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Maat Lander – Seasons of Space – Book #2

(as) Ilja Lipkin und die Fedotov-Brüder haben anscheinend einen regelrechten Lauf, denn was Veröffentlichungen neuer Musik angeht, lassen sich „Maat Lander“ seit ihrer Gründung vor nur wenigen Jahren nie allzu lang bitten. Die Qualität des jeweils Gebotenen bleibt bestechend, wobei auch „Seasons of Space – Book #2“ keine Ausnahme bildet.

Das Material wurde im Laufe der Jahre 2016 und ’17 in zwei verschiedenen Studios aufgenommen, wobei Lipkin für Mix, Mastering und Booklet-Design verantwortlich zeichnete. Es handelt sich um das insgesamt schon dritte Album der Russen und den zweiten Teil der Reihe, die ihm seinen Namen gibt; „Seasons of Space“ spinnt also den Faden der in „Book #1“ begonnenen Geschichte um den fiktiven Kosmonauten Maat Lander weiter. Dieser löst seinen Blick von der Weite des Alls, um ihn nach innen zu richten und sich selbst zu schrumpfen, auf dass sich ihm die Welt in anderer Weise offenbart … Selbstverständlich geht bei dieser „Reise ins Ich“ einiges schief, und das drückt sich in einmal mehr äußerst farbenfroher Musik aus.

Psychedelischen Rock mit proggigen Ambitionen, krautiger Schrulligkeit und der grenzenlosen Attitüde des Jazz bekommt man selten auf so hohem Niveau serviert wie aus Russland – siehe „The Re-Stoned“ und „Vespero“ -, und vor diesem Hintergrund erscheint auch „Seasons of Space – Book #2“ wie eine Demonstration dessen, wozu die Szene im Osten in der Lage ist. „Realm Of The Firelimbies“ gleitet von einem Sequencer-Motiv getragen ins Weltall ab, doch wo es schlichtere Gemüter bei monotonem Gedudel belassen, ufert dieser Album-Opener zu einem gezielten Gitarren-Freakout aus, der das Feld für alles weitere zu bestellen scheint.

„There, Where The Crystal Image Of The Whole Space Dwells“ bewegt sich im Anschluss nahe an das Terrain der mittleren „Pink Floyd“, komplett mit David-Gilmour-verdächtigen Leads, und selbst beim fast zehnminütigen „Meteors Serenade“ trügt der Berliner-Schule-Schein, denn die Nummer entwickelt besonders gegen Ende beachtenswerte Härtegrade, was sie zu einem dramatischen Höhepunkt macht.

Bei diesem einen bleibt es jedoch nicht. „Quantum Ballad“ kommt dem Entwurf einer klassischen Ballade tatsächlich so nahe, wie es „Maat Lander“ bisher nie gewesen sind, wohingegen „Space Scum“ zwischen härterem Rock und federleichten Grooves pendelt, die fast schon etwas von Dub bzw. Reggae haben (was übrigens auch auf den zweiten Bonustrack des Albums zutrifft). Dies ergibt angesichts des Umstands, dass sich verwandte Acts wie die Briten „Ozric Tentacles“ von jeher auf dieses Genre beziehen, allerdings eine Menge Sinn.

Ob und wie die beiden exklusiven CD-Stücke zum Schluss im Kontext des Narrativs stehen, diese Frage kann nur die Band selbst beantworten. Auf den fünften Teil der Sequenz „Galaxy ‚Passage“ scheint diese zumindest zuzutreffen, während das Finale „The Asteroid of Living Machinery“ diese Vermutung nur anhand seiner Benennung zulässt. Unabhängig von der zugrunde liegenden Story lässt sich die wie immer wunderschön anzusehende Platte wahlweise auch als vertonter LSD-Trip begreifen, wenngleich dieser besonders intensiv sein muss, wenn man die Wucht zum Maßstab heranzieht, die „Maat Lander“ zuweilen erzeugen. Kurzum: wieder mal ein tolles Stück Musik, „from Russia with love“.

Clostridium

http://www.maatlander.bandcamp.com

56:22

Arkadij Fedotov (b, keys)

Ilja Lipkin (g, keys)

Ivan Fedotov (d)

Realm Of The Firelimbies

There, Where The Crystal Image Of The Whole Space Dwells

Galaxy Passage #4

Meteors Serenade

Klaus, I’m Lost Among the Moleculs

Quantum Ballad

Space Scum

Galaxy Passage #5 (Bonus)

The Asteroid of Living Machinery (Bonus)

Filed under: Album Reviews, Art-Rock, Hardrock, Heavy, Jazz, Krautrock, Prog, Rock,

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Clostridium Labelnight Vol.1 in der Pauluskirche Dortmund am 13.04.19

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