knüpft „Comanche Moon” an, gibt aber von anfang an mehr Gas, um dann in eine sphärische Strophe überzugehen. Sehr angenehmer und stimmiger Kontrast, am Ende wartet dann noch ein starkes Finish. Das Gespür für die richtige Dosis an psychedelischen Elementen und groovigen Riffs haben die Texaner schon auf ihrem ersten Album bewiesen.
„Grab as much as you can“ beginnt mit einer super groovige Bassline – das wars dann aber auch!
Der Bass wird vom Rest der Instrumente nicht supported und so wirkt das ganze Ding nicht gänzlich durchdacht. Zum Ende hin fangen sich die Black Angels wieder, das habe ich aber von den Amerikanern schon wesentlich besser gehört. Der Eindruck setzt sich leider auch beim folgenden Song „Estimate“ fort. Der Song ist zu monoton und schafft es nicht, eine packende Atmosphäre zu erzeugen. Das liegt auch an den verwendeten Harmonien, die man so schon zig mal gehört hat. „I dreamt“ fängt schön dissonant an, hier passt das Zusammenspiel von den Saiteninstrumenten im Gegensatz zu „Grab as much as you can” hervorragend. Sowas hätte ich mir auf dieser Platte schon früher gewünscht! Definitiv eins meiner Highlights. An dieses Niveau schließt auch „Medicine“an.
Der Drumbeat ist ähnlich technoid wie Föllakzoid oder NEU!, mit dem Einfluss der 60er Jahre ergibt das eine sehr interessante Mischung, die Orgel zaubert einem ein Grinsen ins Gesicht. Super Track!
Das Intro zur psychedelischen Schlussphase des Albums bildet der „Death March”. Der Anfang erinnert mich stark an Vibravoid, was vor allem am Halleffekt des Sängers Alex Maas liegen dürfte.
Allerdings hat man auch hier wieder den Eindruck, dass die Idee nicht konsequent zu Ende gedachtwurde.
Den Raußschmeisser spielt „Life Song“, mit über sechseinhalb Minuten der längste Song auf dem Album. Haben die Texaner in Vergangenheit bewiesen, auch lange psychedelische Songs schreiben zu können (erwähnt sei hier das grandiose „Snake in the Grass“ mit einer Spielzeit von über 15 Minuten), wirkt der „Life Song“ lediglich wie ein gut gemeinter Versuch an den alten Psychedelic- Vibe ranzukommen. Schwere Orgelparts untermauern das seichte Gitarrenriff, welches leider nicht stark genug ist, um einen ganzen Song alleine zu tragen. „I’m dying to say / I owe you, I’ll see you on the other side“ schließt das Album dann lyrisch ab.
Im Endeffekt fasst der letzte Song die ganze Platte zusammen: immer noch der typische texanischpsychedelische Sound, der diese Band so unverwechselbar macht, aber nicht abwechslungsreich genug und daher ausbaufähig. Hat man auf früheren Platten immer etwas Neues gehört, fällt die Ausbeute davon bei „Death Song“ leider sehr gering aus. Sehr Schade, da ich mich nach dem
Vorgänger „Indigo Meadow“ (2013) schon auf neues Material gefreut hatte. Maas beschreibt in einem Interview, dass sich die Art und Weise, wie sie Songs schreiben, im Laufe der Zeit verändert habe. Waren es früher eher Jams aus denen dann ein Song entstanden ist, läuft das Songschreiben heute nicht mehr so spontan ab. Vielleicht sollten sich die Texaner überlegen, wieder zu ihren Wurzeln zurückzukehren.
Allen in Allem bleibt „The Death Song” ein solides Album und ich werde definitv auf der diesjährigen Tour dabei sein!….(ThoSie)

The Death Song:
01. Currency
02. I’d Kill For Her
03. Half Believing
04. Comanche Moon
05. Hunt Me Down
06. Grab as Much (as you can)
07. Estimate
08. I Dreamt
09. Medicine
10. Death March
11. Life Song

Total: 48:50
Release: 21.04.2017

The Black Angels are:
Stephanie Bailey – drums, percussion, bass
Christian Bland – guitar, vocals, bass, drums
Alex Maas – vocals, bass, guitar, keyboards
Kyle Hunt – keyboards, percussion, bass, guitar
Jake Garcia – guitar, bass, vocals

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