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Interview mit Tyler Dingvell (Leadsänger von „Great Electric Quest“):

(js) Auf dem „Freak Valley Festival 2019“ lieferten die Jungs von „Great Electric Quest“ aus San Diego den eindeutigen Beweis, dass dieses Festival durchaus auch „Heavy Metal“-Töne vertragen kann. Mit einer unglaublich dynamischen Show spielten sich die Amerikaner in die Herzen und Ohren des begeisterten Publikums. Zu Recht, denn „Great Electric Quest“ sind die Art von Band, in die man sich zwingend verlieben muss. Sie leben den „Rock’n’Roll“ und sie lieben ihn in jeder Sekunde davon. Tut euch selbst einen Gefallen und verliert diesen von den vier Südkaliforniern so ansteckend vorgelebten „Spirit“ nie aus den Augen. Freundlicherweise stand Leadsänger Tyler Dingvell uns für ein Interview zur Verfügung und sprach mit uns über die Band, das Tourleben, Bier und Trump. Viel Schbass!

Vielen Dank erst einmal, dass du dir Zeit für uns nimmst, Tyler.

Natürlich Mann, sehr gerne für die „Freaks of Freak Valley“. Dieses Festival ist im Übrigen ein ganz besonderes! Was war das für ein Spaß!

Eure Band existiert schon seit 2010, was hier vielleicht die wenigsten wissen. Erzähl uns ein wenig über euren Werdegang.

Na ja, genau, seit 2010. Das ist lange her, haha. Es ist für uns allerdings ein ganz besonderes Projekt, eine echte Herzensangelegenheit. Wir waren damals noch keine erfahrenen Musiker, die mit anderen Bands tourten oder Alben in voller Länge herausbrachten. Aber jeder Musiker hat eben auch eine Band, mit der er seine erste Tournee gemacht oder sein erstes Album eingespielt hat. Und für uns alle war es „Great Electric Quest“. In den letzten fast 10 Jahren war die Band für uns eine echte Konstante. Umso erstaunlicher deshalb jetzt auch, gemeinsam international zu touren und mehrere Alben über Plattenlabels herausgebracht zu haben. Es war für uns ein recht langsamer Start, während dem wir erst einmal lernen mussten, wie man überhaupt ein Album herausbringt. Zudem tourten wir die ersten 4 bis 5 Jahre gar nicht. Erst in den letzten Jahren liefen wir auf Hochtouren und waren während dieses Prozesses aufgeregter und begeisterter als je zuvor. Neues Material zu schreiben und aufzunehmen und auch zu touren. Ich denke, es ist wie ein aus „Rock’n’Roll“ bestehender Düsenjet. Es braucht etwas Zeit und Kraftstoff, um es in Gang zu bringen, aber sobald man die Flughöhe erreicht hat, gibt man Gas.

Ihr stammt aus San Diego, dem südlichen Kalifornien. Gibt’s dort überhaupt eine nennenswerte Heavy Metal-Szene?

San Diego ist ein Schmelztiegel für großartigen „Rock’n’Roll“. Die „Heavy“-Musik- und „PsychRock“-Szene ist riesig. Man denke nur an „Earthless“ und „Scacri Monti“, „Loom“, „Monarch“, „Volcano“, „Pharlee“ und natürlich die mächtigen „Red Wizard“! Es gibt hier so viel Musik und verrückte Musiker. Man kann dort zu einer Show oder auf eine Party gehen und dann bis in die frühen Morgenstunden mit dutzenden lokalen Musikern jammen, bis es kracht.

Wie ich weiß, verbringt ihr mittlerweile sehr viel Zeit auf Tour. Wie wichtig ist diese Zeit für euch? Als Band an sich, für den Werdegang der Band oder auch für euch als Persönlichkeit.

Das ist eine hervorragende Frage. „Great Electric Quest“ ist eine große Familie. Wir wären am liebsten die ganze Zeit auf Tour und wünschten uns, für die ganze Welt zu spielen. Jared Bliss, Mucho, Buddy Donner, seine Frau Karube Donner und ich. Wir wissen, dass wir unterwegs sein müssen, um unsere Musik mit allen „Rock’n’Rollern“ auf der ganzen Welt zu teilen. Und fühlen uns genau in dieser Umgebung wohl. Wir werden es wohl tun, bis wir alle unter der Erde sind. Das ist exakt der Weg, den wir gewählt haben und freuen uns, diese Erfahrung mit den Rockern auf der ganzen Welt teilen zu dürfen.

Ihr kommt gerade von einem mehrwöchigen Trip aus Europa zurück. Habt ihr schon alle Eindrücke verarbeitet?

Es war tatsächlich eine 56-tägige Tour durch 11 Länder, haha. Die erstaunliche Güte und Freundlichkeit, die uns in Europa entgegen gebracht wurde, hat definitiv unsere Herzen höher schlagen lassen. Aufgrund der Vielzahl an unglaublichen Erlebnissen und Erfahrungen während dieser Tour wird es noch viele Monate benötigen, um sie vollumfänglich zu verarbeiten. Diese einmalige Gelegenheit mit so vielen klugen, talentierten und gutherzigen Menschen in ganz Europa zusammenzuarbeiten, war für uns inspirierend und tiefgreifend zugleich. Das Kennenlernen verschiedener Lebensweisen und auch Glaubenssysteme eröffnete mir auch eine komplett neue Perspektive, die ich wohl nur auf Reisen außerhalb der USA finden konnte.

Meines Wissens war es euer erster Übersee Trip.

Ja, wir waren das erste Mal in Übersee. Und – wie schon erwähnt – gab es so dermaßen viele Eindrücke, dass es schwierig wäre, sie alle aufzulisten. Aber ein wichtiger Aspekt ist die kulturelle Reife in ganz Europa und die Fähigkeit, die einzigartigen Kulturen genauso zu sehen und zu akzeptieren. Momentan scheint es ja so, als ob wir in Amerika gerade herausfinden müssen, dass unsere Regierung und unsere Unternehmen ihren Menschen nicht wirklich dienen. In Europa scheint man diesbezüglich weiter zu sein, was den Menschen dort zu einem anderen, einem gegenseitigen Verständnis verhilft. Dies scheint die Gesellschaft weitaus mehr zu vereinen. Unser Land befindet sich in einer schrecklichen Zeit der Polarität und Entzweiung.

USA und Europa trennen sicherlich noch andere Dinge. Zum Beispiel das Bier (haha). Wie war das für euch, wie war vor allem das deutsche Bier?

Der Name unserer Tour hieß ja „Beer Wars“, haha. Amerikanisches Bier steckt momentan in dieser IPA-Begeisterung fest, die ich so gar nicht ausstehen kann. Super alkoholisch und super hopfig. Gar nicht meins. Das belgische Bier war mein Favorit, aber das deutsche Bier kam direkt danach. Genüsslich, voller Geschmack und großartig, um den Durst zu stillen. Mein Instagram-Nick lautet im Übrigen „@Beer_Viking“ – das zeigt, dass ich ein großer Fan von Bier und „Rock’n’Roll“ bin, ebenso wie die Deutschen!

Gibt‘s eigentlich generelle Unterschiede zwischen nordamerikanischen und europäischen Metalheads?

„Metalheads“ leben immer für ihre Musik. Es scheint dabei wirklich völlig egal zu sein, wo du gerade bist. Ich habe sie überall als cool und einladend erlebt. Wenn sie es nicht wären, dann wären sie eben auch nicht wirklich „Metal“! Denn was uns alle verbindet, ist doch ein und dasselbe. „HAIL METAL“ !

Wie speziell war das „Freak Valley Festival“ für euch? (dort habe ich euch das erste Mal live sehen dürfen)?

„Freak Valley“ war tatsächlich unglaublich speziell für uns. Und es gab dort ehrlich gesagt die beste Stimmung, die ich je auf einem Festival erlebt habe. Wir haben ein paar Mal „Psycho Las Vegas“ gespielt und dieses Festival ist auch fantastisch, aber es ist eben etwas anderes als „Freak Valley“. Es ist auf dem FVF wie eine gigantische Party mit knapp 3000 Leuten, die sich alle zu kennen scheinen. Fast mehr ein großes Familientreffen als ein Musikfestival. Die Freundlichkeit, Gastfreundschaft und positive Stimmung, die uns dort von jeder einzelnen Person entgegen gebracht wurde, war etwas ganz Besonderes. Ich möchte fortan jedes Jahr dort sein – und zwar für immer! (lacht)

Wie kam der Kontakt überhaupt zu Stande?

Jens (Jens Heide, Veranstalter des FVF, Anm. des Verfassers) ist eine Legende. Das ist fast schon Alles, was es dazu zu sagen gibt. Wir sind wohl seit ungefähr 4 Jahren auf dem Radar und mit „Wo Fat“, „Mothership“ und einer Menge anderer Bands, die das Festival bereits spielten, gut befreundet. Es war wohl nur eine Frage der Zeit. Todd von unserem Label „Ripple Records“ gab uns auch einen Gruß an Jens mit auf den Weg. Möglicherweise wird es ja auch bald ein Album namens „Great Electric Quest – Live At Freak Valley“ geben.

Als ich euch auf dem „Freak Valley“ live gesehen habe, war mein erster Eindruck: Wow, diese Jungs lieben, was sie tun. Korrekt?

Das ist ein großartiger erster Eindruck, danke schön! JA, WIR LIEBEN ZU SPIELEN! Es ist das, worauf wir uns im Leben konzentrieren. Und wenn man etwas tun darf, was man liebt und worauf man sich fokussiert, manifestiert sich dies in etwas Besonderem. Unsere Live-Auftritte waren schon immer das, wofür wir bekannt waren. Sie scheinen immer verrückter zu werden. Unser Gitarrist Buddy hat sogar eine verrückte Maske, die er manchmal trägt, aber diese durften wir auf unserer Reise nicht mit ins Flugzeug nehmen. Grundsätzlich aber spielen wir tatsächlich jeden Gig, als wäre es eine Show, die gerade vor 50.000 Menschen stattfindet.

Ich weiß aus Gesprächen mit europäischen Bands, dass viele Musiker davon nicht leben können und einen „anständigen“ Beruf nebenher haben. Wie sieht‘s diesbezüglich bei euch aus?

Es ist das, was „AC/DC“ immer zu sagen pflegen: „It’s a long way to the top if you wanna rock and roll!“ Wir verdienen natürlich auch auf anderem Wege das Geld, um unsere Musik und die Reisen um die Welt zu finanzieren Und wenn die Rockgötter uns Zeit geben zu glänzen und sie es irgendwann einmal wirklich wollen, dann werden wir da sein. Wir spielen „Rock’n’Roll“ der Arbeiterklasse und es ist doch nichts Falsches daran, die ganze Woche über hart zu arbeiten, um dann am Wochenende deine Freunde und Brüder zu umarmen, und gemeinsam das Leben bei guter Musik zu feiern.

Ihr habt mittlerweile 2 Longplayer veröffentlicht. Seht ihr die Albentitel „Chapter 1“ und „Chapter 2“ aus als Kapitel eurer musikalischen Entwicklung als Band? Oder eher als Fortsetzung einer Geschichte, die ihr uns erzählen wollt?

Es ist ganz einfach eine kontinuierliche Reise oder ein Abenteuer, genau wie das Leben. Es gibt in unseren Songs so viele verschiedene Charaktere und Geschichten, die auf unterschiedliche Weise interagieren. Die Idee war, dass all das sich mal wie ein episches Buch entfaltet. Und wir sind erst im 2. Kapitel angekommen, also bleibt bloß dran! Die Parallelen des Lebens und die Geschichten von „Great Electric Quest“ sind endlos.

Was sind eure Zukunftspläne? Kapitel 3 wahrscheinlich.

Ja, Kapitel 3 entwickelt sich gut. Dazu weitere europäische Touren, Australien und schließlich auch nach Japan. Wir wollen auf unserer Reise auch weiterhin positiv verrückte Leute auf der ganzen Welt kennenlernen.

Kurz noch einmal zurück zum 3. Kapitel .Welche Prozesse gibt’s bei der Entstehung eines neuen Albums?

Bei unserem Schreibprozess geht es eigentlich nur darum, ein gutes Gefühl in Gang zu bringen und dieses Gefühl dann fortzusetzen und kreativ auszunutzen. Wir haben „Camp Outs“ in unserem Studio und jammen bis in die frühen Morgenstunden. Im Grunde tragen wir alle zum Songwriting bei. Wobei hauptsächlich ich die Texte schreibe, aber auch das eben nicht ganz allein.

Ich selbst bin mit der „New Wave Of British Heavy Metal“ groß geworden. Inwieweit seht ihr diese Bands als wichtigen Einfluss für eure Musik?

Diese Bands haben einen großen Einfluss. Wir tragen irgendwie aber alle unsere einzigartigen Einflüsse mit in die Band. Und das ist auch gut so, weil es dadurch noch spannender wird Aber traditioneller „Heavy Metal“ war schon immer ein Haupteinfluss für „The Quest“. Dann gibt’s auch noch Einflüsse von „Pink Floyd“, „Guns’n‘Roses“, „Thin Lizzy“ oder auch „Steely Dan“ Einfach zu viele, um sie alle aufzulisten. Ich persönlich mag beispielsweise schwedische Bands wie „Horisont, „Graveyard“ oder „Saturn“.

Momentan scheint es bei euch stetig bergauf zu gehen. Wohl verdient wie ich finde. Wie kommt ihr mit dem Druck klar, dass die Erwartungen der Fans nun größer werden könnten? Aber auch eure eigenen.

Wir haben tatsächlich einen sehr großen Schritt gemacht, aber der Fokus liegt trotzdem immer nur auf dem nächsten kleinen Schritt. Ganz ehrlich, genau das sind wir einfach allen Rockern schuldig, die unsere Musik lieben und es genießen, uns beim Spielen zuzusehen. Wir alle sind doch Teil desselben Stammes und brauchen jeden, um etwas zu tun, das eine Person allein ohnehin nicht schaffen kann. Es gibt natürlich etwas Druck, aber das ist auch gut so. Die Verantwortung, immer besser zu werden, ist Part unserer Philosophie. Wir alle sind es uns schuldig, immerzu das Beste aus uns herauszuholen.

Ist es schwierig für euch bei dem Erfolg, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben?

Nur wenn wir im Flugzeug sitzen.(lacht). „Rock’n’Roll“ ist für uns alle ein bescheidenes Geschäft und es gibt keinerlei Raum für Ego-getriebenen Bullshit. Wenn wir jedes Jahr Häuser im Wert von einer Million Dollar kaufen und gewaltige Summen für wohltätige Zwecke aus unserer Musik spenden, werde ich darüber nachdenken, ein Ego zu entwickeln. Aber anders als man meint. Ansonsten ist dies komplett fehl am Platze.

Welche 3 Alben würdest du mit auf die einsame Insel nehmen?

Judas Priests „Sad Wings of Destiny“, „Appetite for Destruction“ von „G‘n’R“ und Saturns Debutalbum „Ascending Live in Space“.

Am Ende noch ein kleines Spielchen. Ich beginne Sätze und du vollendest sie. OK?

Klar, Mann, sehr gerne.

1. Mich kotzt es richtig an, wenn …

… Menschen, die in der Verantwortung stehen, sich wie Arschlöcher verhalten und andere dazu bringen, sich kleiner zu fühlen, als sie sind. Eine starke Persönlichkeit unterdrückt nämlich keine andere Person, sondern hilft ihr zu wachsen.

2. Wenn ich könnte, würde ich …

… an einem Silvesterabend im „Madison Square Garden“ spielen.

3. Mein Ruhepol in meinem Leben ist …

… mein großartiger Vater Sterling Smiddy. Ich liebe dich, Papa!

4. Wenn ich Donald Trump treffen würde, …

… würde ich ihm ihn in die Eier treten, weil er so ein Arschloch ist!

Vielen lieben Dank fürs Interview, mein Freund. Ich hoffe sehr, euch bald hier in Deutschland wiederzusehen

Ich danke dir! Wir lieben Deutschland! Ihr habt mit die besten Rockfans der Welt! Bewahrt euch das nur – und mir ein kaltes Bier! Wir sehen uns bald wieder!……(JensS)

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