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Eastfilly Fest das Dritte – 21.07.2018

(pmck) Trotz drohendem Regenwetter…..schön war es am Samstag in Ostfildern. Am 21. Juli fand im Zentrum Zinsholz die dritte Edition des Eastfilly Fests statt. Sechs Bands, ein brillantes Orga Team, ein unvergleichliches Bandcatering und eine super Venue. Das Zentrum Zinsholz hat als kulturelles Zentrum eine Indoor Bühne, Techniker, eine Bar und einen super Backstage Bereich. Außerdem einen großen Außenbereich mit gemütlicher Wiese, der im Fall vom Regen einfach mit Pavillons bestückt wird. Und es gibt ein Grasbett! Also, wirklich ein Bett aus Gras. Es ist genau so gemütlich und weich wie man sich das vorstellt. Wer hauptsächlich hinter dem Ganzen steckt? Die sympatischen Jungs von der Psych Band Bees Made Honey In The Vein Tree aus Ostfildern. Ich habe mit Marc Dreher gesprochen, Schlagzeuger der Band und Head of Organisation. Ein Auszug: „2016 war die erste Edition, Rotor hat als Headliner gespielt… wobei 2015 alles angefangen hat. Ich habe nach dem Abitur mein FSJ im Zentrum Zinsholz gemacht. Da habe ich in der Organisation von Events gearbeitet: soziale und pädagogische Veranstaltungen, kleine Konzerte, Poetry Slams und so weiter. Im Zentrum gab es zu dieser Zeit eine Veranstaltung der Stadt Ostfildern: das Jugendforum. Dort wurden Jugendliche eingeladen, ihre Ideen zu neuen kulturellen Veranstaltungen in der Region darzulegen. Ich habe mich während der Arbeit dazu gesetzt. Meine Idee war, im Zinsholz ein richtiges Musikfestival der Underground Szene zu machen. Die Idee kam recht gut an. „Infrastruktur und Veranstaltungsteam waren bereits vorhanden und wir haben von der Stadt sogar finanzielle Unterstützung bekommen“, erinnert sich Marc. Außer dem Veranstaltungsteam des Zinsholz Zentrums war Bees Made Honey In The Vein Tree auch sofort dabei. Dazu kam noch die Eastfilly Crew, eine Skater Gruppe aus Ostfildern. Sie veranstalten Skate Contests in der Nähe des Zentrums und waren gleich von der Idee begeistert und zum Helfen bereit.

Bei den ersten beiden Malen veranstalteten Bees Made Honey In The Vein Tree nicht nur sondern sind auch aufgetreten. „Das kann teilweise sehr stressig sein. Die Anspannung der Organisation plus die Anspannung eines Auftritts wollten wir dieses Jahr dann nicht haben“, erzählt Marc. „Alles in allem ist es sehr schön zu sehen, wie so eine Veranstaltung wächst. Wir haben eine klare Aufgabenteilung und die Helfer sind mittlerweile gut routiniert. Wir haben ein richtiges Stammpublikum und das Festival läuft immer mindestens gut.“ Letztendlich kennt kaum einer Ostfildern oder das Zentrum Zinsholz, es sei denn man kommt daher. Darum spielt beim Eastfilly Fest die Line Up Konzeption eine große Rolle: ein, zwei große, überregionale Headliner – Rotor, bei der zweiten Edition Mother Engine und Glowsun und beim dritten Mal Dopelord – die Leute aus ganz Baden-Württemberg nach Ostfildern zieht. Dazu wird ein regionales Bandprogramm aufgestellt. Support your locals! – das darf bei kleineren Festivals nicht fehlen. Außerdem erklärt Marc: „Wir wollen nicht von der ersten bis zur sechsten Band den gleichen Sound haben. Das Programm soll abwechslungsreich gestaltet sein. Eine gute Mischung aus Psychedelic, Stoner, Doom und Sludge soll den Abend ausmachen.“ Und genau diese Wellen der Stimmungen haben sie in der dritten Edition mit den Genres der Bands gut hingekriegt. Gespielt haben: die Stoner Rock Band The Trona Experience aus Stuttgart, die Sludger Doggod aus Tübingen, die ebenfalls aus Stuttgart kommende 70’s Space Rock Band [ELARA], Camel Driver mit ihrem Intrumental Prog Rock aus Kiel, die massiven, doomigen Dopelords aus Warschau und last but not least die Ulmer Band Pub Cerenkov mit ihrem saftigen Heavy Psych.

Pünktlich um 17 Uhr standen die 4 Jungs von The Trona Experience auf der Bühne. Nico am Schlagzeug, Dani am Bass, Niki an der Gitarre, Andy an Gitarre und Vox. Dass sie dieses Jahr auf dem Eastfilly spielen war eine nette Überraschung – eigentlich hätten sie am selben Tag einen Einzelgig in Stuttgart gehabt, doch die Veranstalter entschlossen sich, keine Veranstaltungskonkurrenz aufzubauen – und Trona zum Eastfilly einzuladen. In der ersten Festival Edition hatten sie auch gespielt – und ihr Auftritt war einer meiner Favoriten. Damals waren sie mit ihrem ersten Album auf der Bühne, „White Universe“ von 2014: hochkarätiger instrumentaler Psych Stoner Rock. Es liegen Welten von Genres zwischen ihrem ersten und zweiten Album. Denn Andy kam dazu und seitdem haben sie auch Gesang miteingebaut und sind insgesamt rockiger geworden. Auch wenn ich Instrumental liebe und eigentlich immer präferiere, finde ich das neue Album sehr gut und muss einfach sagen, Andy hat eine Hammer Stimme. Auf dem Eastfilly haben sie einen guten Mix von 4 Liedern aus „White Universe“ und dem neuen Album „Helios + Selene“ gespielt. Angefangen und abgeschlossen haben sie mit ihren instrumentalen Oldies. Eine trippige, atmosphärische und gleich-auf-die-Fresse Einführung, gefolgt von Andys verführerischen Stimme bei „Selene“ – mein Favorit aus dem neuen Album mit Ohrwurm Potenzial – und „There is No Drama“. Abgeschlossen haben sie hart und heavy mit dem ersten Song aus ihrem Debüt – „Diamond“ ist perfekt zum abdriften und auch zum Auto fahren.

Es ging dreckig weiter mit Sludge aus dem Süden Deutschlands: Doggod wollte ich schon seit einer Weile live erleben. Zugegeben: Sludge ist nicht mein Lieblingsgenre. Jedoch die Technik und Aggressivität, mit der die vier Tübinger praktisch ihre zwei Alben runter gebrettert haben, war höchst überzeugend und hat super Stimmung gemacht. Der Raum war nach ihrem Konzert mit Melancholie und Rage erfüllt. Tiefer, drückender Basssound. Lieblingssong: „The Night is Over“.

[ELARA] war als dritte Band eine mehr als positive Überraschung. 70’s Psych und Progressive á la Pink Floyd zum Verlieben. Zehn-Minuten-plus Lieder, schöne lange Gitarrensolis, gefühlsüberladene Stimme. Und die Jungs sind straight as hell! Erster Favorit des Abends. Am Bass und Vox Daniel, an der Gitarre Felix und am Schlagzeug Martin. Die instrumentalen Parts fand ich wirklich eins A. Und auch wenn ich finde, sie hätten länger spielen können, muss ich gestehen, dass ich eine Schwäche für singende Bassisten habe. Angefangen und abgeschlossen haben sie mit Songs von ihrem neuen und noch nicht veröffentlichten Album. In der Mitte brachten sie Tracks aus dem ersten Album, meinen neuen Lieblingssong haben sie auch gespielt – hört mal „Harmonia“ beim Sonnenuntergang aufm Land, und ich kann Freudentränen garantieren.

Die Coverart von Camel Driver kennt mittlerweile Jeder. Ein verschobenes Kamelgesicht mit Flieger Sonnenbrille in einer psychedelischen Wüste. Wiederum eine positive Überraschung. Die drei Kieler machen sehr a-rhytmischen und abwechlungsreichen Prog Rock und Proto Metal, der wahrlich verrückt macht. Drei ganz frische Songs der neuen, noch nicht veröffentlichten Platte hatten sie auf ihrer Setliste, sonst spielten sie Tracks aus dem bekannten alten Album. Was ich gerne mal hätte: einen Gig, auf dem Camel Driver die guten Elder supporten. Sie würden sich meines Erachtens nach sehr gut ergänzen. Christoph am Bass, Lutz an der Gitarre, Alex an den Drums. Lieblingsstück: Megalith.

Dopeloooooord! Ja, was für ein dicker Headliner. Die Warschauer haben sich mittlerweile mit Recht in der Doom Szene etabliert. Aus der Heimat von Belzebong und Weedpecker, sie sind kalt, fies und aggressiv. Eine wahre Wall Of Sound haben die vier Jungs in 75 Minuten Stage Time aufgebaut. Grzegorz an der Gitarre, Piotr am Bass, Pawel an Vox und Gitarre, Tomasz am Schlagzeug. Geiler Doom Rock zum Kopf hängen und Aggressionen rauslassen. Dopelord enttäuscht nie ihre Fans, jede Veröffentlichung ist noch besser als die Vorherige. Das neue Album ist keine Ausnahme, und hauptsächlich dieses haben sie auf dem Eastfilly präsentiert. Drückender Bass, straightes Schlagzeug, überwältigende Riffs und sehr starke Stimme vervollständigen die dunkle Atmosphäre, wo jedes Instrument ihren Platz gut kennt und nichts überflüssig scheint. „Children of Haze“ vom gleichnamigen Album war mein Favorit. Ein Hoch auf das Eastfilly Fest für diesen Hauptakt!

Letztendlich kam Pub Cerenkov auf die Bühne für die After Show Party. Skurriler Name und junge, haarige Dudes, von denen ich mittlerweile jeden Song in- und auswendig kenne. So ist es, wenn man in drei Jahren kaum ein Konzert verpasst. Die feinen Heavy Psychedelic Newcomer aus Ulm machen seit 2015 Musik und es hat sich in der Zeit viel verändert. Ihr Sound wird immer verrückter. Am Anfang haben sie kurze Psych Stoner Songs gemacht, heute meistern sie knapp 30 Minuten lange musikalische Reisen, die Zuhörer einmal ins Weltall und zurück schicken. Ihre Jams, die sogenannten „Nightsessions“ live und raw direkt aus dem Proberaum, sind mittlerweile legendär – und bis jetzt leider das Einzige, was es online zu Hören gibt. Wiederholung ist bei den Ulmern der Schlüssel zum Erfolg. Pub Cerenkov sind Poli an der Gitarre, Matthis mit trippigen Vox und Gitarre, Flafi am straighten Schlagzeug und Rafi am wummernden Bass. Angefangen haben sie auf dem Eastfilly mit „Hypnotic Pentatonic“, inspiriert von der in den Seventies bekannten US-amerikanischen Drag Queen Divine – ja, ihr habt euch nicht verlesen. Eine Heavy Psych Band, die ihre Inspiration auch mal von Disco kriegt. Weiter ging es mit „Purple Mountain“, ein richtiger Oldie des Ulmer Quartetts. Danach kam „Lowland Hills“ mit viel und catchy Gesang. „Das Beste kommt zum Schluss“ und bei ihrem Auftritt war es nicht anders: knapp 30 Minuten geht der aufwändige Song „Pillow King“, der mittlerweile ein Highlight ihrer Auftritte ist. Jede Passage ist Gold wert, die Bassriffs sind pure Magie, die Labyrinth Parts nehmen einen in einer wahren Reise durch ein Heavy Psychedelic Wunderland mit. Wenn man denkt es kann nicht krasser werden kommt das lange aufbauende und immer schneller werdende „Pillow King“ Outro, das keine HiTech DJ Wünsche übrig lässt. Ein besserer Abschluss des Festivals wäre kaum vorstellbar.

Das Eastfilly ist mir ans Herz gewachsen – ein kleines und feines DIY Festival, von lieben Menschen für liebe Menschen gemacht. Außerordentlich empfehlenswert, und bei jedem Wetter sehr angenehm. Danke Marc, danke Bees Made Honey In The Vein Tree, danke Zentrum Zinsholz und den Skatern der Eastfilly Crew. Nicht zu vergessen: ein hoch auf Oliver Cordes, Benny Wächter und Marvin Hoffmann, die ihren Job als Sound- und Lichttechniker mehr als gemeistert haben. Wiederholungspotenzial? Auf jeden Fall. Nächstes Jahr bereits im Festival Kalender eingetragen…..(pearlmckurdy)

alle Photos © Lucas Weber

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