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The Wild! – Still Believe In Rock And Roll

(js) Im Laufe des letzten Jahrzehnts scheint die Welt ihr Interesse an erdiger Rock-Musik wiederentdeckt zu haben. Dies machte sie uns gewahr, indem sie eine Reihe aufstrebender Bands dieser nostalgischen Töne auf uns loslässt, die ein neues Zeitalter des Rock’n’Roll einläuten wollen. Einige dieser Bands benötigen dazu nicht einmal eine musikalisch moderne Note, um einen solchen Funken wieder zu entfachen. Dazu gehörigen zweifelsohne die aus Vancouver stammenden „The Wild!“ (nur echt mit Ausrufezeichen), was sie auf ihrem neuesten, ihrem dritten, Album einmal mehr unter Beweis stellen. Passender als „Still Believe in Rock’n’Roll“ kann ein Albumtitel dann wohl auch nicht ausfallen.

Mit „Bad News“ geht’s dann auch direkt in die Vollen. Ein unerbittlicher 70er Jahre-Kracher, der eine durch Bon Scott inspirierte Note in sich birgt. Schon hier zeigt sich das melodische Songwriting, was keine Schnörkel benötigt, dafür aber catchy in die Ohren saust und einen hohen Wiedererkennungsfaktor besitzt. Dies gilt im Grunde für alle Songs, aber insbesondere in „King Of This Town“ und „Goin‘ To Hell“ überzeugen sie mit einem beinahe thrashigen Mix aus Blues und Classic Hard Rock. Vielleicht kann man dem Sound nahe kommen, wenn man irgendwann mal die frühen „Motörhead“ mit „AC/DC“ samt einer Nuance „Rotzepunk“ verpaart hatte.

Bassman „Boozus“ (ich liebe diesen Namen) führt die fußstampfende Achterbahnfahrt „Crazy For You“ an. Ich erkenne darinnen eine kleine „Sympathy For The Devil“-Reminiszenz, welche durchs Solo von Gitarrist Benny „The Kid“ prima garniert wird. Mit „Nothing Good Comes Easy“ folgt ein eher im Midtempo beheimateter Rocker, der der „AC/DC“-Songwriting-Schule zu entstammen scheint, bevor der den Sümpfen Louisianas entsprungene Southern Boogie „High Speed“ für ein absolutes Wohlfühlklima sorgt. Ich fühle mich quasi in einen mittenmang auf einer Veranda platzierten Schaukelstuhl gebeamt, in dem ich entspannt sitze und einzig dafür Sorge tragen muss, dass aus meinem Bier im Zuge der vollzogenen Schaukelbewegungen nicht allzu viel Flüssigkeit schwappt. Währenddessen ich leger und ehemals nüchtern meinen persönlichen Sonnenuntergang bereits mittags einläute. Wie der Zufall es will, funktioniert all das sogar ganz wunderbar!

Der Rausschmeißer „Gasoline“ ist dann eher ein balladesker Versuch, mit schwerem Kopf nach durchzechter Nacht noch musikalisch die Angebetene betören zu wollen. Mir eine Spur zu schmachtig, aber auf einem solchen Album wohl letztlich doch von Nöten. Auch hier zeigt sich, dass „The Wild!“ in nicht unerheblichem Maße von Frontsau Dylan Villain leben. Insbesondere von seiner Alkohol geschwängerten Stimme, die vielleicht nicht das klassische Reibeisen darstellt, aber doch deutlich zum Ausdruck bringt, wie man klingen kann, wenn man frühmorgens mit kanadischem „Black Velvet“ gurgelt.

Mit „Still Believe in Rock’n’Roll“ zeigen uns die Kanadier, dass sie in der Lage sind, ein Album abliefern zu können, das die hohe Oktanzahl und die rohe Energie ihres „Live-Sets“ einfangen und diese dynamische Stimmung direkt in die Adern von 10 arschtretenden Albumtracks kanalisieren kann. Dabei zeigen sie sich aber auch keinesfalls abgeneigt, „Rock’n’Roll“-Klischees zu bedienen. Hier werden sicherlich keine neuen, innovativen Impulse gesetzt, dafür aber authentisch und erdig Ärsche getreten. Es wird der Rock’n‘Roll nicht neu erfunden, jedoch sind „The Wild!“ eigenständig genug, um nicht als neuerlicher Aufguss von Altbekanntem herhalten zu müssen. Und vor Allem macht es gute Laune. Auch daran darf sich ein gutes Album durchaus messen lassen.

Von Klangkoryphäe Mike Fraser (unter anderem „AC/DC“, „Aerosmith“, „The Cult)“ fachkompetent und schön schwitzig in Szene gesetzt, setzt das dritte Album der Jungs aus Kelowna voll auf die energetische Kraft fettiger Cruspy-Riffs, fußstampfender Rhythmen und von Whiskey gurgelnden Kehlen ausgestoßener Party-Imperative. Und beweist ein kleines, aber feines Händchen für Roots-Rock. Oder anders ausgedrückt:

So say it loud, say it proud – or keep one fist in the gutter and the other in the goal. And if you “Still Believe In Rock N Roll”, go Wild!….(JensS)

Tracklist:

01. Bad News
02. Crazy For You
03. Nothing Good Comes Easy
04. High Speed
05. King of This Town
06. Still Believe in Rock And Roll
07. Playing With Fire
08. Young Rebels
09. Goin‘ To Hell
10. Gasoline


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Filed under: 70s, Album Reviews, Bluesrock, Classic Rock, Hardrock,

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