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Svartanatt – Starry Eagle Eye

(js) Schweden besitzt bekanntlich einen schier unendlichen Fundus an Bands, die den 60ern und 70ern musikalisch frönen. In diese lange Schlange reihten sich 2016 auch erstmalig „Svartanatt“ ein. Mit ihrem gleichnamigen Debut machten sie mit klassischem Orgelrock und einer wundervollen Mixtur aus locker-rockigen 70ies Sommersound und teils sphärisch psychedelischen Klängen von sich reden. Nun, zwei lange Jahre später, gibt’s den Nachfolger. Der im Wesentlichen den erfolgreichen Weg weitergeht, gleichwohl aber auch eine ganz neue Note in sich birgt. Nämlich eine recht proggige. Annäherungen an die recht frühen Pink Floyd sind in einigen Songs nahezu greifbar. Aber der Reihe nach.

Svartanatt stammen aus Stockholm und spielen von Anbeginn an in derselben Besetzung. Nämlich mit Jani Lehtinen (Vocals/Guitar), Felix Gåsste (Guitar), Mattias Holmström (Bass), Daniel Heaster (Drums) und Martin Borgh (Organ). Und exakt diese Kombination ergibt eine großartige Melange der 60ies und 70ies. Sogar das neue Albumcover-Artwork wirkt wie just den Siebzigern entsprungen. Ein wunderbar gezeichneter Adler samt dieser berühmt-berüchtigt geschwungenen Lettern, die man von vielen Covern unterschiedlicher Psych-Bands kennt.

Und nun stellt euch einfach vor, ihr reist durch eine andere Dimension. Eine Reise in ein fantastisches Land, dessen Grenzen einzig deiner eigenen musikalischen Phantasie entsprungen sind. Stellt euch weiterhin vor „Thin Lizzy“ hätten Jon Lord gebeten, bei ihnen mitzuspielen. Stellt euch den genialen Roky Erickson vor, Pink Floyd und meinetwegen den superben Arthur Brown als Leadsänger von Sabbath. So in etwa sollte der Weg gepflastert sein, der uns zu diesem schwedischen Quintett führt. Einer Band, die den 60ern huldigt und doch eine Resonanz und Wucht in sich birgt, die den Anfängen des Hard Rock und des späteren Proto Metal problemlos gerecht wird.

„Children of Revival“ eröffnet das Album mit einem gefälligen Beat und einer genialen Hookline. „Straight out, straight out … we are the children of revival“. Wunderschöner Opener, der in einigen Instrumentalsequenzen mich ansatzweise auch an Claptons „Layla“ erinnert. Die „guitar-bridge“ in diesem Song sollte zudem jeden Zuhörer schleunigst animieren, sich spontan seine Air Guitar umzuschnallen und mitzurocken. „Wrong Side Of Town“ trägt „Thin Lizzys The boys are back in town“ zurück in die 60er Jahre und läutet ein wahrhaft melodiös-rockiges Feuerwerk ein. Und versohlt uns dabei derart exzellent unsere Hintern, dass wir uns letztlich vor Augen führen sollten, dass all dies „in the name of rock“ geschieht. Ja geschehen muss! „Duffer“ ist ein musikalischer Koloss, in dem eine gewaltige psychedelische Mutterlast Einzug hält. Für mich ist diese Symbiose aus bisweilen spacigen Instrumentalklängen und einer so fantastischen Hookline gänsehauterzeugend. Catchy track!

„Wolf Blues“ kommt als Rockballade daher, die zwischen melancholischen Instrumentals und einem kernigen Sound während der Strophe geradezu majestätisch balanciert. Mit dem wiederholt gesungenen „dream on“ vermittelt dieser Song ein unglaublich verträumtes Gefühl inmitten der zahlreichen Arpeggios. Es endet in einem großartigen Gitarren-Shred, der jedem Song jede nur vorstellbare Art von Sinn ergeben kann. Gleichzeitig stellt dieser Song einen gelungenen Übergang zum recht speedigen „Hit Him Down“ dar. Dieser Song ist bereits im September 2017 als erste Single ausgekoppelt worden und erwies sich damals schon als perfekte Wahl. Dieser Cocktail aus sabbathesken Klängen und einer brachialen Wucht von „MC5“ ist der Inbegriff des Soundtracks jeden Fiebertraumes. Prächtig, elegant und krachend zugleich.

„Universe of“ erinnert mich in seinem Aufbau sehr stark an Damon Fox‘ Projekt „BigElf“. „Beatles“-Melodie, ein hoher Anteil ProgRock, welcher just „Jeff Wayne’s Musical Version of the War of the Worlds“ entsprungen sein konnte und all das finalisiert in einem von Lehtinens rauer Stimme einmal mehr wunderbar gekrächztem Refrain und einem orgastischen Orgelsolo. Mit dem Southern Rock affinen „Black Heart“, welches in sich eine Punkseele trägt, die insbesondere im und um den Refrain um Freigang bittet, endet das Zweitwerk der Schweden. Ein letztes gnadenlos schnelles Riffing, quasi umarmt von Borghs spacigem Orgelspiel, welches einmal mehr Jon Lord im Hier und Jetzt vermuten lässt. Einfach wunderbar.

„Svartanatt“ bieten auf „Starry Eagle Eye“ einen wunderbaren 70ies Heavy Rock, der sich nicht zu schade ist mal hippiesk, mal recht proggig daher zu kommen. Diese Musik ist authentisch, zeitlos und vor Allem niemals langatmig. Exzellente Gitarrenarbeit, ein stets treibender Bass, dynamisches Drumming, Lord’sches Orgelspiel und zu guter Letzt diese famose Stimme haben Sorge getragen, dass bei mir diese Scheibe über das Maß des Gewohnheitshörens längst hinaus ist und den Status „Dauerrotation“ für sich beansprucht hat. Diese gefühlvolle, nostalgische Reise zurück in die Zeit um Woodstock ließ zumindest bei mir keinen Fuß stillstehen und keinen Nacken tatenlos. Mehr davon, bitte!….(JensS)

Tracklist:

1. The Children of Revival
2. Wrong Side of Town
3. Starry Eagle Eye
4. Duffer
5. Wolf Blues
6. Hit Him Down
7. Universe Of
8. The Lonesome Ranger
9. Black Heart

https://www.facebook.com/svartanatt/
https://www.svartanatt.com/

 

Filed under: 60s, 70s, Album Reviews, Classic Rock, Heavy, Prog, Proto-Metal, Psychedelic, ,

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