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The Devil And The Almighty Blues – Tre

(js) Rein numerisch haben die 5 Osloer ohnehin alles richtig gemacht. Bleiben mit der Veröffentlichung ihrer Alben im 2-Jahres-Rhythmus und nennen ihren dritten Longplayer „Tre“. Wobei man einschränkender Weise sagen muss, dass im norwegischen „Tre“ nicht nur für drei, sondern auch für Baum steht. Und dies funktioniert als Reminiszenz an ihren eigenen erdigen, naturbewachsenen Sound allemal. Ohnehin zeigt sich auch auf „Tre“ einmal mehr, wozu ein Konglomerat aus der Stille und Melancholie norwegischer Fjorde sowie den archaischen Klängen des Mississippi-Deltas fähig sein kann.

Auch wenn die Band sich ihren Überraschungsfaktor längst nicht mehr auf die eigenen Fahnen schreiben darf, zaubert ihre phonetische Mixtur aus beseeltem Blues und schwerem Stoner Rock ein erneutes Lächeln in mein Gesicht. Melancholisch, bisweilen finster und episch zugleich verzaubern mich die Jungs um den charismatischen Sänger Arndt Olaf Andersen einmal mehr. 50 Minuten Spielzeit bei gerade einmal fünf Liedern zeigt deutlich, dass TDATAB ihre Faszination für ausschweifende, überlange Tracks nicht verloren haben.

Gesagt, getan, hauen uns die Norweger mit „Salt The Earth“ umgehend einen Zwölfminüter um und auf die Ohren. Ein tiefer, eröffnender Basslauf scheint uns geradezu ein „hey, hier bin ich wieder. Sei ehrlich, du hast mich vermisst“ entgegen zu tönen. Nicht lang lassen sich Petter Svee und Torgeir Waldemar Engen bitten, um das Bassriff mit ihren hypnotischen Gitarrenläufen zu unterstützen. Ohnehin ist dieser Sound, der nicht unwesentlich auf diesen zwei dominierenden E-Gitarren basiert, zum echten Wiedererkennungsmerkmal geworden. Dabei treten sie teils ergänzend und dann wiederum sich beinahe duellierend auf. Um letztlich aber immer ein gemeinsames musikalisches Ziel zu verfolgen. Nach knapp der Hälfte des Liedes wird noch einmal entschleunigt, ohne dass dadurch ein spürbarer Bruch entsteht. Es wirkt dabei jederzeit komplex, wohl strukturiert und durchdacht. Ohnehin ist gerade dies eine der großen Qualitäten der Band. Und hört euch nur mal das Ende mit den an „Thin Lizzy“ erinnernden Twin-Leads an.

Mit einem mehrstimmigen Frauengesang werden wir direkt in „One for Sorrow“ geleitet. Fast spirituell, gelegentlich begleitet von Gospelklängen und exotischer Percussion, bietet dies eine faszinierende Ummantelung eines eigentlichen „Southern Rock“ Tracks. „Lay Down“ ist ein wahres, eingängiges „Groove-Monster“ im Classic Rock Stil, ohne dabei aber in zu austauschbare Muster zu verfallen. Durch den Reverb-Effekt auf den Lead-Vocals entsteht ein tolles Raumgefühl, welches durch das instrumentale Spannungsbild der Rhythmusfraktion perfektioniert wird. Zum Ende hin wird dieser kraftvolle Groove durch die Gitarren-Leads unterbrochen, um in einem sehr emotionalen Solo und einem letzten Refrain zu münden.

Das achtminütige „Heart Of The Mountain“ nimmt ganze fünf Minuten Anlauf, bis aus dem düster-doomigen Track ein wahrer Rocker wird. Hierbei überzeugt einmal mehr die Kombination aus sperrigen Parts, hier beinahe jazzig, und einem uns stetig begleitenden melodischen Grundgerüst. Das druckvolle Gitarrensolo führt uns letztlich in ein wunderbares Crescendo. „No Man’s Land“ liefert uns den vorletzten Track. Nach einem infektiösen Groove-Intro bewegt sich der Track geradewegs in einen treibenden Rock’n’Roll-Rhythmus, der immer wieder von hallenden Gitarrenakkorden unterbrochen wird. Dadurch entsteht ein Rockabilly-Feeling, welches sich aber nie von den Stoner-Rock Einflüssen lossagen will.

Ohne Wenn und Aber liefern TDATAB abschließend mit „Time Ruins Everything“ noch einmal ordentlich ab. Der sicherlich aggressivste Song des Albums verpaart eine wunderbar eingängige Melodie mit einem arschtretenden Rhythmus, dass es eine wahre Freude ist. Insbesondere, weil das norwegische Quintett dabei geradezu spielerisch in der Lage ist, gegen jeden Kommerz zu spielen. Das ausgedehnte Finale mitsamt seiner Riffgewitter lässt einen Rezensenten geradezu hypnotisch freudestrahlend zurück.

Stark vom Delta-Blues inspiriert scheinen sich „The Devil And The Almighty Blues“ einst exakt an der Weggabelung musikalisch zusammen gefunden haben, an dem Robert Johnson in den 1930er Jahren seine Seele an den Teufel verkauft haben soll. TDATAB schaffen es dabei wie keine Zweiten, sich Rock-Genres vom Punk bis Garage-Rock, vom Heavy Psych bis Southern Sludge untertan zu machen, ohne dabei die „Muddy Roots“ des Blues aus den Augen zu verlieren. Nie vorhersehbar und immer ohne jede Scheu vor Experimenten ist dies wohl die wesentliche Eigenschaft des norwegischen Quintetts, um auch auf ihrem dritten Album so vital und unverbraucht zu klingen. Es ist sicherlich schwierig, die Alben von „The Devil And The Almighty Blues“ zu vergleichen, wenn sie allesamt eine so hochwertige Benchmark aufweisen können, aber „Tre“ ist allemal eine weitere fantastische Ergänzung des bisherigen Repertoires der Norweger. Es mag für Blues-Puristen bisweilen zu sperrig sein, für mich gibt es aber nicht ansatzweise eine Band, der es gelingt die Tradition mit der Moderne musikalisch so kongenial zu verquicken.

Deshalb stellt sich auch gar nicht erst die Frage, ob sich dieses Album am Jahresende in meinen persönlichen „Top 5“ des laufenden Jahres wiederfinden wird…..(jenss)

Tracklist:

01. Salt The Earth
02. One For Sorrow
03. Lay Down
04. Heart Of The Mountain
05. No Man`s Land
06. Time Ruins Everything

„The Devil And The Almighty Blues“ European Tour:

28.04 – DE- Hamburg – Knust Hamburg – w/Stoned Jesus
29.04 – NL – Groningen – Vera Groningen – w/Stoned Jesus
30.04 – DE – Dresden – Beatpol – w/Stoned Jesus
01.05 – DE – München – Feierwerk – w/Earthless
02.05 – DE – Wiesbaden – Schlachthof Wiesbaden – w/Earthless
03.05 – DE – Berlin – DesertFest Berlin
04.05 – NL – Nijmegen – Sonic Whip 2019
05.05 – UK – London – Desertfest London
06.05 – FR – Paris – Petit Bain w/Colour Haze
08.05 – AT – Wien – ARENA WIEN
09.05 – AT – Salzburg – Rockhouse Salzburg
10.05 – DE – Stuttgart- Universum w/Colour Haze
11.05 – DE – Cologne – Club Volta

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